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Die Universität Leipzig verfügt aktuell über fünf Stabsstellen des Rektorats, dazu den Bereich Beziehungsmanagement und seit kurzem die Koordinierungsstelle Universitätsplanung, sowie fünf Stabsstellen der Verwaltung. Im Interview sprechen Rektorin Prof. Dr. Beate Schücking und Kanzlerin Prof. Dr. Birgit Dräger über die Aufgaben der Stabsstellen und die jüngsten Veränderungen.

Frau Prof. Schücking, warum gibt es diese Stabsstellen an unserer Universität?

Wir haben versucht, über die Einrichtung von Stabsstellen Aufgaben so zu bündeln, wie sich in der Geschäftsverteilung des Rektorats abbilden. Das erklärt, warum es Stabsstellen des Rektorats und der Verwaltung gibt.

Frau Prof. Dräger, wie sieht es bei den fünf Stabsstellen der Verwaltung aus?

Grundsätzlich kann man sagen, dass Stabsstellen eingerichtet werden, weil es unmittelbaren Unterstützungsbedarf im Kanzlerbüro gibt. Das ist unter anderem beim Justitiariat und bei der Innenrevision der Fall. Oder sie werden temporär eingerichtet, weil es gerade einen aktuellen Anlass gibt, eine Notwendigkeit, die aktuelle Informationen erfordert. Ein Beispiel dafür ist der Krisenstab, der die Universitätsleitung in der Corona-Krise berät und sich wieder auflöst, wenn die Krise vorbei ist. Sie werden aber auch auf Dauer eingerichtet, zum Beispiel das Referat für Datenschutz und Informationssicherheit. Mit zunehmender Bedeutung elektronischer Daten ist es naheliegend und notwendig, ein solches Referat zu haben. Die Stabsstelle Zentrales Berichtswesen wurde gegründet, weil die Universität stark steigende Anforderungen an ein leistungsfähiges Reporting hat, das Daten aller Bereiche der Universität zusammenführt und aufbereitet. Damit ist von großer Bedeutung sowohl für die Berichte an externe Stellen, wie zum Beispiel das sächsische Wissenschaftsministerium, als auch für die interne Steuerung unserer Universität.

Die neueste Stabsstelle ist seit dem 1. März die Stabsstelle Chancengleichheit, Diversität und Familie, beschlossen bereits vor längerer Zeit. Frau Schücking, warum kommt sie jetzt und was soll sie leisten?

Das Besetzungsverfahren hat sich eine Weile hingezogen. Es war schon länger meine Erkenntnis, dass wir – wie andere Universitäten unserer Größe auch – eine universitätseigene Struktur brauchen und nicht nur ein Gleichstellungsbüro haben, das aus einem gewählten Mitglied und anderen Mitarbeitern besteht, die aus eingeworbenen Drittmitteln finanziert werden. Im Bereich der Gleichstellung ist immer noch Luft nach oben. Wir sind bei der Gleichstellung der Studierenden gut, auch beim Zugang von Frauen zum Studium. Wir sind auch noch gut bis zur Ebene der Wissenschaftlichen Mitarbeitenden. Aber von Qualifikationsstufe zu Qualifikationsstufe werden es weniger Frauen. Gerade für die Berufungsverfahren ist es wichtig, das Thema Diversität immer wieder einzubringen. Daneben gibt es den großen Aufgabenbereich Familie, wo wir als Universität in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht haben. Aber auch da gibt es noch Luft nach oben. In den letzten fünf Jahren hat der Bereich Inklusion wesentlich an Bedeutung gewonnen. Auch da haben wir sehr gute Fortschritte gemacht, können aber immer noch mehr leisten.

Geführt wird die Stabsstelle von Georg Teichert, der auch Gleichstellungsbeauftragter ist. Wie schätzen Sie das ein, ist die Personalunion gut, sollte es sie stets geben?

Das gibt es an sehr vielen Universitäten. Das kann sich natürlich auch immer mal wieder ändern, denn der beziehungsweise die Beauftragte ist ein Wahlamt. Es wird regelmäßig gewählt. Dann kann eine solche Konstellation auch mal anders ausfallen. Das in einer Hand zu haben, hat den Vorteil, dass es eine klare Strategie gibt und dass es keinen Abstimmungsbedarf zwischen den beiden Ämtern gibt.

Vor wenigen Wochen ist noch eine Koordinierungsstelle Universitätsplanung hinzugekommen, die Mathias Lauke aufbaut. Was hat es damit auf sich, Frau Schücking?

Die Universität erhält voraussichtlich zum 1. Januar 2022 die Bestätigung der Fähigkeit zur Selbststeuerung. Damit ist eine ganze Reihe von Planungsprozessen verbunden, die strategisch koordiniert werden müssen. Dafür ist es hilfreich, eine solche Stelle einzurichten, die unter anderem die verschiedenen Konzepte der Universität zusammenführt. Das Gleichstellungskonzept, die Internationalisierungsstrategie und das Forschungskonzept – alles muss aufeinander abgestimmt werden und im Einklang mit dem Hochschulentwicklungsplan sein. Diese Passfähigkeit zu erreichen und die Planungsprozesse gut aufeinander abzustimmen – das sind Aufgaben dieser neuen Koordinierungsstelle. 

Frau Prof. Dräger, im Vorjahr wurde aus dem Akademischen Auslandsamt die Stabsstelle Internationales – was versprechen Sie sich davon?

Wenn es Bereiche in der Universität gibt, die besonderes Augenmerk erfordern, die direkt an die Leitung angebunden werden sollen, dann ist die Gründung einer Stabsstelle ein geeignetes Mittel. So war das auch hier. Die Stabsstelle war zuvor ein Sachgebiet im großen Dezernat Akademische Verwaltung und benötigt besondere Aufmerksamkeit – nicht zuletzt auch, weil die Universität Leipzig Teil der Europäischen Hochschulallianz Arqus geworden ist und Internationalisierungsfragen mehr in den Mittelpunkt gerückt sind. Insofern war es folgerichtig, daraus eine Stabsstelle des Rektorats zu bilden.

Sind Stabsstellen die Organisationsform der Zukunft?

Dräger: Ich sehe in den Stabsstellen zum Teil die Notwendigkeit einer direkten Unterstellung unter die Leitung, weil sie sich mit Querschnittsfragen befassen. Aber zum Teil sind es auch temporäre Stabsstellen, die dann später in ein Sachgebiet zurückgeführt werden. Vielleicht ist es auch naheliegend, aus verschiedenen Stabsstellen noch ein weiteres Dezernat für zentrale Angelegenheiten oder Querschnittsaufgaben zu machen, denn Dezernate sind die Standardorganisation unserer Hochschulverwaltung. Es gibt mehr als eine gute Lösung.

Schücking: Stabsstellen unterstützen agiles Handeln im Vorankommen der Universität. Die Universität Leipzig ist eine große Universität, die sich gerade in den letzten Jahren in vielen Bereichen sehr stark entwickelt hat. Dabei unterstützen die Stabsstellen. Gleichzeitig sind sie auch notwendig für solche dynamischen Entwicklungen. Stabsstellen können hier sehr vorteilhaft sein, um Wege zu verkürzen und schnelles, zügiges Handeln möglich zu machen. Das betrifft unter anderem auch die Universitätskommunikation.

Vielen Dank für das Gespräch.

(Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde per Skype geführt.)