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Ute Lohs ist Gärtnerin im Botanischen Garten und vermittelt gemeinsam mit ihren Kolleg:innen Wissen an Kinder. In ihrem Blogbeitrag beschreibt sie, wie die Kooperation mit der benachbarten KITA Unikat funktioniert und, dass besonders die Wirkung auf Multiplikatoren von großer Bedeutung ist und gesellschaftliches Handeln beeinflusst.

„Eins, zwei, drei im Sauseschritt … läuft die Zeit, wir laufen mit.“ Dies ist ein treffender Ausspruch von Wilhelm Busch. Seit April 2016, also seit mehr als fünf Jahren, gibt es das Projekt „Kindergarten – Gartenkinder“. Das Projekt ist mittlerweile fest etabliert, aber immer noch jung, klein und überschaubar, praxisorientiert und konkret, mit minimalen Mitteln ausgestattet und ausbaufähig. Seit Jahrhunderten wird das Paradies mit einem Garten gleichgesetzt. Diesen Garten, welchen man auch als Gleichnis für die Natur und unsere Umwelt betrachten kann, gilt es zu erhalten, für und durch die kommenden Generationen. Hier setzt das Projekt „Kindergarten – Gartenkinder“ an. Partner sind der Botanische Garten der Universität Leipzig und die Kita Unikat (Kindervereinigung Leipzig e. V.), ansässig in der Linnéstraße 1 bzw. in der Linnéstraße 8 und damit in glücklicher räumlicher Nähe, was das Projekt erst möglich macht. Grundgedanke war die Schaffung eines Refugium für die Kinder und deren gärtnerisch praktisches Tun auf dem Gelände des Botanischen Gartens. Nicht einmalig, nicht kurzfristig, sondern langfristig. Also der Natur gemäß!

Der pädagogische Ansatz ist dabei natürlich kindgerecht, also spielerisch und freudbetont, aber dennoch klar strukturiert und zielgerichtet. Das Gärtnern ist für die Kinder keine Pflichtübung. Das Konzept der Kita Unikat beruht auf Freiwilligkeit und Freude an der Beteiligung. Somit kommen seit April 2016 einmal pro Woche Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren zu ihrem „Arbeitseinsatz“. Der Zuspruch ist groß, manchmal nehmen bis zu 20 Kinder teil. Begleitet werden sie dabei immer von denselben gärtnerisch interessierten Mitarbeitern der Kita Unikat, soweit das organisatorisch machbar ist. Gleiches gilt für die Betreuung und fachliche Anleitung seitens des Botanischen Gartens. Nach Möglichkeit wird diese Aufgabe stets von mir wahrgenommen. Ich bin den Kindern bekannt und vertraut. Diese Kontinuität und Stabilität sind wichtig, um den Kindern Sicherheit, Verlässlichkeit und Vorfreude zu vermitteln.

Das Ergebnis spricht für sich: Innerhalb des Botanischen Gartens konnte ein eigener räumlich abgetrennter Bereich für die Kindergartenkinder geschaffen werden. In den Jahren 2016 bis 2019 weilten die Kinder an durchschnittlich 39 Tagen pro Jahr im Botanischen Garten, um ihren gärtnerischen Tätigkeiten nachzugehen, und das nicht nur bei schönem Wetter. Durch die selbst geleistete Arbeit, die alle gärtnerischen Arbeiten umfasst, wird das Interesse an Flora und Fauna geweckt, die körperliche und geistige Entwicklung wird gefördert, das Immunsystem gestärkt. Die motorischen Fähigkeiten werden positiv beeinflusst. Das Erleben der Natur im Rhythmus der Jahreszeiten regt zum intensiven Beobachten an.

Die theoretischen Informationen am Anfang und der Ausblick auf die kommende Woche am Ende der Veranstaltung erzeugen einen Spannungsbogen, der die Aufmerksamkeit der Kinder weckt und erhält. So klein die Kinder zum Teil auch sind, es entsteht eine Begeisterung für ihr eigenes Reich. Die verrichtete Arbeit wird immer dokumentiert. Wissen ist bekanntlich das Kind der Erfahrung! Vielleicht erwählt sich eines der Kinder ja im weiteren Verlauf seines Lebens das Gärtnern zum Hobby oder es werden gar Berufswünsche geweckt? Und wäre es nur ein einziges der Kinder, welches späterhin einen Blick für die Natur im ganz übergreifenden Sinne entwickelt, so hätte das Projekt „Kindergarten – Gartenkinder“ seinen Zweck erfüllt.

Vorerst jedoch gehört das Gießen zu den schönsten Tätigkeiten für die kleinen Gärtner, die die Erfahrung machen, dass sie damit die Pflanzen am Leben erhalten, um schließlich selbst ernten, verarbeiten und naschen zu können. Alle Sinne der Kinder werden angesprochen. Freude und berechtigter Stolz werden geweckt. Nur was man sät, kann man ernten. Respekt vor der Natur, Achtung des Lebens. Davon eine Ahnung zu vermitteln, ist wichtig für die Kinder. „Ideale soll man nicht begraben, sondern im Garten einpflanzen“, sagte sinngemäß Erich Kästner. In diesem Sinne hoffen wir, dass der kleine Kindergarten mit seinen Gartenkindern lange Zeit Bestand haben möge. An Nachwuchs fehlt es nicht, denn seit März 2017 kommen sogar die Krippenkinder der Kita Unikat für jeweils eine halbe Stunde vor den eigentlichen Gartenkindern, um ebenfalls erste Erfahrungen im Garten zu machen. Bildung zu vermitteln, ist die Hauptaufgabe einer Universität. Man kann gar nicht früh genug damit beginnen. Die Wertschätzung der Natur ist für uns Menschen überlebenswichtig. Unser gemeinsames Projekt kann daher eine Anregung und ein Anfang für die naturkundliche Bildung sein.

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