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Im Juli wurde während einer gemeinsamen Videokonferenz durch 29 deutsche Hochschulen, darunter auch der Universität Leipzig, der gemeinnützige Verein „Moodle an Hochschulen“ gegründet. Der Verein ist Ansprechpartner und Multiplikator für das Open-Source-Lernmanagementsystem Moodle im deutschen Hochschulraum. Moodle wird an circa 180 deutschen Hochschulen eingesetzt und steht damit über 1,5 Millionen Studierenden zur Verfügung. In der Corona-Krise konnte auch mit Hilfe von Moodle der Studienbetrieb nicht nur aufrechterhalten, sondern auch ausgebaut werden. Von unserer Universität begleitet die Vereinsgründung Konstanze Pabst aktiv mit. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im E-Learning-Service. Über die Ziele des Vereins und die Bedeutung für die Universität Leipzig spricht sie im Interview mit dem Leipziger Universitätsmagazin.

Wie ist die Idee entstanden, den Verein „Moodle an Hochschulen“ zu gründen?

Die Idee schwelte schon seit mittlerweile anderthalb bis zwei Jahren, kam auf einem der letzten Vor-Ort-Moodle-Hochschultreffen noch einmal geballt auf und sollte auf dem nächsten regulären Treffen besiegelt werden. Dieses wurde pandemiebedingt dann digital durchgeführt und es gab schwerwiegendere Probleme, die in den Vordergrund rückten.

Wer waren die Initiatoren?

Die Initiatoren waren eine Handvoll Hochschulen bzw. die dortigen Vertreterinnen und -vertreter und wir wuchsen in letzten Jahren zu einer beachtlichen Anzahl von ca. 15 – 20 Initiator:innen zusammen.

Wie sind Sie zu dem Projekt gestoßen?

Es gibt ein internes Forum, in dem fast alle deutschen Hochschulmoodler:innen vertreten sind. Darüber habe ich auch von der angedachten Vereinsgründung erfahren. Seit Anfang dieses Jahres bin ich dann ebenfalls zur Initiative zugestoßen.

In welcher Rolle sehen Sie sich persönlich in dem Verein?

Ich freue mich auf die Arbeit im Verein und freue mich auch, für die nächsten zwei Jahre im Vorstand mitarbeiten zu können. Ich möchte mich dabei vor allem im Bereich der Verzahnung von Technik und Didaktik einbringen und kann mir auch vorstellen, mich anfangs für die Öffentlichkeitsarbeit und die Finanzarbeit zu engagieren. Da der Verein sich gerade erst konzipiert, ist hier noch sehr viel Aufbauarbeit zu leisten.

Welche konkreten Ziele hat sich der Verein gesetzt und welchen Beitrag kann die Universität Leipzig leisten?

Der Verein versteht sich als Ansprechpartner und Multiplikator, stärkt Vernetzung und Wissenstransfer und koordiniert Moodle-Weiterentwicklungen für den Hochschulbedarf. Auch ohne Pandemie bieten solche digitalen Plattformen viele Möglichkeiten: Studieninhalte können zeitlich und örtlich unabhängig in diversen digitalen Formaten abgerufen werden, Studierende kommunizieren untereinander und mit Lehrenden. Sie bearbeiten interaktive Lernaktivitäten, Prüfungen werden digital unterstützt.

„Moodle an Hochschulen“ richtet Netzwerktreffen und Experten-Panels aus und ermöglicht den Austausch und die Veröffentlichung von Best Practices und trägt damit zur digitalen Souveränität im Bildungssektor bei.

Die zeitnahen Vereinsziele sind die erste Vereinssitzung, Pflegen der Website und Eröffnung eines Vereinskontos. Langfristig fassen wir die Koordination der hochschulweiten Moodle-Weiterentwicklung ins Auge und perspektivisch wollen wir gemeinsam Entwicklungen für den Hochschulbedarf beauftragen. Ebenfalls wünscht sich der Verein, Ansprechpartner für Politik und Hochschulwesen zu sein und sich auch für die Initiierung von Verbundprojekten starkzumachen.

Moodle ist eine von vielen Lernplattformen. Wer behält den Überblick, dass so viele oder alle Inhalte eingestellt und somit für alle Studierenden an den jeweiligen Hochschulen nutzbar gemacht werden?

Weltweit gibt es ca. 15 quelloffene Lernmanagementsysteme, also diejenigen, die Open-Source zur Verfügung stehen. Moodle gehört dazu. Zudem werden mehr als 20 proprietäre Lernmanagementsysteme genutzt. Für Moodle gibt es in Australien ein Headquarter, welches die gesamte Entwicklung steuert und koordiniert und dafür sorgt, dass auch alles Wichtige in den Core, also den offenen Quellcode kommt. Da die Lernplattform weltweit eingesetzt wird, wollen und möchten wir als deutsche Hochschulcommunity unseren Stellenwert und den unserer Lehrenden und Studierenden erhöhen. Generell gibt es zahlreiche Plugins, die man gekoppelt an die Lernplattform einsetzen kann. Hierbei hält jede Moodle-Instanz, sprich jeder System-Admin der jeweiligen Hochschule, die Hand darüber, welche Plugins noch mit aufgenommen werden. Damit steuert eigentlich jede Hochschule selbst, welche weiteren Schnittstellen es gibt und gepflegt werden. Hierbei passen wir uns, wenn es ein offiziell unterstütztes Plugin ist, als Einrichtung auch gern unseren Lehrenden an.

Wollen Sie mit dem Verein noch wachsen und weitere Hochschulen zur Mitwirkung einladen? Wie sieht es mit internationalen Kontakten aus?

Der Verein steht sehr gern weiteren Hochschulen, die ebenfalls Mitglied sein möchten, offen. Es gab auch schon direkt nach der Gründung weitere positive Rückmeldungen bzw. kamen noch nachgereichte Mitgliedsformulare hinzu. Wir freuen uns über jedes weitere Vereinsmitglied und planen innerhalb von Deutschland die gegenseitige Mitgliedschaft beim Stud.IP e.V. und dem ILIAS open source e-Learning e.V.

Weiterhin sind wir als Moodler:innen im deutschsprachigen Raum schon sehr gut vernetzt und aufgestellt innerhalb einer DACH-Community. Ebenfalls sind wir vorab in Kontakt mit dem Moodle-Headquarter getreten. Diese Institution koordiniert sämtliche Moodle Entwicklungen, die in den Core kommen. Weiterhin sind wir auch innerhalb der Moodle User Association sehr gut aufgestellt und vernetzt. Es fehlt letztendlich „nur“ noch der rein deutsche Moodle-Verein.

Der Verein Moodle an Hochschulen im Internet

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