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Der Leipziger Professor für Zoologie und Tiefseeforscher Carl Friedrich Chun leitete die Valdivia-Expedition 1898/99, die heute als sein Lebenswerk betrachtet wird. Die Auswertung der wissenschaftlich äußerst ertragreichen Expedition nahm Jahrzehnte in Anspruch und wurde erst lange nach dem Tod Chuns abgeschlossen.

Die erste großangelegte deutsche Expedition zur Erforschung der Tiefsee stach mit dem Forschungsschiff Valdivia unter Leitung des Leipziger Zoologen Carl Friedrich Chun (1852-1914) am 31. Juli 1898 in Hamburg in See. Vorangegangen war dem auf Chuns Initiative 1897 eine Resolution der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, mit der Chun ermächtigt wurde, an „allerhöchster Stelle“ um die Verwirklichung seines Plans zu bitten. Kaiser, Bundesrat und Reichstag befürworteten im Januar 1898 die hohen finanziellen Forderungen Chuns von 300.000 Reichsmark. In einer Rekordzeit wurde der ehemalige Postdampfer Valdivia für die Ansprüche einer ozeanographischen Expedition ausgerüstet. Unter den teilnehmenden Wissenschaftlern und Technikern befanden sich auch Chuns späterer Schwiegersohn Otto zur Strassen (1869-1961) und der 20-jährige Friedrich Wilhelm Winter (1878-1917). „Fritz“ Winter hielt auf eindrücklichen Fotos und Skizzen fest, was die Tiefseeforscher während ihrer Expedition erlebten. Nach der Rückkehr von der einjährigen Expedition studierte er an der Universität Leipzig und später in Frankfurt am Main Naturwissenschaften und Anatomie.

Die Reise führte über 32.000 Seemeilen über den Atlantischen und Indischen Ozean und am 1. Mai 1899 nach Hamburg zurück. An insgesamt 268 Stationen wurden umfangreiche Tiefenlotungen vorgenommen und biologische Proben der Tiefseefauna gesammelt. Es gelang, eine große Anzahl neuer Tierformen zu finden, sie noch an Bord des Schiffes zu untersuchen und schließlich zu konservieren. Chun war als Spezialist für Rippenquallen und Tintenfische für diese Arbeiten prädestiniert. Die Kenntnis der Tiefseefauna wurde so wesentlich erweitert. Die Auswertung der umfangreichen Ausbeute in einem wissenschaftlichen Bericht in 24 Bänden wurde erst 1940 abgeschlossen.

Carl Friedrich Chun studierte Zoologie in Göttingen und Leipzig, wo er 1875 bei Rudolf Leuckart zum Dr. med. promovierte. Nach Stationen in Neapel, Leipzig und Königsberg wurde er 1898 zum Professor für Zoologie an die Universität Leipzig berufen und Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1881 war er Mitglied der Leopoldina. 1902/03 war er Präsident der Deutschen Zoologischen Gesellschaft und 1907/08 Rektor der Universität Leipzig.

 

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