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Die Faszination, "Chemie mit Hilfe von Computerberechnungen zu verstehen", Quantenmechanik und eine wirklich saubere, nachhaltige Energieerzeugungs-Technologie - diese Themen treiben Prof. Dr. Ralf Tonner-Zech an, Professor für Theoretische Chemie komplexer Materie. Im Universitätsmagazin stellt er sich vor.

Was haben Sie studiert – und wo?

Ich studierte von 1998 bis 2003 Chemie im Diplomstudiengang an der Philipps-Universität Marburg. Seit November 2020 habe ich die Professur für Theoretische Chemie komplexer Materie am Wilhelm-Ostwald-Institut für Physikalische und Theoretische Chemie hier an der Universität inne, zuvor war ich Professor für Theoretische Chemie an der Universität Regensburg.

Was fasziniert Sie an Ihrem Forschungsgebiet und was sind Ihre Schwerpunkte?

Die Möglichkeit, Chemie mit Hilfe von Computerberechnungen zu verstehen, finde ich immer noch großartig und eigentlich ziemlich unglaublich. In den Bann gezogen – und mein Weltbild arg ins Wanken gebracht – haben mich dabei während des Studiums die Erkenntnisse der Quantenmechanik, die uns zeigen, dass die Welt der Atome und Elektronen merkwürdig anmutenden und oft wenig intuitiven Gesetzen folgt.

Aus diesen Gleichungen und Formeln ein intuitives Verständnis für chemische Fragestellungen zu schaffen, bildet einen Schwerpunkt meiner Arbeit. Dabei bearbeite ich mit meiner Gruppe insbesondere materialwissenschaftliche Fragestellungen im Bereich Oberflächenchemie, Halbleiterfunktionalisierung und Grenzflächen-Phänomenen, aber auch molekulare Reaktivität und chemische Bindung spielen eine große Rolle.

Haben Sie sich für Ihre Tätigkeit an der Universität Leipzig ein bestimmtes Forschungsziel gesetzt? Welches?

Mein Ziel hier in Leipzig ist es, die computergestützte Chemie in das Zentrum der Forschung an komplexen Materialien zu rücken und als Motor und Impulsgeber für neue Entwicklungen zu etablieren.

Würden Sie bitte kurz einige Schwerpunkte nennen, die Sie in der Lehre setzen wollen?

Mein erstes Ziel ist, dass alle Absolvent:innen der Pflichtmodule im BSc-Studiengang Chemie in der Lage sind, die wissenschaftliche Fachliteratur – die immer stärker Theorieanteile beinhaltet – zu erfassen und einzuordnen. Für diejenigen, die sich intensiver mit dem Fachgebiet beschäftigen wollen, werde ich ein breites Spektrum an Spezial-Vorlesungen und forschungsnahen Praktika anbieten. Dabei werden digitale Lehrelemente eine zentrale Rolle spielen. Wichtig ist mir, dass die Studierenden frühzeitig Kontakt zur aktuellen Forschung im Fachgebiet erhalten.

Bitte beenden Sie folgenden Satz: „Die Universität Leipzig ist für mich…“

…ein Traumziel, an dem der Ausdruck „Tradition und Moderne“ wirkliche Bedeutung hat.

Welche Entdeckung, Erfindung oder Erkenntnis wünschen Sie sich in den nächsten zehn Jahren?

Ich wünsche mir einen Durchbruch bei der Entwicklung einer wirklich sauberen und nachhaltigen Energieerzeugungs-Technologie. Seit Studientagen warte ich auf die funktionierende Kernfusion und habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Welche Hobbys haben Sie?

Ich fahre gern Rennrad oder mache Radausflüge mit meinen Kindern. Als Vereinsmensch bin ich seit 25 Jahren als Orchesterschlagwerker aktiv (momentan aus Zeitgründen allerdings nicht).

Haben Sie ein bestimmtes Lebensmotto, das Ihnen auch über schwierige Phasen hilft?

Love it, change it or leave it.

Verraten Sie uns bitte noch wann und wo Sie geboren sind?

Im Februar 1978 in Cochem an der Mosel während des Frühjahrshochwassers (daher fast auf dem Weg zum Krankenhaus).