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Wie kam es dazu, dass Südafrika im Kalten Krieg Atomwaffen entwickelte und diese nach knapp 20 Jahren wieder aufgab? Diese Frage trieb Dr. Robin Möser um. Er hat zu dem Thema seine Dissertation an der Graduiertenschule Global and Area Studies (Graduiertenzentrum Geistes- und Sozialwissenschaften) angefertigt und erhält dafür den Katharina-Windscheid-Preis 2020, eine der Auszeichnungen, die die Research Academy Leipzig jährlich an herausragende Doktorandinnen und Doktoranden aus den Graduiertenzentren vergibt.

Name: Dr. Robin Möser
Geboren am/in: 16.07.1987 in Leipzig
Fachgebiet: Afrikastudien und Global Studies
Mein Promotionsthema: Ich habe mich mit dem Ende des südafrikanischen Atombombenprogramms und dem anschließenden Beitritt der damaligen Regierung zum Atomwaffensperrvertrag 1991 beschäftigt.
Das habe ich studiert an der Uni Leipzig: B.A. Afrikastudien (2013), M.A. Global Studies (2015), PhD in Global Studies (2020)
An der Uni Leipzig bin ich beschäftigt als: Seit 2009 in unterschiedlichen Rollen (Student, Tutor, Hilfskraft und Doktorand), zuletzt im Wintersemester 2020/21 mit einem Lehrauftrag.

Worum ging es in Ihrem Dissertationsprojekt und was wollten Sie herausfinden?

Ich habe im Studium darüber gelesen, dass das südafrikanische Apartheidregime im Kalten Krieg Atomwaffen entwickelt hat und diese zu Beginn der politischen Transition am Kap Anfang der 1990er Jahre zurückbaute. Nach eingehender Lektüre stellte ich fest, dass kaum etwas zur Entscheidung des damaligen Präsidenten Frederik Willem de Klerk, die sechs entwickelten Atombomben abzurüsten und dem Atomwaffensperrvertrag beizutreten, bekannt war. Dies galt im Besonderen für eine auf Archivmaterial gestützte Beschreibung der damaligen Entwicklungen, und dass, obwohl Südafrika bis heute der einzige Staat der Welt ist, dessen politische Elite sich dazu entschloss, Nuklearsprengköpfe zu entwickeln und nach knapp zwei Jahrzehnten wieder aufzugeben. Mit dem Ende des Kalten Krieges und des Atomprogramms, unter besonderer Berücksichtigung der Region des südlichen Afrikas, wollte ich mich wissenschaftlich auseinandersetzen, um so erstmals die Ereignisse Ende der 1980er Jahre zu beschreiben.

Warum haben Sie gerade zu diesem Thema promoviert? Was treibt Sie an und was fasziniert Sie persönlich an diesem Forschungsthema?

Seit meiner Jugend habe ich großes Interesse an historischen, aber auch aktuellen politischen Entwicklungen auf dem afrikanischen Kontinent. Außerdem hatte ich nach meiner Schulzeit die Möglichkeit, meinen Zivildienst durch ein Freiwilliges Soziales Jahr in Südafrika zu ersetzen. Dort las ich viel und sprach mit Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. Ich war fasziniert davon, wie einerseits die politische Vergangenheit und die Auswirkungen des Apartheidregimes täglich präsent waren, aber gleichzeitig wenig tiefgreifende Auseinandersetzung stattfand, unter anderem in Schulcurricula. Später im Studium konnte ich mein Interesse an der Region weiter ausbauen und meinen Fokus schärfen.

Welche Stolpersteine und Highlights sind Ihnen auf Ihrem Weg zum Doktortitel begegnet?

Das größte Hindernis waren die Sperrfristen von Aktenbeständen im In- und Ausland, welche stetiges Nachhaken und viele Anträge erforderlich machten. Gleichzeitig waren die Archivaufenthalte bzw. das Erschließen von ehemals geheimen Dokumenten, oft durch Zufall, für meine Arbeit sehr bereichernd. Auch die Chance mit Menschen, welche die Geschehnisse damals mitgestaltet und nachhaltig beeinflusst hatten, durch Interviews in Gespräch zu kommen war sehr interessant, ebenso wie generell die Forschung vor Ort.

Wie geht es nach der Promotion für Sie weiter?

Derzeit arbeite ich an einem Buchmanuskript, das auf meiner Doktorarbeit aufbaut und als Monografie erscheinen soll.

Welche Entdeckung, Erfindung oder Erkenntnis wünschen Sie sich in den nächsten zehn Jahren?

Auch wenn es aktuell utopisch klingt: weniger Atomwaffen und generell atomare Abrüstung auf globaler Ebene. Neben der nicht zu vernachlässigenden Gefahr der Auslöschung der Menschheit, habe ich durch meine Forschung erfahren, wie viele Milliarden Entwicklungs- und Instandhaltungskosten in die Rüstungsindustrie fließen. Dies gilt ebenso für den Atomenergiesektor, welcher derzeit wieder vermehrt als Allheilmittel in Zeiten des Klimawandels dargestellt wird. Und das trotz noch immer ungeklärter Fragen der Endlagerung.

Womit verbringen Sie gern Ihre Freizeit?

Mit meiner Familie, beim Lesen und Laufen, letzteres am besten mit Freunden und längere Strecken.

Was gefällt Ihnen besonders an der Uni und/oder Stadt Leipzig?

Leipzig ist meine Geburtsstadt und obwohl ich seit ein paar Jahren nicht mehr hier wohne, komme ich immer gerne zurück. Meine Familie mütterlicherseits ist seit vielen Generationen in Leipzig ansässig und meine Eltern und Großeltern haben auch an der Uni Leipzig studiert. Eigentlich hat seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs fast immer ein Familienmitglied hier studiert, promoviert oder gelehrt. Meine Eltern haben sich während des Studiums hier kennengelernt. Mit Leipzig und der Uni verbindet mich daher sehr viel, abgesehen von der Tatsache, dass ich fast die Hälfte meines Lebens in der Stadt verbracht habe.

Die Fragen stellte Josephine Petzold.

  • Promotionspreise 2020
    Die Research Academy Leipzig vergibt jährlich Promotionspreise an herausragende Doktorandinnen und Doktoranden aus den Graduiertenzentren. Außerdem verleiht sie den Katharina-Windscheid-Preis an Mitglieder der Research Academy Leipzig, die hervorragende Dissertationen unter besonderen Lebensumständen erstellt haben.

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