Nachricht vom

Wie soll es nach dem Studium weitergehen? Direkt in den Beruf oder doch lieber in die Wissenschaft? Um Studierenden weitere Perspektiven zu geben, gibt es das Mentoringprogramm „Hochschule findet Stadt“. In diesem stellt sich die Stadt Leipzig den Studierenden der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTWK) und der Universität Leipzig als Arbeitgeberin vor. Das Universitätsmagazin hat zwei Studierende der Universität Leipzig beim Programm begleitet. Er studiert Soziologie, sie Physik – und beide können sich eine Zukunft bei der Stadt vorstellen.

Es ist September, vorlesungsfreie Zeit. Paul Höfler steht vor der Baustelle Dieskaustraße. Der Soziologiestudent soll einen Einblick bekommen, wie Teilprojektleiterin Baudurchführung der Stadt Leipzig Katrin Hohaus die Arbeit auf der Baustelle organisiert. Die beiden gehen gemeinsam die Baustelle ab und Katrin Hohaus vom Mobilitäts- und Tiefbauamt erklärt, was es bedeutet, mitten im belebten Wohngebiet zu bauen.

Eine Baustelle der Stadt – ein ungewöhnlicher Ort für einen Soziologiestudenten? Auf den ersten Blick vielleicht schon. Doch Paul Höfler nimmt am Projekt „Hochschule findet Stadt“ teil. Studierende sollen die Stadt Leipzig bei diesem Projekt als Arbeitgeberin kennenlernen. Dazu werden sie Mentor:innen aus verschiedenen Ämtern der Stadt Leipzig zugeordnet. Und Paul Höfler hat gleich zwei bekommen. Seine Mentor:innen sind Paul Eikemeier und Dr. Uta Richter vom Stadtplanungsamt. Die beiden werden für zwei Wochen Ansprechpartner:innen für den Studenten sein, ihn zu Terminen mit zum Amt nehmen und von ihrer Arbeit berichten. Mit dem Stadtplanungsamt wurde Paul gematcht, weil dieses seinen persönlichen Interessen entspricht. Das erzählt er am ersten Tag, als er seine Mentor:innen kennenlernt.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Zwei Frauen stehen nebeneinander am Straßenrand, im Hintergrund sind grüne belaubte Bäume vom Augustusplatz zu sehen.
Physikstudentin Leoline Wätzold (links) mit ihrer Mentorin Dr. Anett Richter vom Amt für Umweltschutz. Foto: Christian Hüller/Universität Leipzig

Eine Brücke zwischen Hochschule und Stadtverwaltung

Auch Physikstudentin Leoline Wätzold nimmt am Projekt teil. Sie macht mit, weil sie eine andere Perspektive für die Zeit nach dem Studium in Betracht ziehen möchte: „Mein Studiengang ist danach ausgerichtet, in die Forschung zu gehen. Ich würde auch gerne andere Möglichkeiten nutzen.“ Die junge Frau begleitet Dr. Anett Richter vom Amt für Umweltschutz. Als Mentorin möchte Anett Richter vorhandene Klischees aus dem Weg räumen: „Auch die hatte ich teilweise am Anfang selbst und konnte mich jetzt überzeugen. Es freut mich zu zeigen, dass wir Dinge mit sehr viel Fachlichkeit und Herz machen.“ 

Leoline Wätzold und Paul Höfler sind zwei von insgesamt 20 Studierenden, die in diesem Jahr am Projekt Hochschule findet Stadt teilnehmen. Aufgrund der Wünsche in ihrer Bewerbung wurden sie handverlesen passenden Mentor:innen von verschiedenen Ämtern der Stadt zugeordnet. Das Programm ist für die Studierenden zweigeteilt. Einerseits absolvieren sie gemeinsam einen „Ämterparcours“ bei dem sie die Arbeit bei unterschiedlichen Ämtern kennenlernen. Und andererseits verabreden sie sich mit ihren Mentor:innen – zum gemeinsamen Austausch, für Dienstberatungen oder eben, um eine Baustelle zu besichtigen. Das Projekt wurde vom Career Service der Universität Leipzig und dem Personaldezernat der Stadt organisiert.

Die Zeit im Stadtplanungsamt

Zwei Wochen später. Paul Höfler und seine Mentor:innen sind ein eingespieltes Team und es ist leicht erkennbar, dass sie sich gut verstehen. Das Trio hat einiges erlebt. „Ich war ich bei verschiedenen Beratungen mit dabei und habe gesehen, wie es funktionieren kann, verschiedene Interessen auszuhandeln und miteinander gemeinsame Lösungen zu finden. Das hat einen demokratischen Prozess aufgezeigt“, erzählt der Student. In Erinnerung geblieben ist ihm insbesondere eine Bürgerbeteiligung zu einem geplanten Bauprojekt auf dem Ostplatz. Dieser soll in den nächsten Jahren anhand von Bürgerideen umgestaltet werden. „Interessant war die Gesprächsführung. Von meinen Mentor:innen habe ich gelernt, wie man in einer größeren Gruppe Gespräche führt und gemeinsame Standpunkte festhalten kann“, erinnert sich der Mentee. 

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Zwei Männer und eine Frau stehen nebeneinander am Straßenrand, im Hintergrund sind grün belaubte Bäume vom Augustusplatz zu sehen.
Mentor Paul Eikemeier und Mentorin Dr. Uta Richter vom Stadtplanungsamt, in der Mitte Student Paul Höfler von der Uni Leipzig. Foto: Christian Hüller/Universität Leipzig

Er würde anderen Studierenden empfehlen, an solchen Programmen  teilzunehmen, um praktische Einblicke zu bekommen. Der Soziologiestudent konnte Vorurteile gegenüber Ämtern abbauen: „Man denkt natürlich auch immer, das ist so ein graues, altes, träges Gebilde. Aber ich habe gesehen, wie engagiert die Leute sind, dass sie wirklich die Stadt gestalten wollen. Das Amt ist sehr geschlechtergemischt, und es gibt auch viele Frauen in Führungspositionen. Alles ist sehr auf Augenhöhe und gleichberechtigt. Das fand ich sehr cool an der Stadt als Arbeitgeberin.“ Und auch seine Mentor:innen bieten ihrem Mentee direkt an, dass er auch in Zukunft bei Veranstaltungen oder einem Praktikum im Stadtplanungsamt gerne gesehen ist.

Von der Wissenschaft ins Amt

Auch Leoline Wätzold erzählt begeistert von ihren Erfahrungen im Projekt “Hochschule findet Stadt”. „Ich hatte das Gefühl, dass die Mitarbeitenden der verschiedenen Ämter sehr ausführlich und sehr offen von ihrer Arbeit berichtet haben. Und deswegen sind oft Themen aufgekommen, mit denen ich vorher gar nicht gerechnet habe“, erklärt die Physikstudentin. Auch sie wurde passend mit ihrer Mentorin gematcht – denn Anett Richter war vor ihrer Arbeit beim Amt Wissenschaftlerin. Auch wenn ihre Fachrichtung Naturschutz und Landschaftsplanung eine andere ist als Leoline Wätzolds Studienfach, haben die beiden ein naturwissenschaftliches Studium gemeinsam.

Bei der Abschlussveranstaltung wirken alle Beteiligten glücklich über die gemeinsame Zeit. „Ich bin davon überzeugt, dass ‚Hochschule findet Stadt‘ ein tolles Format ist und das braucht es noch viel mehr und noch viel länger“, sagt Anett Richter. Sowohl alle Studierenden, als auch die Mentor:innen bekommen ein Zertifikat über die Teilnahme am Programm ausgestellt. Ein letztes Gruppenbild und dann sind die zwei Wochen bei der Stadt für die Studierenden vorbei.

Kommentare

Keine Kommentare gefunden!

Ihr Kommentar

Hinterlassen Sie gern einen Kommentar. Bitte beachten Sie dafür unsere Netiquette.