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Die Bewerbungsphase für den Pre-Doc Award 2021 hat begonnen. Ziel des Programms ist, dass sich angehende Promovierende und Postdocs der Universität in Tandems gegenseitig unterstützen. So können während einer Laufzeit von zwölf Monaten Postdocs in der Praxis lernen, wie sie Absolventinnen und Absolventen betreuen und ihre Erfahrungen weitergeben. Thema des Austauschs kann insbesondere die Finanzierung der Promotion sein, zum Beispiel durch Drittmittel, aber auch die Identifizierung von Forschungsthemen. Eines von 19 Tandems, die im Rahmen des Pre-Doc Award 2020 gefördert wurden, bestand bis vor Kurzem aus Dennis Hof und Dr. Alejandro Armas-Díaz vom Institut für Geographie. Das Universitätsmagazin hat mit beiden gesprochen.

Herr Hof, Sie haben vor wenigen Wochen die Universität verlassen und sind nicht mehr Teilnehmer am Pre-Doc Award, obwohl die zwölfmonatige Laufzeit noch nicht zu Ende ist. Was ist passiert?

Dennis Hof: Ich habe im Februar eine Promotionsstelle am Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in Bonn angetreten mit dem Ziel, zum Thema „Post-Covid-19 Wohnraum­finanzialisierung – Immobilieninvestment, städtisches Leben und Wohnungspolitiken nach der Coronavirus-Krise“ zu promovieren. Dass ich zu diesem Thema promovieren möchte, stand für mich seit einem Jahr fest. Ich habe allerdings nach Wegen gesucht, wie ich mein Ziel erreichen kann. Und dabei war mir der Pre-Doc Award eine sehr große Hilfe.

Inwiefern?

Hof: Ich hatte bereits zu einem ähnlichen Thema geforscht. In meiner Masterarbeit habe ich untersucht, wie sich die spanische Immobilienkrise von 2008 auf den Immobilienmarkt auf Teneriffa, speziell in den Tourismusgebieten, ausgewirkt hat. Dabei geht es unter anderem um Hypotheken auf Immobilien und Entmietungen. Dieses Thema hatte sich durch einen Erasmus-Aufenthalt auf Teneriffa am geografischen Institut der Universidad de La Laguna ergeben. Über ein DAAD-Stipendium konnte ich meinen Aufenthalt verlängern und dort meine Masterarbeit schreiben. Mein Betreuer war Dr. Alejandro Armas-Díaz, der kurz vor meinem Aufenthalt auf Teneriffa von dort nach Leipzig gewechselt ist. Und da ich in Leipzig studiert habe, bin ich ebenfalls zurück nach Leipzig gegangen. Und trotz der Promotionsstelle bin ich weiter Teil des Forschungsteams am Institut für Geographie.

Dr. Alejandro Armas-Díaz: Und hier forschen wir in einer von Michael Janoschka geleiteten Gruppe zum großen Thema Finanzialisierung des Immobilienmarktes vor und nach Corona anhand mittelgroßer Städte, von Gewerbe- bis zu Wohnimmobilien. Dabei geht es unter anderem auch um soziale Verdrängung. Wir vergleichen beispielsweise die Entwicklungen in Stuttgart, Essen und Leipzig. Wir haben ein Promotionsthema für Herrn Hof gesucht und gefunden und ich habe ihn auf den Pre-Doc Award aufmerksam gemacht, auf den wir uns gemeinsam im April 2020 als Tandem beworben haben. Ich kannte den Award schon seit 2018 von einer Studentin, mit der ich mich schon einmal auf diesen Award beworben hatte.

Und nun stehen Sie ohne einen Tandem-Partner im Rahmen des Pre-Doc Award da?

Armas-Díaz: Im Moment noch, ja, aber das ist ein großer Vorteil. Von den sieben Monaten, die für mich das Programm noch läuft, wird eine andere Studentin profitieren, die gerade ihre Masterarbeit innerhalb unseres Forschungsteams schreibt. Also werden von den 12 Monaten Laufzeit gleich zwei angehende Forschende profitieren und wir als Forschungsgruppe auch. Die sieben Monate Restlaufzeit beginnen, sobald sie ihren Masterabschluss gemacht hat, mit mir als Tandempartner.

Welche Rolle hat der Award für Sie, Herr Hof, dabei gespielt, dass sie nun eine Vollzeitstelle als Promovend an einem Bundesinstitut bekommen haben?

Hof: Eine große, vielleicht eine entscheidende. Mir hat bei meiner Bewerbung sehr geholfen, dass ich ein fertiges Konzept hatte. Ich bin mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein in das Bewerbungsgespräch gegangen, als ich es vielleicht ohne den Award getan hätte. Ich hatte einen Plan und im Hintergrund war ich durch meine halbe Stelle am Institut für Geographie hier in Leipzig zunächst finanziell abgesichert. Dass mein Thema auch das Bundesinstitut interessiert und sie mir die Möglichkeit geben, bei ihnen zu promovieren, ist natürlich großartig. Noch dazu, weil ich weiterhin Teil des Leipziger Forscherteams bleibe.

Was hat ein Pre-Doc noch von diesem Programm?

Hof: Mir hat auch geholfen, dass uns „Awardees“ Webinare angeboten werden. „Introduction to Writing Scientific Research Papers“, also wissenschaftliches Schreiben in Englisch, hat mir sehr geholfen. Ein gutes Seminar zu Forschungsstipendien gab es auch: Wie funktioniert dafür eine Bewerbung? Darum hatte ich mich bis dahin gar nicht gekümmert, weil wir auf die Einwerbung von Drittmitteln fokussiert waren. Und die Vernetzung mit anderen „Awardees“, ein bis zweimal in der Woche per Videokonferenz zusammenzukommen, hat seinen Reiz. Solch eine Vernetzung, der Austausch, ist hilfreich, gerade in dieser Zeit. Uns wird viel ermöglicht.

Armas-Díaz: Wir forschen an unserem Institut nicht nur zu zweit. Und jemanden als Teil des Forschungsteams zu gewinnen, dem über den Award gute Rahmenbedingungen gegeben werden, das ist für mich wichtig. Die Masterarbeit unserer jetzigen Studentin passt genauso gut in unser Forschungsfeld, wie es auch bei der Masterarbeit von Herrn Hof der Fall war. Bestenfalls, so ist es zumindest bei uns, sollte man schon eine Vorstellung davon haben, wohin man will. Durch den Award kann man schauen, auf welchem Weg man dorthin gelangt. Es stärkt also unsere Forschung. Und einen Einblick darin zu bekommen, wie konkret zum Beispiel eine Drittmitteleinwerbung funktioniert, bringt unserem Projekt und auch dem angehenden Forschenden für die Zukunft etwas.

Was würden Sie denjenigen auf den Weg geben, die an einer Teilnahme am Pre-Doc Award interessiert sind?

Hof: Wichtig zu wissen ist für alle, die sich bewerben wollen, dass eine Bewerbung auf den Award allgemein verständlich auf circa drei Seiten formuliert werden sollte: Zu welchem Thema will man forschen und promovieren? Denn in der Jury, die über die Teilnahme am Pre-Doc-Award entscheidet, sitzen Menschen, die aus unterschiedlichen Fachbereichen kommen, die verstehen müssen, worum es geht. Auch das ist eine wichtige Erfahrung, die jeder machen sollte: Allgemein verständlich sein Forschungsthema beschreiben. Und man sollte bestenfalls schon Kontakt zu denjenigen haben, die die eigene Promotion betreuen sollen.

 

 

  • Hintergrund zum Pre-Doc Award
    Die Bewerbungsfrist für den Pre-Doc Award 2021 endet am 20. Juni 2021. Erstmals wurde er 2017 an 15 Tandems vergeben. Eine Jury, bestehend aus Mitgliedern der Forschungskommission, entscheidet, ob die Bewerbungen der Tandems angenommen werden. Im Rahmen des Pre-Doc Awards 2021/22 sollen voraussichtlich zwölf bis fünfzehn Tandems gefördert werden.

    Der Leipziger Pre-Doc Award ist in dieser Form ein Alleinstellungsmerkmal der Universität Leipzig. Insgesamt wurden in vier Runden bislang 68 Tandems gefördert, die aus fast allen Fakultäten stammen. Mehr als die Hälfte der Tandems, die bis 2020 am Programm teilgenommen haben, haben eine Förderzusage für ihr Promotionsprojekt erhalten.

 

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