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Seit 100 Jahren wird am 8. März der Internationale Frauentag begangen – zählt man als ersten internationalen Frauentag den von Clara Zetkin ins Leben gerufenen Aktionstag am 19. März 1911, sind es sogar bereits 110 Jahre. Zu diesem Jubiläum kann die Universität Leipzig auf eine studentische Frauenquote von über 50 Prozent verweisen. Ein Blick auf die Geschichte der höheren Bildung für Frauen zeigt aber, dass dies ein langer Weg war.

 

Als der erste internationale Frauentag 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA begangen wurde, waren nur wenige weibliche Gesichter in den Hörsälen der Universität zu sehen. Das Bild sollte sich nur langsam wandeln.

1876 schrieb sich Hope Bridge Adams, die als erste Frau in Deutschland ein Medizinstudium mit dem Staatsexamen abschloss, als Gasthörerin in der Universität Leipzig ein. Ein Frauenstudium war zum damaligen Zeitpunkt im Deutschen Reich nicht möglich, deshalb tarnte sie sich während der Vorlesungen mit Männerkleidung und einem Kurzhaarschnitt.

Dreißig Jahre später war es Martha Beerholdt, die 1906 als erste Frau offiziell an der Universität Leipzig immatrikuliert war. Es sollte aber noch viele Jahre dauern, bis Frauen begannen, die akademische Festung des Mannes zu erobern. Seit 1870 sah man hin und wieder Gasthörerinnen in Vorlesungen und Seminaren, aber erst mit einem Erlass des Königlich-Sächsischen Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterrichts wurde im Jahr 1906 auch dem weiblichen Geschlecht die Möglichkeit zugestanden, sich in Sachsen an einer Universität zu immatrikulieren.

Seitdem hat sich das Bild gewaltig verändert: Heute sind mehr als 50 Prozent der Studierenden weiblich, auch bei Promotionen und Studienabschlüssen sind die Frauen in der Mehrheit. Schaut man sich allerdings an, wie viele Frauen an der Universität Karriere machen, folgt die Ernüchterung: In Führungspositionen in Lehre, Forschung und Verwaltung sind Frauen noch vielfach unterrepräsentiert. Und nach wie vor sind Professorinnen an der Universität Leipzig mit knapp 25 Prozent in der Minderheit – wobei ihr Anteil vor fünf Jahren noch bei 20 Prozent lag, also immerhin ein Anstieg zu verzeichnen ist, entsprechend der Zielsetzung des Rektorats.

Frauenförderung ist dementsprechend nach wie vor ein Top-Thema für die Universitätsleitung und weitere wichtige Akteure wie das Gleichstellungsbüro, die Gleichstellungsbeauftragten, die Koordinierungsstelle Chancengleichheit Sachsen und das Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung. Das Gleichstellungsbüro hat mehrere Mentoring-Programme etabliert, und die Universität nutzt erfolgreich das Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen.

  • Passend zum Thema: Erfolgsgeschichten Leipziger Akademikerinnen zum Nachlesen/Nachhören gibt es zum Beispiel beim Ausstellungsprojekt „herstory“.
  • Über „Frauen in der Medizin“ berichtete kürzlich MDR Wissen, inklusive Leipziger Medizinerinnen und Forscherinnen. Am Frauentag ist zudem der Gleichstellungsbeauftragte Georg Teichert zu Gast im SWR2-Forum zum Thema „Können Männer Feminismus?“, nachzuhören auch im Internet.
  • In der Rubrik „Uniintern“ des Unimagazins nimmt Georg Teichert das Jubiläum zum Anlass, über die Frage nachzudenken, wie sich die Corona-Krise auf die Gleichstellung von Männern und Frauen ausgewirkt hat. In seinem Video dankt er zudem allen Uni-Mitarbeiterinnen für ihr Engagement, gerade angesichts ihrer Mehrfachbelastungen.

 

 

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