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Der Wunsch und auch die Sehnsucht, zur Lehre in Präsenz zurückzukehren, ist groß, bei allen Universitätsangehörigen, besonders aber bei den Studierenden. Trotz der Ungewissheit, wie die Entwicklung der Pandemie in eingen Monaten aussehen wird, plant die Universität Leipzig das Wintersemester in Präsenz. Dabei gilt es allerdings, einige Regelungen zu beachten, erläutert der Prorektor für Bildung und Internationales der Universität Leipzig, Prof. Thomas Hofsäss, im Interview mit dem Leipziger Universitätsmagazin.

Herr Prof. Hofsäss, wie ist der Stand der Planung für das Wintersemester an der Universität Leipzig?

Das Wintersemester ist als Präsenzsemester geplant. Das gilt für alle Lehrveranstaltungen. Die entsprechenden Seminarräume und Hörsäle, die wir bislang nur mit einer etwas geringeren Besetzung – wenn überhaupt – nutzen konnten, sind inzwischen so bestuhlt und ausgestattet, dass die volle Teilnehmerzahl aufgenommen werden kann. Das ist eine wichtige Voraussetzung für eine Präsenzlehre.

Es gibt aber eine kleine Modifikation. Bei den Hörsälen mit über zweihundert Plätzen werden wir die Belegung etwas entzerren müssen. Gleiches gilt für Seminarräume mit über 50 Sitzplätzen. Dazu wird es noch im Laufe des August einen entsprechenden Belegungsplan geben. Das heißt, Hörsäle bis 200 und Seminarräume bis 50 Plätze können voll belegt werden. Das ist erst einmal eine gute Nachricht für die Planung des Wintersemesters in Präsenz. Auch die Bibliotheken werden voll ausgelastet, die PC Pools können genutzt werden und die Mensen und Cafeterien locken uns mit ihrem vollwertigen Angebot wieder an.

Wir müssen bei allem aber auch bedenken, dass wir uns bei einer eventuellen Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen aufgrund steigender Gesundheitsgefährdung entsprechend anpassen müssen. Das kann schlimmstenfalls bedeuten, wieder in die digitale Lehre wechseln zu müssen. Und deshalb eine Bitte an die Lehrenden, diesen dann notwendig werdenden „Plan B“ in der Planung zu berücksichtigen.

Wichtig ist mir, den Studierenden zu sagen: Kommt nach Leipzig! Am besten vollständig geimpft. Lehrende, die wissen, dass in ihren Veranstaltungen ein hoher Anteil an internationalen Studierenden teilnimmt, die nicht vor Ort sein können, sollten jedoch hybride Seminare planen. So können sie eine Beteiligung aus dem Ausland ermöglichen.

 

  • "Ganz wichtig ist auch, Studienanfängerinnen und -anfänger, das sind in gewisser Weise auch die im 3. Semester, die bislang noch gar keine Lehrveranstaltungen in Präsenz erlebt haben, hier ankommen zu lassen und auch menschlich mitzunehmen. Denn auch sie haben die vergangenen 18 Monate vorwiegend digital lernend verbracht."
    Prorektor Prof. Hofsäss

 

Worauf müssen Studierende und Lehrende in der Vorbereitung auf das Wintersemester achten?

Studierende und Lehrende müssen sich zunächst darauf einstellen, sich nach über 18 Monaten wieder an die Präsenzlehre zu gewöhnen. Klingt erst mal ungewöhnlich, aber den Studienalltag wieder mit einer ganz anderen Tagesorganisation zu gestalten und den ganzen Tag mit doch mehreren Menschen in unterschiedlichen Konstellationen zu verbringen: Das muss wieder neu erschlossen werden. Da ist vor allem auch die Achtsamkeit der Lehrenden wichtig, mehr Raum als sonst fürs soziale Lernen, für den persönlichen Austausch zu geben. Den Studierenden sollten noch mehr Möglichkeiten gegeben werden sich untereinander zu vernetzen, Lerngruppen zu bilden u. ä.. Ganz wichtig ist auch, Studienanfängerinnen und -anfänger, das sind in gewisser Weise auch die im 3. Semester, die bislang noch gar keine Lehrveranstaltungen in Präsenz erlebt haben, hier ankommen zu lassen und auch menschlich mitzunehmen. Denn auch sie haben die vergangenen 18 Monate vorwiegend digital lernend verbracht. Insoweit sollte man auf das Lernen und die Lernerfahrung in Seminaren durchaus sensibel eingehen. Wir haben Tutorien speziell für die Studienanfänger:innen eingerichtet, um den sicherlich schwierigeren Studienstart als sonst zu unterstützen.

Präsenzlehre schließt übrigens nicht aus, dass digitale Komponenten in die Lehrveranstaltungen integriert werden; das war ja auch schon vor der Pandemie so. Nur jetzt könnte durch die positiven Erfahrungen es schon auch sein, dass mehr Lehrende auch auf mehr digitale Tools zurückgreifen. Das ist auch gut. Wir haben eine ganze Reihe an Seminarräumen und Hörsälen mit hybrider Technik ausgestattet. So können Lehrende, insbesondere bei großen Gruppen, ein solches Angebot mitgestalten. Dafür stehen umfangreiche Qualifizierungsmöglichkeiten für das Thema hybride Lehre im September den Lehrenden offen.

Für die Studierenden gilt der Hinweis, Notebooks oder Smartphones als studienbegleitendes Instrument weiterhin wahrzunehmen. Deshalb meine Bitte an die Studierenden, dass die Technik für das kommende Semester weiterhin bereit ist. Für unsere PC-Pools, die dann alle wieder geöffnet sind, wird es besondere Hygieneregeln geben. Laborübungen und Laborpraktika erhalten eigene Nutzungsszenarien unter dem besonderen Aspekt der Hygiene. Diese werden jeweils von den Veranstaltenden bekannt gegeben.

Uns ist es wichtig, dass wir die Kontakterfassung für alle Veranstaltungen fortsetzen werden. An jedem Platz wird ein QR-Code angebracht, über den sich die Studierenden über das Portal „Darfichrein“ registrieren lassen müssen.

 

  • "Die Universität Leipzig wird zusammen mit dem DRK im September und zum Semesterstart noch einmal ein eigenes Impfangebot für Studierende unterbreiten, was vor allem auch für ausländische Studierende wichtig sein kann."
    Prorektor. Prof. Hofsäss

 

Von einer Unterscheidung von Studierenden, die geimpft, getestet oder genesen sind, und jenen, die es nicht sind, wollen wir absehen. Auch Personen mit dem 3G-Status können Infektionen weitertragen. Es erweist sich zudem als nicht durchführbar, vor jeder Lehrveranstaltung entsprechende Kontrollen zu organisieren. Auch Persönlichkeitsrechte werden dadurch tangiert.

Deshalb ist es umso wichtiger, und da vertrauen wir unseren Studierenden, die Möglichkeiten des Impfens aufzugreifen. Denn nur, wenn so gut wie alle geimpft sind, ist der bestmögliche Schutz gewährleistet, aber auch ein Gefühl von Sicherheit. Und dieses Sicherheitsgefühl ist wiederum eine gute Grundlage, um entspannt im Hörsaal oder Seminarraum oder in den Bibliotheken zu lernen. Deshalb rufen wir die Studierenden, die noch gar nicht oder nur einmal geimpft sind, dringend dazu auf, sich bis zum Semesterstart impfen zu lassen. Dafür sollen unbedingt die Möglichkeiten in den Heimatorten oder hier in Leipzig genutzt werden. Die Impfzentren und Hausärzte verfügen über freie Kapazitäten. Der eigene Schutz ist zugleich der Schutz des Anderen. Insbesondere in den letzten Wochen haben sich Studierende verstärkt dafür eingesetzt, dass ab dem Wintersemester wieder volle Präsenz einkehrt. Die Verantwortungsgemeinschaft von Lehrenden und Lernenden lebt davon, dass alle versuchen ihrer Verantwortung in der immer noch schwierigen Lage gerecht zu werden.

Zusammen mit dem DRK hat die Universität Leipzig in den letzten Wochen insgesamt 14 Impftermine auf dem Campus Jahnallee angeboten. Wie geht es jetzt weiter mit der Impfkampagne?

Es wurden in den letzten Wochen rund 600 Beschäftigte und 900 Studierende geimpft; bis heute konnte mit rund 2700 Impfdosen schon einiges erreicht werden.

Die Universität Leipzig wird zusammen mit dem DRK im September und zum Semesterstart noch einmal ein eigenes Impfangebot für Studierende unterbreiten, was vor allem auch für ausländische Studierende wichtig sein kann.

 

Michael Lindner

 

Kommentare

  • Kommentar von Marcus Fiebig, 30.08.2021, 18:42 Uhr
    Hallo, folgende Fragen hätte ich (als Lehrender an einer Hochschule in Bayern): Wird es eine Maskenpflicht in den Vorlesungen und Seminaren geben? Wenn es kein 3G gibt und stattdessen eine Vertrauensgrundlage (siehe Interview)...wie geht man dann mit möglichen Infektionen um? Ab wann ist die Gefährdungslage gegeben, sodass wieder zu 100 Prozent in die digitale Lehre gewechselt wird?
    Viele Grüße aus Franken
    Marcus Fiebig

 

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