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Wie funktioniert eigentlich Schule in Italien? Wie ähnlich oder unterschiedlich ist die Ausbildung für angehende Lehrkräfte? Was können wir übereinander und voneinander lernen? Mit diesen Fragen im Gepäck machten sich eine Gruppe von vier Grundschullehramtsstudentinnen, einer Promovendin, zwei Post-Docs und Professorin Brigitte Latzko im Herbst 2022 von Leipzig aus auf den Weg in das norditalienische Padua. Isabel Berger von der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät berichtet nicht nur von "La dolce vita" Norditaliens.

Kennenlernen in Leipzig

Vor unserer Reise nach Italien durften wir bereits im September 2022 eine Gruppe von Studierenden und Mitarbeitenden der italienischen Erziehungswissenschaftlichen Fakultät begrüßen: Nach einer entspannten Phase des Kennenlernens und Ankommens ging es in den Räumlichkeiten unserer Fakultät direkt an die inhaltliche Arbeit in Kleingruppen zu Themen wie Unterrichtsevaluation, Evaluation von Lehrkräften und Assessment in der Grundschule, immer vor dem Hintergrund des Vergleichs der beiden (Hoch-)Schulsystemen. Für Abwechslung sorgten unter anderem eine geführte Tour durch den Studiendekan Professor Jonas Flöter über den Campus der Fakultät, eine Führung durch die Kunstsammlung der Universität auf dem Campus Augustusplatz sowie Besichtigungen des Schulgartens, des FabLabs und des Literacy Labs. Der Besuch einer Connewitzer Grundschule war, trotz der frühen Tageszeit, sehr bereichernd für alle Beteiligten, vor allem auch dank der engagierten Lehrkraft Frau Bergmann vor Ort. Die Studierenden hatten die Möglichkeit, im Unterricht zu hospitieren und konnte anschließend noch alle brennenden Fragen mit ihr diskutieren. Bei geselligen Mittags- und Abendessensrunden hatten wir dann auch Gelegenheit, uns abseits des universitären Kontexts kennenzulernen und auszutauschen.

Wiedersehen in Padua

Nach dem intensiven, aber natürlich viel zu kurzen Besuch der Italiener:innen in Deutschland folgten weitere digitale Arbeitstreffen, aber wir konnten es kaum erwarten, nach Padua zu fahren. Wir setzten uns also am 4. Oktober am Münchner Hauptbahnhof in den EuroCity Richtung Venedig und genossen eine gemütliche sechsstündige Zugreise durchs beeindruckende Alpenpanorama inklusive Schneegipfeln und Weinreben. Nachdem wir die Begeisterung über den Blick aus dem Hotelzimmer auf die Basilica de Sant Antonio „überwunden“ hatten, war der Hunger erst mal groß, aber glücklicherweise ebenso die Pasta-Portionen. Noch größer war nur die Wiedersehensfreude am nächsten Morgen, als wir uns mit den italienischen Studierenden in den Räumen der Universität Padua trafen.

Nach aktivierendem Warm-Up gab uns Professorin Emilia Restiglian einen Überblick zur Ausbildung von angehenden Grundschullehrkräften sowie zum Aufbau des Schulsystems in Italien. Größte Überraschung für uns: Italienische Grundschullehrkräfte können und müssen grundsätzlich jedes Fach unterrichten. Üblicherweise wählen sie Schwerpunktfächer aus, in denen sie Expertise ausbilden, dennoch müssen sie auch jedes Fach und dessen Didaktik studieren – ganz anders als in Deutschland, wo wir bereits bei der Einschreibung ins Studium unsere Fächer festlegen. Noch ein großer Unterschied zum deutschen Lehramtsstudium: Bereits ab dem ersten Semester durchlaufen die Studierenden parallel Praktikumsphasen an Schulen. Nach all den Unterschieden wollten wir unsere Gemeinsamkeiten entdecken, indem wir in Kleingruppenarbeit mit Fallvignetten Ideen für Diagnostik und Förderung entwickelten. Am Ende unseres Aufenthalts wurden die Ergebnisse präsentiert und es kam zu einem regen und sehr bereichernden Austausch über schulisches Assessment, Förderung und deren Zusammenhang.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Zu sehen ist das Wahrzeichen Paduas, die Basilica di sant'antonio
Die Basilica di Sant’Antonio, fotografiert aus dem Botanischen Garten Paduas. Foto: Lucie Rolle Foto: Lucie Rolle

Dolce Vita genießen

Daneben hatten wir auch genug Zeit, die Stadt kennenzulernen und zu entdecken: Wir besuchten bei feinstem T-Shirt-Wetter den weltweit ältesten Botanischen Garten, der nie seinen Standort geändert hat, und diskutierten anhand eines Rizinus-Samens über explizite und implizite Diagnostik, wandelten auf den Spuren Galileo Galileis durch die beeindruckenden Gemäuer der 800 Jahre alten Universität und machten es uns zur Aufgabe, das beste Gelato der Stadt aufzuspüren. Die Navigation mit dem Smartphone auf dem Weg zum Besuch der italienischen Grundschule stellte sich zunächst als Herausforderung dar, führte uns aber schlussendlich an die schönsten Orte. Dort angekommen erhielten wir spannende Einblicke in die Arbeitsweise der Montessori-Pädagogik im Vergleich zu klassischem Unterricht durch die Hospitation in verschiedenen Klassen. Auch hier wurden wir mit größter Gastfreundschaft empfangen und hatten Gelegenheit, den Lehrkräften sowie der Schulleitung all unsere Fragen zu stellen. Auch bei unserem Besuch in Italien genossen wir wieder die gemeinsamen Abendessen – diesmal bei Pizza, Pasta und Aperol Spritz.

Insgesamt möchten wir keinen Moment des Besuchens und Besuchtwerdens missen. Wir haben neue Erkenntnisse über Schulsysteme, Diagnostik und Pädagogik gewonnen, neue Freundschaften geknüpft und eine wunderschöne italienische Stadt auf eine einzigartige Art und Weise kennengelernt. Wir haben gelernt, diskutiert, gefragt, geantwortet, gegessen, getrunken und gelacht. Wir sind sehr dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben und hoffen, dass es nicht die letzte dieser Art gewesen sein wird.

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