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Wie kann man Globalisierung und kulturelle Vermischung literaturwissenschaftlich erforschen und dabei die literarischen Texte als Stimmen ernst nehmen? Diesen und anderen Fragen geht Prof. Dr. Miriam Nandi nach, die seit April die Professur "Neuere und neueste britische Literaturwissenschaft im globalen und postkolonialen Rahmen" innehat. Die Vermittlung von Kenntnissen über die englischsprachige Literatur des globalen Südens, beispielsweise der englisch-indischen, ist einer ihrer Schwerpunkte in der Lehre.

Was haben Sie studiert und über welche Stationen führte Ihr Weg an die Universität Leipzig?

Ich habe in Freiburg und Reading (GB) Anglistik, Soziologie und Philosophie studiert. Meine Promotion über den indisch-englischen Roman in Freiburg führte mich auch an die School of Criticism and Theory der Cornell University. Nach meiner Habilitation über die Praxis des Tagebuchschreibens im England der Frühen Neuzeit habe ich mich in Leipzig beworben und wurde berufen. Ich bin immer noch ganz aus dem Häuschen vor Freude!

Wo liegen Ihre Forschungsschwerpunkte und was fasziniert Sie daran?

Meine Forschungsinteressen liegen im Bereich des indisch-englischen Romans und der postkolonialen und psychoanalytischen Literaturtheorie. Außerdem habe ich zu den Anfängen des Tagebuchschreibens im England der Frühen Neuzeit geforscht. Die Klammer zwischen den Themen bilden Fragen nach dem Fremden und dem Eigenen, bzw. nach den Übergängen dazwischen: Wie schreiben Menschen über sich selbst in einer Zeit, in der das moderne Subjekt oder Individuum sozusagen ‚noch nicht erfunden‘ ist? Oder umgekehrt: Was passiert, wenn sozialkritische Literatur Figuren und Räume entwirft, die nur sehr wenig mit der Lebenswelt, aus der heraus sie geschrieben wurde, zu tun hat? Wie kann man Globalisierung und kulturelle Vermischung literaturwissenschaftlich erforschen und dabei die literarischen Texte als Stimmen ernst nehmen? Mich fasziniert Literaturwissenschaft nicht zuletzt deshalb, weil sie abstrakte Fragen immer wieder konkret werden lässt, ohne sie dabei zu verflachen.

Würden Sie bitte kurz einige Schwerpunkte nennen, die Sie in der Lehre setzen wollen?

Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von Kenntnissen in Literaturen, die bis vor geraumer Zeit noch als ‚randständig‘ galten: der englischsprachigen Literatur des globalen Südens, Black and Asian British fiction, Fluchtliteratur etc. Ebenso wichtig ist mir eine solide Grundausbildung in Textlektüre und britischer Literaturgeschichte. Außerdem will ich fortgeschrittene Studierende an anspruchsvolle literaturtheoretische Texte und Themen heranführen. So lassen sich Themen, die diese Generation beschäftigen, wie etwa „Was ist Identität? Was bedeutet kulturelle Aneignung?“ noch einmal anders wenden. Neben den inhaltlichen Aspekten ist es mir wichtig, Studierende dabei zu unterstützen, sich auf informierte Weise eine eigene Meinung zu bilden und diese auch zu vertreten, aber dennoch offen und dialogfähig zu bleiben.

Bitte beenden Sie folgenden Satz: „Die Universität Leipzig ist für mich…“

… eine lebendige, abwechslungsreiche Wirkungsstätte mit einem ausgezeichneten Forschungsprofil, wissenschaftlich beeindruckenden und außerdem sehr sympathischen Kolleg:innen und einer engagierten Studierendenschaft.

Antworten Sie gern mit persönlichem Bezug oder allgemein: Welche Entdeckung, Erfindung oder Erkenntnis wünschen Sie sich in den nächsten zehn Jahren?

Eine ultra-schnelle, CO2 neutrale Transporttechnologie … Bei den Zoom-Kongressen fehlt mir definitiv das conference dinner. Aber wer will schon zurück zum Viel-Fliegen?

Haben Sie ein bestimmtes Lebensmotto, das Ihnen auch über schwierige Phasen hilft?

Es mag wie ein Klischee klingen, aber ich kann tatsächlich viel mit dem buddhistischen Motto: „Keine Hoffnung, keine Furcht“ anfangen.

Verraten Sie uns bitte noch wann und wo Sie geboren sind?

Am 04.11.1974 in Bonn. Remember, remember the 4th of November!

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