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Wo ich am Ende meines Studiums und am Anfang meines Berufslebens lande? Das ist alles noch offen. Seitdem ich Kunstgeschichte und Ethnologie an der Uni Halle studiere, habe ich die unterschiedlichsten Nachfragen zu meinem zukünftigen Arbeitsleben bekommen. Dabei sind die Möglichkeiten so vielseitig: Museen, Galerien, Auktionshäuser, Opern- und Theaterhäuser, der Kulturbereich der Stadt sind nur einige Beispiele dafür. Dass jedoch auch eine Universität Menschen braucht, die sich im Bereich der Kunstgeschichte gut auskennen – darauf kommen die Wenigsten.

Nach sechs Semestern im Bachelor habe ich meinem Praktikum in der Kustodie der Universität Leipzig entgegengefiebert. Endlich bekomme ich die Möglichkeit, mein Wissen aus den unzähligen Seminaren und Vorlesungen anzuwenden. Die Verwaltung der Kustodie hat ihren Sitz im Krochhochhaus direkt am Augustusplatz. Seit Oktober sitze ich nun auch hier.

Grob gesagt ist die Kustodie für die Verwaltung, Instandhaltung und Ausstellung der Kunstschätze der Universität zuständig. Anhand des Kunstbestandes kann die Universitätsgeschichte in Ausstellungen anschaulich vermittelt werden. Einen Teil der Sammlung kann man sich im Rektoratsgebäude anschauen, und dann gibt es natürlich noch die Galerie im Neuen Augusteum, das Paulinum und die zahlreichen Kunstwerke, Skulpturen und Gemälde, die überall in der Uni verteilt sind. Außerdem werden von der Kustodie auch die klassischen Museumsaufgaben übernommen: das Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln.

In meinem achtwöchigen Pflichtpraktikum arbeite ich im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu gehört natürlich, die Social-Media-Accounts immer aktuell zu halten, viele Fotos und Videos zu machen, die Website zu erneuern, Veranstaltungen zu organisieren und zwischen den Ausstellungsstandorten hin- und herzulaufen und zu schauen, ob alles funktioniert.

Was ich toll finde, ist, dass ich hier genügend Eigenverantwortung übertragen bekomme und mich dennoch niemand ins unangenehme kalte Wasser schmeißt. Seit Kurzem leite ich sogar mein eigenes Projekt und arbeite die Audioguide-Texte für die Dauerausstellung im Rektoratsgebäude aus. Zusätzlich betreue ich noch die Aufsichtskräfte aus dem Paulinum - Aula und Universitätskirche St. Pauli, die aufgrund der Schließung des Gebäudes auch irgendwie beschäftigt werden müssen. Gemeinsam arbeiten wir jetzt an den Texten für den geplanten Audioguide, den man sich dann bei einem Besuch im Andachtsraum anhören kann.

Ja, die Corona-Pandemie hat auch die Kustodie gut im Griff. Wir mussten leider die gerade erst wieder geöffnete Ausstellung in der Galerie schließen, und alle anderen Standorte sind jetzt auch dunkel und verriegelt. Das heißt aber nicht, dass wir alle im Büro sitzen und weniger zu tun hätten. Ganz im Gegenteil: Es gibt nun mehr Zeit für andere Projekte und genügend Aufgaben, die man im Homeoffice erledigen kann. So kann ich auch mein Praktikum weitermachen, was in diesen unsicheren Zeiten nicht selbstverständlich ist. Dass vielen kulturellen Stätten im Moment die Hände gebunden sind, hat mir gezeigt, wie flexibel man bleiben muss, um aus eben solchen Situationen das Beste rauszuholen. Durch meine Zeit in der Kustodie habe ich bis jetzt schon mal einen spannenden und lehrreichen ersten Eindruck in ein Arbeitsfeld der Kunstgeschichte gewonnen. Damit habe ich zumindest immer eine Antwort in petto, falls mich mal wieder jemand fragen sollte, was man denn mit Kunstgeschichte später machen kann.

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