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Im Projekt „Replacer“ entwickeln Forscher:innen sogenannte hybride lebende Materialien. Es geht um mikrobielle Proteine mit einem geringen Kohlenstoff-Fußabdruck, hoher Akzeptanz und erschwinglichen Kosten – durch die Nutzung von Treibhausgasen. Das Fernziel: eine nachhaltige Produktion von Futterproteinen. Angewandte Forschung also, mit Optionen für einen späteren Transfer. Koordiniert wird das Projekt vom Forschungs- und Transferzentrum für bioaktive Materie (b-ACTmatter).

„Wissenschaftliche und technologische Innovationen, die darauf abzielen, Treibhausgase und Plastikmüll zu reduzieren und gleichzeitig eine nachhaltige Lösung für das derzeitige Futtermittelproduktionssystem zu finden, sind dringend erforderlich, um dem Klimawandel, der Plastikverschmutzung und der Ernährungsunsicherheit zu begegnen“, sagt Koordinator Dr. Rohan Karande. Er hat vor Kurzem als Nachwuchsgruppenleiter am Forschungs- und Transferzentrum für bioaktive Materie begonnen. „Um das in Angriff zu nehmen, widmen wir uns der Entwicklung und Skalierung von Bioreaktoren, um mikrobielle Biomasse als wertsteigerndes Futtermittelprodukt aus Kohlenstoffdioxid und Methan zu produzieren“, erläutert er. „Wir hoffen, einen Prototyp im Pilotmaßstab in drei bis vier Jahren testen zu können.“

Tilo Pompe, Professor für Biophysikalische Chemie und Wissenschaftlicher Leiter von b-ACTmatter, ergänzt: „Wir wollen hier die möglichen Anwendungen sofort mitdenken. Es wäre zu ehrgeizig, gleich ein Startup aus der ersten Projektphase heraus zu gründen, aber das kann ein nächster Schritt sein. Jedoch haben wir ein Top-Team aus Material- und Ingenieurwissenschaften, Biotechnologie, Physik, Informatik und Mathematik, welches in der Technologieentwicklung sehr weit kommen wird.“

Alles, was auf der Agenda steht, klingt herausfordernd. Ob es darum geht, maßgeschneiderte poröse 3D-Strukturen aus recycelten Kunststoffmembranen herzustellen, einen effizienten Mechanismus für den Stofftransport zu entwickeln oder am Ende eine große Menge an Biomasse zu produzieren, um ein kontinuierliches Produktionssystem mit hoher Wertschöpfung zu ermöglichen. Nicht zu vergessen: Eine Arbeitsgruppe für nachhaltige Kreislaufwirtschaft im Bereich Biotechnologie wird sicherstellen, dass die neu entwickelten Technologien auch hinsichtlich ethischer, sozialer, politischer, ökologischer und kultureller Auswirkungen durchdacht sind.

Ressourceneffiziente Technologien zur Unterstützung einer Kreislaufwirtschaft

Für die nächsten drei Jahre stehen für „Replacer“ 1,49 Millionen Euro zur Verfügung. Fünf Partner haben sich zusammengetan, neben der Universität Leipzig sind das die Universität Lettland in Riga, das Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung (IOM) in Leipzig sowie zwei Unternehmen, qCoat aus Sachsen und Holisun aus Rumänien.

„Replacer“ ist eines von neun im Vorjahr erfolgreich bewerteten Projekten im Rahmen von „M-era.Net“, einem von der Europäischen Union geförderten Netzwerk, das 2012 gegründet wurde, um die Bereiche Materialforschung und Materialtechnologien durch nationale und regionale Förderorganisationen, hier das Land Sachsen, gemeinsam voranzutreiben.

„Die Projektentwicklungen werden zu den Zielen des Europäischen Green Deal und des Aktionsplans für Kreislaufwirtschaft der EU-Kommission beitragen, fortschrittliche, ressourceneffiziente Technologien zur Unterstützung einer Kreislaufwirtschaft zu entwickeln“, erklärt Dr. Susanne Ebitsch, Geschäftsführerin von b-ACTmatter und verantwortlich für den Transferbereich. Sie besitzt eine umfangreiche Expertise in den Bereichen Technologietransfer, Verwertung und Lizensierung sowie Qualitäts- und Projektmanagement – was Projekte wie „Replacer“ entscheidend voranbringen kann. „Es gibt viele zu absolvierende Schritte, bevor man sagen kann: Hier ist nun das Produkt. Als Universität müssen wir für diesen Weg Möglichkeiten schaffen, günstige Rahmenbedingungen, wie sie aktuell durch den Aufbau des Forschungs- und Transferzentrums b-ACTmatter durch die Förderung der Bundesregierung und des Land Sachsen im Rahmen einer Strukturförderungsmaßnahme erfolgt“, sagt Ebitsch. „Zudem kommt es darauf an, passende Partner zu finden. Natürlich braucht man dafür Fachkenntnisse und muss zudem das nötige Netzwerk zur Wirtschaft pflegen.“

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