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Antriebslos, motivationslos und an sich selbst zweifelnd: Probleme, die viele Menschen haben – im privaten wie auch im beruflichen Bereich. Dies kann zu einer Depression führen, muss aber nicht „ vorausgesetzt, man nimmt Hilfe in Anspruch. Psychotherapeut Clemens Hagemann bietet für die Mitarbeiter:innen der Universität Leipzig psychologische Beratungsgespräche an. Im Universitätsmagazin verrät er, warum sich in dieser Hinsicht oft Berufliches und Privates gegenseitig bedingen.

„Wenn es private Probleme gibt, die mitunter auch das Selbstwertgefühl betreffen, dann kann sich das unter Umständen unmittelbar auf die berufliche Tätigkeit auswirken“, sagt der psychologische Psychotherapeut Clemens Hagemann. Gleichzeitig könnten sich berufliche Konflikte auf das Privatleben auswirken. Beides bedinge einander wechselseitig: „Antriebslosigkeit, eine permanent gedrückte Stimmung – das kann eine Depression sein oder dazu führen. Wichtig ist, darüber zu reden. Wenn man nicht darüber redet und sowieso schon verunsichert ist, kann sich das Gefühl der Selbstzweifel noch verstärken. Privat und Beruf lässt sich in dieser Hinsicht schwer voneinander trennen.

Die Auswirkungen der Pandemie, zum Beispiel Home Office machen zu müssen und zugleich seine Kinder zu betreuen, die Unsicherheit, welche Regeln aktuell gelten oder morgen gelten werden, dies alles kann solche Selbstzweifel zusätzlich verstärken. Es kann das Gefühl entstehen, dem nicht mehr gewachsen zu sein. Und gerade im wissenschaftlichen Bereich herrscht oft ein hoher Leistungsdruck. Die Auswirkungen können sein: Panikattacken und Erschöpfungssyndrom, beispielsweise, wenn die Person über Monate hinweg Höchstleistungen gebracht hat.“ Wichtig sei, einen Ausgleich zur Arbeit zu schaffen. „Das ist manchmal tatsächlich nicht leicht, aber genau darum kann es in einer psychologischen Beratung gehen. Gemeinsam zu schauen, wie und welche Freiräume geschaffen werden können, oder wie und welcher Konflikt besser geklärt werden kann.

Es gilt die ärztliche Schweigepflicht

Clemens Hagemann bietet über das Betriebliche Gesundheitsmanagement (interner Link) der Universität Leipzig kostenfreie psychologische Beratungen für Mitarbeiter:innen der Universität an. Das niedrigschwellige Beratungsangebot ist kostenfrei, von der Krankenkasse unabhängig und umfasst maximal zehn Beratungsgespräche. Dabei gelten die ärztliche Schweigepflicht und strenge Vertraulichkeit, selbstverständlich auch Kolleg:innen und Vorgesetzten gegenüber. Die Termine können auch zeitnah vereinbart werden.

„Im Erstgespräch geht es in der Regel darum, das Problem zu analysieren und zu schauen, wie wir weiter vorgehen wollen. Das können erste konkrete Tipps sein, Folgetermine bei mir in Beratung oder wir arbeiten gemeinsam heraus, dass es andere Unterstützungsangebote braucht. Beispielsweise gibt es ein sehr akutes Problem, einen Arbeitskonflikt und damit verbundene starke Ängste, was wir innerhalb der maximal zehn Beratungssitzungen gut angehen können. Zusätzlich besteht ein schon länger andauerndes Problem. Für das länger andauernde Problem arbeiten wir heraus, dass es ein umfassenderes Unterstützungsangebot braucht, wozu ich informiere und bei der Suche aufklärend unterstütze.“

Auch Tabuthemen wie sexualisierte Gewalt können angesprochen werden

In der Beratung können auch tabuisierte und schwerer zu thematisierende Problematiken besprochen werden, wie sexualisierte Gewalt: Es gibt sexuelle Belästigung im privaten wie auch beruflichen Umfeld. Wenn die übergriffige Handlung zudem noch von einer persönlich bekannten Person ausgeht, kann das für die betroffene Person zusätzlich besonders schwierig sein, Vertrauen wird dann möglicherweise grundlegend erschüttert. Überwiegend Frauen seien von sexualisierter Gewalt betroffen, aber auch Männer, so Clemens Hagemann, der eine Weiterbildung zum Sexualpädagogen durchlaufen hat: „Viele Betroffene schämen sich, überhaupt darüber zu sprechen.“

Dass Betroffene sexualisierter Gewalt Schamgefühle haben, über das Erlebte zu sprechen und dies angesichts schmerzhafter Gefühle sehr schwierig bis unmöglich sein kann, sei ebenso eine menschliche Reaktion, wie das mögliche Gefühl der Lähmung in der akuten Situation, in der der Übergriff geschieht. „Ein solches Gefühl der Lähmung geht häufig mit Schuldgefühlen einher, die es mitunter sehr schwer machen, sich Unterstützung zu suchen“. Hilfreich für akut Betroffene kann beispielsweise sein, sich an einen sicheren Ort und in eine sichere Beziehung zu einem vertrauten Menschen zu begeben, mit guten Bekannten zu sprechen, Hilfesysteme zu alarmieren – und auch psychologische Unterstützung anzunehmen.

 

  • Clemens Hagemann bietet seine kostenfreie und vertrauliche Beratung den Mitarbeiter:innen der Universität Leipzig montags von 11:30 Uhr bis 16:30 Uhr an. Termine können kurzfristig per E-Mail vereinbart werden.
    Studierende können die Beratungsangebote des Studentenwerks Leipzig kostenfrei in Anspruch nehmen. Hagemann ist ebenfalls Teil dieses Beratungsteams.