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Wilhelm Wundt gilt als Begründer der Psychologie als eigenständige Wissenschaft. Er wurde zum 1. Oktober 1875 als ordentlicher Professor der Philosophie an die Universität Leipzig berufen, an der er bis 1917 tätig war. In dieser Zeit gründete er das erste psychologische Institut der Welt, das sich aus einem privaten Seminar zu einem öffentlichen Universitätsinstitut entwickelte.

Die Gründung des Instituts für Psychologie an der Universität Leipzig lässt sich nicht auf einen Tag datieren. 1875 wurde Wilhelm Wundt (1832-1920) vom Königlichen Ministerium unter Zustimmung des akademischen Senats ein kleiner Raum zur Verfügung gestellt, in dem Demonstrationsmittel für Vorlesungen über Psychologie sowie Apparate für eigene experimentelle Arbeiten untergebracht wurden. Als Gründungsjahr des Instituts wird meist 1879 angegeben, als die ersten Studenten begannen, sich mit experimentellen Arbeiten zu beschäftigen.

Wundt-Statue in China zeugt vom Weltruhm

Im Wintersemester 1883/1884 erschien das Institut zum ersten Mal unter dem Namen „Institut für experimentelle Psychologie zu Leipzig“ im Vorlesungsverzeichnis. In Wundts Zeit an der Universität Leipzig wurden 183 Doktoranden, 62 davon aus dem Ausland und 1 Doktorandin, Bertha Paulssen, promoviert, die zum weltweiten Ansehen Wundts beitrugen. Vom Weltruhm der Leipziger Psychologie zeugt noch heute eine Statue Wilhelm Wundts an der Southwest University Chongqing in China.

Wilhelm Wundt wurde am 16. August 1832 in Neckarau geboren und studierte nach seinem Abitur von 1851 bis 1856 Medizin, Naturwissenschaften und Philosophie an den Universitäten Heidelberg und Tübingen. Nach Stationen in Karlsruhe, Heidelberg, Berlin erhielt er 1874 eine ordentliche Professur in Zürich. 1875 wechselte er auf eine ordentliche Professur für Philosophie an die Universität Leipzig und führte bis zu seinem Ausscheiden aus dem Lehramt 1917 das Institut zur Weltgeltung. Noch heute gibt es hier ein Gedenkzimmer mit Memorabilien aus seiner Zeit. Von 1889 bis 1890 war Wilhelm Wundt Rektor der Universität Leipzig.

Eine Eiche für den Leipziger Ehrenbürger

Wenige Monate vor seinem Tod wurde im Jahr 1920 auf Beschluss des Rates der Stadt Leipzig im heutigen Clara-Zetkin-Park eine Eiche zu Ehren des Ehrenbürgers Wilhelm Wundt gepflanzt. Daran erinnert daneben auf einem Findling eine Metalltafel. Sie wurde am 31. August 2020 anlässlich seines 100. Todestages angebracht.

Während seiner letzten Lebensjahre wohnte Wundt in seinem Haus in Großbothen bei Grimma, das seine Tochter Eleonore Wundt (1876-1957) nach dem Tod ihres Vaters bewohnte, dort seinen Nachlass verwaltete und zu einem Wundt-Archiv ausbaute. 1927 erschien ihre Bibliografie „Wilhelm Wundts Werk. Ein Verzeichnis seiner sämtlichen Schriften“. Von 1927 bis 1947 war sie am Institut für Psychologie angestellt. Das Großbothener Wundt-Archiv wurde von den beiden Geschwistern und Erben, Max und Eleonore, 1947 der Universität Leipzig übereignet. Seit 2016 gibt es den Förderverein Wilhelm-Wundt-Haus Großbothen e. V.. Die 2021 begonnene denkmalgerechte Sanierung der 1904 erbauten letzten Wohnstätte von Wilhelm Wundt wird vom Bund und vom Freistaat Sachsen gefördert und soll bis 2024 abgeschlossen sein. Konzepte für eine wissenschaftsnahe Gedenkstätte sind in Arbeit.

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