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Als Silvia Tran auf der Zielgeraden ihres Studiums war, fühlte sie sich auf einmal verunsichert. Hochmotiviert hatte sie schon vor ihrem Studienabschluss begonnen, sich auf Arbeitsstellen zu bewerben. Dann beschlich sie plötzlich das Gefühl: Ich habe von Bewerbungen gar keine Ahnung! So wie Silvia Tran geht es vielen Studierenden, die sich an der Schwelle vom Studium ins Berufsleben befinden. Beim Gedanken an den Berufseinstieg macht sich Unbehagen breit. Das neue Mentoringprogramm der Universität Leipzig will hier Abhilfe schaffen: Alumni, aber auch Vertreterinnen und Vertreter regionaler Unternehmen, bilden mit aktuellen Studierenden ein sogenanntes „Tandem“ und geben ihre Erfahrungen an sie weiter.

Erste Staffel erfolgreich angelaufen

Mit 42 Tandems startete die erste Staffel des Mentoringprogramms im November 2020. Mitte Januar trafen sich die Teilnehmenden per Online-Konferenz zu einer Zwischenbilanz – und gaben durchweg positives Feedback. „Ich habe selbst die Erfahrung in meinem Leben geschätzt, über Jahre einen Mentor an meiner Seite zu wissen“, berichtete Psychologie-Absolvent Dr. Daniel Köhn. Seine Tandempartnerin Nina Friedrich studiert ebenfalls Psychologie und bestätigte: „Die Einblicke in Daniels Arbeitsalltag sind sehr interessant und bereichernd für meinen eigenen Berufsweg.“ Die beiden sind überzeugt, dass sie auch über das Mentoringprogramm hinaus in Kontakt bleiben werden.

Spannende Gespräche auf Augenhöhe

Damit Mentoren und Mentees möglichst nachhaltig von ihrem Zusammentreffen profitieren, gibt das Mentoringprogramm eine grobe Struktur vor. Die Programmleitung empfiehlt, bei mindestens drei individuell vereinbarten Treffen beispielsweise über Spielregeln im Berufsalltag, Laufbahngestaltung oder Zeit- und Aufgabenmanagement zu sprechen. Auch ein Austausch über gute Kommunikation im Team oder über eine gesunde Work-Life-Balance ist wertvoll für die künftigen Berufsanfängerinnen und -anfänger.

Viele Mentoringpaare berichteten in ihrer Zwischenbilanz von einem vertrauensvollen Verhältnis auf Augenhöhe, spannenden Gesprächen, intensivem Austausch und Anregungen zur Selbstreflexion. Trotz der coronabedingten Kontaktbeschränkungen hatten viele Tandems eine gute Mischung aus persönlichen Treffen beim Spaziergang im Park und Kontakt per Skype oder Zoom gefunden.

Mentoringpartner sollten gut zueinander passen

Damit wirklich gute Gespräche entstehen, muss natürlich die Chemie zwischen den Tandempartnern stimmen. Um passgenaue Tandems zusammenzubringen, arbeitet das Organisationsteam der Universität Leipzig mit anderen Universitäten (unter anderem der FU Berlin und der RWTH Aachen) im Forschungsprojekt tech4comp zusammen, das Angebote zur mentoriellen Begleitung im Studium entwickelt, erprobt und dafür ein digitales Matching Tool entwickelt hat.

Attraktiv für Studierende wie für Alumni

Die intensiven Vorbereitungen in den Sommer- und Herbstmonaten haben sich für die Organisatorinnen aus dem Career Service und vom Alumni-Netzwerk gelohnt: „Wir möchten Studierende bei ihrem Berufseinstieg und ihrer persönlichen Entwicklung, insbesondere in der Region Leipzig, unterstützen und begleiten“, sagt Dr. Anna Flocke vom Career Service. „Die positiven Rückmeldungen der ersten Tandems bestätigen, dass das Konzept des Mentoring dazu einen wichtigen Beitrag leisten kann.“

Auch für Alumni-Koordinatorin Christin Kieling ist das neue Mentoringprogramm ein Erfolgskonzept: „Mir ist es wichtig, dass unsere Alumnae und Alumni der Universität verbunden bleiben und gerne zu uns zurückkehren, beispielsweise um ihre Berufs- und Lebenserfahrungen an aktuelle Studierende weiterzugeben.“ Für die erste Staffel hätten sich über 110 interessierte Absolventinnen und Absolventen gemeldet. „Das zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Die zweite Staffel sei für 2021 geplant. Alumni, die ebenfalls Lust haben, als Mentor oder Mentorin zur Verfügung zu stehen, könnten sich schon jetzt per E-Mail melden.

Mit Selbstbewusstsein ins Berufsleben

Absolventin Silvia Tran hat ihre eigenen Erfahrungen beim Berufseinstieg noch genau im Kopf. Jetzt hilft sie Studentin Louisa Marko dabei, diesen herausfordernden Lebensabschnitt zu meistern. „In vielen Berufen wird mehr als eine Standardbewerbung erwartet. Deshalb nutzen wir das Mentoring, um gemeinsam Louisas Bewerbungsunterlagen durchzuschauen. Außerdem gebe ich ihr Ratschläge, worauf sie bei Stellenausschreibungen achten muss.“ Louisa Marko weiß diese Unterstützung zu schätzen: „Durch die zahlreichen Tipps und den Austausch über persönliche Erfahrungen fühle ich mich bereits jetzt schon viel sicherer und kann es kaum noch erwarten, in meine berufliche Zukunft zu starten.“

Das Mentoringprogramm wird durch die Initiative TalentTransfer, ein Projekt des Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr zur Fachkräftesicherung in Sachsen, mitfinanziert. Ziel von TalentTransfer ist die Vernetzung von Studierenden, Absolventinnen und Absolventen sowie Promovierenden mit der regionalen Wirtschaft. Bei der Auswahl der Mentorinnen und Mentoren wurde deshalb auch auf einen regionalen Bezug geachtet.

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