Nachricht vom

Jeden Tag aufs Neue motivieren sich Tausende Promovierende der Uni Leipzig, an ihrer Dissertation zu arbeiten, sitzen bis abends alleine in der Bibliothek, fragen sich, ob es überhaupt jemanden interessiert, was sie erforschen. Und über allem schwebt die Angst, dass der Vertrag nicht rechtzeitig verlängert wird, dass das Stipendium ausläuft, bevor die Arbeit fertig ist.

Doktorandinnen und Doktoranden stehen oft unter großem Druck. Sie forschen nicht nur, sondern müssen auch stetig publizieren, sind mitunter in der Lehre tätig, auf Konferenzen unterwegs und außerhalb ihrer Promotion Verantwortliche in Care-Arbeit. Auch Studien zeigen, dass Promovierende im Vergleich zu Studierenden und anderen Hochqualifizierten und unabhängig von vorher existierenden psychischen Problemen ein höheres Risiko haben, unter Depression oder anderen psychischen Problemen zu leiden. Viele nehmen dies als „normalen“ Teil dieser Phase wahr und unterschätzen damit die Folgen.

Psychische Gesundheit als Menschenrecht

„Die Promotion ist eine herausfordernde Phase für viele Nachwuchswissenschaftler:innen: Sie fordert ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Unsicherheit, Prokrastination - das Aufschieben von anstehenden Aufgaben - oder Phasen extremer Arbeitsanforderungen kennt wohl jede und jeder, der promoviert oder promoviert hat. Gerade in anstrengenden und stressigen Phasen kann es vorkommen, dass sich ernstzunehmende Stresssymptome einstellen, die unter Umständen auch Vorboten einer psychischen Erkrankung wie Depression oder Burnout sein können“, fasst Dr. Sabine Korek, Referentin für betriebliches Gesundheitsmanagement, zusammen.

Doch psychische Gesundheit ist ein Menschenrecht, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zuletzt am World Mental Health Day am 10. Oktober nochmal deutlich gemacht hat. Daran anknüpfend finden vom 1. bis 3. November an unserer Universität, der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) die Mental Health Awareness Days für Promovierende und Postdocs statt.

Psychische Belastungen vermeiden, die Resilienz stärken, Stress minimieren

Workshops, Vorträge und Vernetzungsangebote sollen für das Thema sensibilisieren, Unterstützungsmöglichkeiten eröffnen und die eigenen Handlungsmöglichkeiten stärken. Interessierte erfahren in den überwiegend online stattfindenden Angeboten, wie sie stressreiche Situationen entschärfen, psychische Belastungen vermeiden und ihre eigene Resilienz stärken.

Eine Anmeldung ist nur erforderlich für die drei parallel stattfindenden Einführungen in die Methode der kollegialen Beratungen an den Standorten Leipzig, Halle und Jena sowie für den Vortrag und den Workshop zum Thema Achtsamkeit and Meditation am UFZ. Alle weiteren Online-Angebote, wie zum Beispiel die morgendliche Entspannungseinheit, ein Workshop zu Resilienz oder der Vortrag zu positiver Psychologie können ohne vorherige Anmeldung besucht werden.

Workshops und Vorträge zur Sensibilisierung für das Thema psychische Gesundheit

„Die Tage können aber nur ein Anstoß sein, für das Thema sensibilisieren und Anlaufstellen für Hilfesuchende aufzeigen. Strukturelle Probleme in der Promotions- und Postdocphase können auch durch Achtsamkeit und  Meditation nicht beseitigt werden“, sagt Dr. Kornelia Ehrlich, Geschäftsführerin der Graduiertenakademie Leipzig, die die Mental Health Awareness Days mitorganisiert. Die zentrale Einrichtung der Universität für Promovierende und frühe Postdocs setzt sich zum Beispiel durch die Etablierung von Betreuungsvereinbarungen für die Qualitätssicherung in der Promotion ein und hat die psychische Gesundheit als wichtiges Thema auf ihrer Agenda.

Kommentare

Keine Kommentare gefunden!

Ihr Kommentar

Hinterlassen Sie gern einen Kommentar. Bitte beachten Sie dafür unsere Netiquette.