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Vom 05. bis 11. Oktober 2020 brachte die Internationale Summerschool von StiL 14 Studierende der Kunstgeschichte und der Klassischen Archäologie mit zehn internationalen Expert*innen zusammen, um über Materialität verschiedenster Objekte zu sprechen.

In einer Zeit, in der soziale Distanzierung den Alltag bestimmt, mag es kontraproduktiv erscheinen, Leipziger Studierende mit international Lehrenden zusammenbringen zu wollen. Allein die Hygienevorschriften und das Ansteckungsrisiko machten die StiL-Sommerschule „Living in a material world“ daher zu einem logistisch ambitionierten Vorhaben. Nichtsdestotrotz fanden sich aus der Vielzahl an Studiengängen der Universität Leipzig die Kunstgeschichte und die Klassische Archäologie zusammen, um mit Studierenden unterschiedliche materielle Welten kennenzulernen.

"Material Turn"

Das ist kein Zufall: Beide Studiengänge richten ihre Aufmerksamkeit auf von Menschen gefertigte Dinge und fragen nach deren Funktion, Schaffungsprozess und Materialität. Die Interessenzunahme an materiellen Kulturen, die eine stärkere Auseinandersetzung mit den Eigenschaften von Objekten fordert, wird dabei unter dem Begriff „Material turn“ zusammengefasst. Die von Menschen geschaffenen Gegenstände werden als Bedeutungsträger verstanden, deren Sinn nicht allein auf ihre bildliche Erscheinung reduziert wird: Das zur Herstellung verwendete Material spielt eine wesentliche Rolle, denn es bestimmt den Umgang des Betrachters mit dem jeweiligen Objekt maßgeblich mit. Grundkenntnisse über die Materialität von Artefakten, wie etwa über ihre physischen Eigenschaften, sind daher von großer Bedeutung.

Auch wenn der sogenannte „Material turn“ keine neue Erscheinung ist, konnte er bisher nur schwer in reguläre Curricula eingebunden werden, weshalb sich das Format „Sommerschule“ dafür eignete: So war eine fachübergreifende und durch internationale Gastdozierende erweitere Lehre möglich, die interessierten Studierenden einen Zusatz zum regulären Studienangebot gab. Die täglich wechselnden „Mottos“ (etwa Holz, Metall, Tafelmalerei et cetera) brachten es mit sich, auch täglich verschiedene Gastdozierende als Experten ihres jeweiligen Faches kennen und von ihnen lernen zu können, da eine Einzelperson nicht in allen Materialien gleichermaßen geschult sein kann. Ein weiterer Vorteil der vielzähligen Gastdozierenden aus Deutschland, Großbritannien, Italien und Irland war, dass Studierende so auch einen Einblick in zukünftige Arbeits- und Tätigkeitsfelder erhalten konnten.

Wie lässt sich Materialität in der digitalen Lehre darstellen und verstehen?

Neben den täglich wechselnden Impulsen wurden Studierende und Dozierende auch vor die Frage gestellt: Wie lässt sich Materialität in der digitalen Lehre darstellen und verstehen? Die Lernmodule enthielten sowohl theoretische als auch praktische Elemente, sodass neben grundlegenden Kenntnissen vor allem auch die praktische Handhabung von Objekten unterschiedlichster Materialität vermittelt werden sollte. Da aber nicht alle Dozierenden (aufgrund der Dienstreisebeschränkungen einiger Lände) persönlich vor Ort sein konnten, mussten praxisbezogene Aspekte in die hybride Lehre eingepasst werden, wodurch die Sommerschule einen zusätzlichen experimentellen Charakter erhielt und einen Probelauf für das Wintersemester 2020/21 darstellte. Studierende konnten dem glückerweise zahlreiche Vorteile abgewinnen, da das hybride Format zusätzliche Lerneffekte, wie das genauste Beschreiben von Gegenständen (da man sie dem Gegenüber nicht einfach zeigen konnte) förderte.

Summa summarum hat sich der erhöhte organisatorische Aufwand, der mit den zusätzlichen hygienischen Maßnahmen einherging, auf jeden Fall gelohnt, zumal er nicht nur für mehr Arbeit, sondern auch zu erheiternden Situationen geführt hatte. Jedenfalls wird es nicht viele Studierende geben, die der Prorektor für Bildung und Internationales, Prof. Dr. Thomas Hofsäss, schon einmal im Innenhof der Ritterstraße persönlich begrüßt hat (teils unterbrochen durch vorbeifahrende Autos) oder die ihr Mittagsessen in einer festgelegten Sitzordnung einnehmen mussten.

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