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Sie gehören zu den guten Seelen, ohne die Wissenschaft an unserer Universität nicht so gut funktionieren würde: Die Glasapparatebauer von der Fakultät für Chemie und Mineralogie stellen maßgefertigte Apparaturen für Experimente vor allem in den Fachbereichen Chemie, Physik und auch Medizin her. Das Leipziger Universitätsmagazin hat sie besucht.

Wenn jemand während seines zweiwöchigen Schülerpraktikums in der 9. Klasse an einem einzigen Tag eine Werkstatt kennen lernt und danach sofort weiß, dass er diesen Beruf erlernen möchte, dann muss dieser Beruf etwas Besonderes sein. Maximilian Reichelt ist Azubi im dritten Lehrjahr in der Glasbläserwerkstatt der Fakultät für Chemie und Mineralogie in der Johannisallee: „Ich hatte an dieser Fakultät im Rahmen meines Schülerpraktikums verschiedene Stationen durchlaufen und war einen Tag hier in der Glasbläserwerkstatt und ich wusste sofort: Das möchte ich werden! Am Gymnasium habe ich dann in der elften Klasse eine Facharbeit zum Thema Glasapparatebau geschrieben. Die Uni hatte hier eine Azubi-Stelle ausgeschrieben und seit 2019 bin ich hier.“ Nun also lässt er sich zum Glasapparatebauer ausbilden. Ein Vorteil dieses Berufs ist, dass er sofort Feedback bekommt, ob das, was er tut, erfolgreich war, erzählt er: „Entweder das Glas ist zu warm, um geformt zu werden, oder es ist zu kalt – oder es hat genau die Temperatur, die es braucht. Ich weiß sofort, ob es funktioniert. So einfach ist das.“

Dienstleistung für die Wissenschaft

Sonderanfertigungen für Experimente im Labor, vor allem für die Fachbereiche Chemie und Physik, werden hier hergestellt, aus fertigen Glasröhren und Halbzeugen, die für den experimentellen Versuchsaufbau in die richtige Form gebracht werden müssen, sofern diese Formen auf dem Markt nicht erhältlich sind, berichtet Werkstattleiter Stephan Eckert: „Die Studierenden und Wissenschaftler:innen kommen zu uns, beschreiben, was sie gern haben möchten und dann setzen wir uns an die Zeichnungen und tüfteln, ob beziehungsweise wie wir das hier umsetzen können. Und es ist schön zu hören, dass sie mitunter staunen über das, was unsererseits so möglich ist. Die Wege zwischen uns und unserer Kundschaft sind kurz.“

Er und sein Kollege Marko Wende sind diejenigen, die gemeinsam mit „ihrem“ Azubi vieles ermöglichen – als Allrounder in ihrem Beruf: „Glasapparatebauer an der Uni müssen alles machen: Bei uns gibt es Maßanfertigungen, das heißt von der Zeichnung über den Produktionsablauf bis hin zur Qualitätskontrolle. Und wir müssen auch das Material aussuchen, das wir in die richtige Form bringen. Für umfangreichere Neuanfertigungen brauchen wir einen ganzen Arbeitstag. In größeren Firmen gibt‘s für jeden einzelnen Bereich Spezialisten“, berichtet Wende. Und Stephan Eckert ergänzt: „Wir sind auch ein Stück weit auf den Spuren von Wissenschaftlern, die ihre Glasapparturen selbst zusammengebaut hatten. Erst ab1830 gab es die ersten professionellen Glasapparatebauer.“ Gelegentlich tauschen sie sich auch mit ihren Kolleg:innen am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) aus, die genauso wie sie selbst Glasapparate maßanfertigen.

Vom Azubi direkt zum Werkstattleiter

Dreh- und Angelpunkt vieler Glasapparatebauer:innen ist das Staatliche Berufsschulzentrum in Ilmenau, eine von nur vier Berufsschulen in Deutschland, die diese Ausbildung anbieten. Dort haben sich Marko Wende und Stephan Eckert kennengelernt, seit 2012 arbeiten sie zusammen. Bis 2007 wurde Eckert in der damals noch existierenden Glasapparate-Werkstatt der Fakultät für Physik und Geowissenschaften ausgebildet, seit 2008 leitet er die unieigene Werkstatt an der Fakultät für Chemie und Mineralogie – vom Azubi direkt zum Werkstattleiter: „Das hatte sich so ergeben, der vormalige Leiter ging in jenem Jahr in den Ruhestand. Ich hatte aber schnell Kontakt zu meiner Kundschaft gefunden, auch, weil ich eine Zeit lang die Leitung des Studentenclubs Destille im benachbarten Wohnheim Philipp-Rosenthal-Straße übernahm.“ Als Nicht-Student wohlgemerkt: „Die Studierenden und Wissenschaftler kamen nicht nur zu mir, weil sie ein paar Glasapparaturen repariert oder hergestellt bekommen wollten, sie fragten zum Beispiel auch, ob sie ein paar Bierbänke leihen könnten“, schmunzelt er. „Auch dieser Nebenjob hat mir geholfen, hier schnell Fuß zu fassen.“

Heutzutage engagiert sich Eckert im Bundesinnungsverband des Glaserhandwerks, ist dort stellvertretender Vorsitzender der Fachgruppe Glasapparatebauer, organisiert Fachsymposien und ist Berater im Novellierungsverfahren für den Ausbildungsberuf der zuständigen Ministerien.

Und Azubi Maximilian Reichert wurde in diesem Jahr mit dem „Preis für besonderes Engagement in weiteren Aufgabengebieten“ für Auszubildende der Leipziger Universitätsgesellschaft ausgezeichnet. Nach seiner Ausbildung wird Reichelt für mindestens ein Jahr in der Werkstatt angestellt sein.

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