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Die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia feierte am 15. Januar 2021 ihren 20. Geburtstag. Prof. Dr. Christian Pentzold vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig kennt sich mit dieser Thematik bestens aus, denn er befasst sich seit seiner Dissertation mit dem Projekt. Er weiß, dass sich die Wikipedia mittlerweile auch in der Wissenschaftscommunity einen Namen gemacht hat. Die derzeit wohl bekannteste Enzyklopädie hat sich gerade in den vergangenen Jahren zur anerkannten Wissensquelle entwickelt.

Wikipedia als Quelle – auch in der Wissenschaft

„Im Grunde wurde die Wikipedia von Beginn an, also seit den Gründungsjahren, wissenschaftlich genutzt, nur eben auf verschiedene Art und Weise“, sagt er. Anfangs habe sie als offenes Projekt vor allem Forschende angezogen, die hier Prozesse der Wissensorganisation und -produktion, der netzbasierten Selbstverwaltung und sozialen Ordnung untersuchten. „In den letzten Jahren mehren sich aber auch die Referenzen auf das Nachschlagewerk, gerade wenn es um technische Themen geht“, berichtet der Experte. 

Pentzold betont aber auch die Besonderheiten von Wikipedia, die für alle – nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – gilt: Wikipedia ist keine Enzyklopädie im herkömmlichen Sinn. Ihre Einträge sind dynamisch und verändern sich ständig. Sie ist offen und kostenfrei zugänglich und in vielen Sprachen verfügbar. Die einzelnen Sprachversionen sind zumeist keine Übersetzungen aus einer anderen Ausgabe, sondern setzen – regional bedingt – jeweils eigene Schwerpunkte. 

Image von Wikipedia hat sich gewandelt

Aber welches Image hat Wikipedia in der Wissenschaftscommunity? „In den letzten zehn Jahren hat sich die Wahrnehmung Wikipedias stark gewandelt. Standen 2010 noch Fragen nach der Güte und Informationsqualität im Mittelpunkt, so gilt Wikipedia heute angesichts immer wieder auftauchender Fake News und Falschinformationen auf sozialen Plattformen sozusagen als Garant verlässlichen Wissens“, erklärt der Kommunikationswissenschaftler. Das, so sagt er, heiße nicht, dass alles korrekt und Wikipedia ohne Fehler ist. Aber es gebe Mechanismen zum Prüfen der Inhalte.  

Auch er als Fachmann kann schwer einschätzen, in welchen Wissenschaftszweigen die Enzyklopädie besonders oder weniger verlässlich ist. Unabsichtlich oder absichtlich könnten überall Fehler zu finden sein, so Pentzold. „Besonders heikel sind Artikel zu tagesaktuellen Themen, bei denen Wikipedianer auf Nachrichteninformationen angewiesen sind. Gerade, wenn die Faktenlage und die historische Einordnung unklar sind, wird das Schreiben eines Artikels zum Wagnis“, warnt er.

Nicht ohne Kontrolle

Ebenso wie bei anderen Enzyklopädien gibt es bei Wikipedia einen Kontrollmechanismus, auch und vor allem bei wissenschaftlichen Einträgen. Dieser basiert auf der prüfenden Begutachtung durch die Autoren, die dazu auf einige technische Einrichtungen der Wiki-Software beziehungsweise auf zusätzliche Programme zurückgreifen können. „Das hat auch Auswirkungen auf das Prinzip der Offenheit des Schreib- und Editierprozesses, der inzwischen durch Prüfinstanzen ergänzt wurde“, sagt Pentzold.

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