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„Wir sollten von Afrikas Erfahrungsschatz lernen,“ sagt Afrikanistin Prof. Dr. Rose Marie Beck von der Universität Leipzig mit Blick auf die weltweite Bewältigung der Corona-Pandemie. In der vierten Ausgabe des Online-Formats "Ihre Fragen – unsere Antworten" der Universität Leipzig am 22. April 2021 fasste sie am Beispiel Kenia zusammen, welche Probleme die Pandemie für afrikanische Länder mit sich bringt, aber auch welche Chancen sich ergeben würden, wenn die Nationen ihre Erfahrungen bündeln und stärker kooperieren würden.

Die offiziellen Corona-Zahlen afrikanischer Länder liegen weit unter denen von Deutschland oder anderen europäischen Ländern. Dass diese Zahlen und Statistiken nicht verlässlich seien, mache es schwierig, die Pandemiesituation in Afrika zu beschreiben, so Beck: „Ich kann gar nicht sagen, wie schrecklich die Pandemie in Afrika ist, niemand weiß es im Moment.“ Bekannt sei jedoch, dass die Bevölkerung in den afrikanischen Ländern durch Erfahrungen mit Krankheiten und Epidemien wie AIDS oder Ebola besser auf die Pandemie vorbereitet gewesen sei. Dieses „Archiv der Erfahrungen“ gelte es zu nutzen.

Außerdem kritisierte sie die Impfpolitik der westlichen Länder und Konzerne, durch die auf dem afrikanischen Kontinent nur wenig Impfstoff zur Verfügung stehe: „Wir sollten den Patentschutz aufheben. Es muss ein Technologietransfer vom Norden in den Süden stattfinden, der es möglich macht, dass die Länder des globalen Südens eigene Impfstoffe herstellen können.“

Dass in Deutschland wenig über die Pandemie-Situation in Afrika berichtet würde, liege auch an der Fokussierung der Debatte auf Zahlen und Statistiken, die für afrikanische Länder schlichtweg nicht vorlägen. Auch entstünden dort derzeit keine Schreckensbilder, die die mediale Berichterstattung über Afrika häufig prägten.

Der Mitschnitt der Veranstaltung ist auf YouTube und auf der Website zur Veranstaltungsreihe abrufbar.

 

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