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Gut zwei Wochen ist das Wintersemester nun schon alt und dass es ein ganz besonderes ist, wird bei einem Besuch auf dem Campus Augustusplatz schnell deutlich. Einiges knüpft an die Zeit vor Corona an, anderes wird nun ganz neu erprobt.

Eilig hastet der Student in der weißen Daunenjacke und den großen Kopfhörern auf den Ohren im Hörsaalgebäude die Treppen hinauf. Noch eine und noch eine. Endlich hat er Hörsaal 9 erreicht. Schnell noch den Rucksack vom Rücken nehmen, dann kramt er schon nach seinem Handy. Er öffnet die Corona-Warn-App, checkt sich in den Hörsaal ein und schon kann es los gehen. Die „Technik des Rechnungswesens“ wird ihn nun in den kommenden eineinhalb Stunden in der Vorlesung beschäftigen. Gleich zu Beginn mahnt die Dozentin an, doch bitte beim nächsten Mal eine Reihe jeweils frei zulassen, um genügend Abstand halten zu können. So müsse die Maske heute aufbleiben.

Kontrolle und Check-in an der Hörsaaltür
Abstand, Maske, Seminar-Check-in und 3G – das sind die neuen Taktgeber, die nun auch das Campusleben prägen. Das klappt an diesem 19. Oktober im Hörsaal- und Seminargebäude gut. Auch Charlotte Peters, die eine Etage tiefer die Studierenden an der Tür empfängt, an den Check-in erinnert und die Zertifikate kontrolliert, ist zufrieden. „Es gibt keine Probleme, die Studierenden zeigen meist unaufgefordert ihr Zertifikat oder ihr Testergebnis vor. Die meisten, die ich hier antreffe, sind geimpft. Das ist alles gut organisiert“, sagt sie, bevor sie für ihr Tutorium „Introduction to Literary Analysis“ die Türen von Hörsaal 4 schließt.

Lust darauf, wieder an die Uni zu kommen
Im Innenhof des Leibniz-Forums nutzen derweil Alicia, Hanna und Franka ihre Pause zum Sonne tanken und zum Austausch. Das sei in den letzten Semestern viel zu kurz gekommen, finden die drei Studentinnen. „Es ist schön, wieder hier zu sein“, sagt Alicia, die im 5. Semester Kulturwissenschaften studiert. „Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist es schon, dass plötzlich wieder so viele im Seminarraum oder im Hörsaal sitzen. Aber das ist viel besser als zuhause alleine vor dem Laptop zu lernen“, ergänzt Hanna, Studentin der Kommunikations- und Medienwissenschaften. Alle drei finden das Präsenzsemester bislang gut organisiert, teilweise viel besser als die Online-Lehre zuvor. Lehramts-Studentin Franka hat sogar den Eindruck, dass jetzt mehr Studierende den Weg ins Seminar oder in die Vorlesung finden als vor Corona. „Früher habe ich manchmal ein Seminar geschwänzt, heute bin ich bei jedem dabei. Alle haben einfach Lust darauf, wieder an die Uni zu kommen.“

„Die Mehrheit ist geimpft“
Das Gefühl hat auch Johannes Schuster, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft, der nebenan im Seminarraum 115 seine Studierenden in die Mittagspause entlässt. „Vor allem kann sich jetzt auch keiner mehr hinter der Kamera des Laptops verstecken, es wird wieder mehr interagiert und diskutiert“, sagt Johannes Schuster. „Es ist hier im Seminargebäude relativ eng, daher behalten alle die Masken während des Seminars auf.“ Generell findet er den Weg der Uni gut, im Vorlesungsbetrieb auf Vertrauen und Solidarität bezüglich der 3G-Regeln zu setzen – solange es funktioniert. Schuster selbst hat zur ersten Sitzung alle Zertifikate kontrolliert und checkt nun jede Woche noch die aktuellen Testergebnisse einzelner Teilnehmer:innen. „Die Mehrheit in meinem Seminar ist ohnehin geimpft“, stellt auch Schuster fest.

Rund 150 Impfungen im Neuen Augustem
Ein gestiegenes Interesse an Corona-Impfungen, das sieht Jeannette Worgt gleich nebenan im Neuen Augusteum. Jeden Dienstag und Mittwoch von 9 bis 16 Uhr empfängt sie und ihr Team der Johanniter Impfwillige. An diesem Dienstagmittag warten schon etwa zehn von ihnen in der Schlange, andere werden bereits aufgeklärt oder füllen Formulare aus. „Das Publikum hier ist insgesamt gemischt, aber wir haben viele dabei, die an der Uni studieren oder arbeiten“, sagt Jeannette Worgt. „Wir spüren aktuell, dass die Tests jetzt etwas kosten, die Mund-zu-Mund-Propaganda zunimmt und dass die Uni intern viel dazu kommuniziert.“ Das zeigen ihre Zahlen deutlich: Während in der vorlesungsfreien Zeit etwa 80 Personen am Tag geimpft worden, sind es jetzt nach Semesterbeginn rund 150 Impfungen. Am Nachmittag „brennt es“, sagt Worg, deshalb empfiehlt sie einen Besuch des mobilen Impfteams am Vormittag.

Draußen vor den Toren des Neuen Augusteums bahnt sich indes eine andere Schlange ihren Weg: Dutzende Studierende und Mitarbeiter:innen warten geduldig auf ihren Einlass in die Mensa. Nun, drei Semester digitale Uni hat doch nicht alles verändert.

Katarina Werneburg

 

  • Kommentar von Luise Charlotte Bauer am 28.10.2021 um 10:53 Uhr:
    Man kann sich ja alles schön reden...
    Leider haben die Beschreibungen in dem Beitrag äußerst wenig mit der Realität zu tun. Von einer Dozentin abgesehen, kontrolliert absolut niemand von den Dozierenden 3G (von der Sinnlosigkeit von Selbsttest im 4 Augenprinzip gar nicht erst anzufangen) und die Kontaktnachverfolgung ist auch allen egal. Die Hörsäle und Seminarräume sind so voll, dass man von Mindestabstand nur träumen kann und Masken werden teils sehr kreativ getragen. Ein hybrides Semester wäre wesentlich besserer gewesen. Hier ist es nur der Initiative einer handvoll Dozirender zu verdanken, dass es wenigstens ein paar online Angebote gibt, im Falle einer Quarantäne hätte man halt Pech. Vor Ort ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich alle gegenseitig angesteckt haben und die Zahlen schießen ja auch schon wieder in die Höhe (es gab ja mal Zeiten da war bei einer Inzidenz von mind. 50 schluss mit Präsenz). Echt traurig wie hier mit der Gesundheit der Studierenden gepokert wird.
  • Antwort der Redaktion am 28.10.2021 um 13:05 Uhr:
    Liebe Frau Bauer, vielen Dank für Ihren Kommentar. Ihre Kritik können Sie zielgerichtet an die zuständigen Ansprechpartner:innen richten. Zu finden sind die Kontakte auf unserer Corona-Seite.

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