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Vor 50 Jahren ging die Universitätsschwimmhalle auf dem Sportcampus an der Jahnallee in Betrieb. Wenn auch aufgrund der Corona-Inzidenzzahlen die Nutzung von Schwimmhallen momentan stark eingeschränkt bis unmöglich ist, ist das "Wassersportzentrum Leipzig" auf dem Sportcampus an der Jahnallee in Betrieb. Zwar dürfen Sportstudierende derzeit nicht trainieren, dafür aber Leistungssportlerinnen und –sportler: Schwimmen, Turmspringen oder auch Finswimming – Flossenschwimmen. Es ist viel zu tun für Schwimmmeisterin Winnie Voigt, ihre vier Kolleginnen, Kollegen und Azubi Neils Barteck. Die Olympischen Spiele in Tokio stehen an.

Bademeister sitzen im gläsernen Büro im Schwimmbad, überwachen Videokameras und ermahnen die Badegäste: „Nicht rennen!“, „Bitte nicht vom Beckenrand springen!“ So ist das vielleicht etwas klischeehafte Bild von diesem Berufsstand. Winnie Voigt macht das hier zwar auch, allerdings weniger als in öffentlichen Bädern, denn: „Den klassischen Badegast gibt es hier nicht. Für die Öffentlichkeit ist die Schwimmhalle nicht geöffnet, sie dient ausschließlich dem Wettkampf, Training, der Ausbildung und zu bestimmten Zeiten Mitarbeitenden der Uni zum Schwimmen.“ Sofern es keine Pandemie gibt. „Und außerdem“, meint sie, „reagieren manche allergisch, wenn sie Bademeister genannt werden. Wir sind Schwimmmeister.“ Genauer gesagt: Fachangestellte/r für Bäderbetriebe. Bademeister gibt es zum Beispiel in Kurbädern, in denen es tatsächlich darum geht, ein Bad zu nehmen.

Seit zwölf Jahren arbeitet die 55-Jährige in der Schwimmhalle in der Mainzer Straße, hat schon mehrere Bäder in der Region kennengelernt und war zuvor in einem Freizeitbad mit Saunalandschaft, Wellenbecken und Whirlpool angestellt. „Ich könnte ein Buch schreiben über das, was ich dort mit Badegästen erlebt habe - positiv, wie negativ. Die Aufgaben hier unterscheiden sich schon von denen in einem Freizeitbad. Die Prioritäten sind andere. Da meist ohnehin Trainer anwesend sind, ist die Schwimmaufsicht hier nicht ganz so umfangreich.“ Am meisten habe ihr schon immer Spaß gemacht, Menschen etwas beizubringen: „Schwimmunterricht für Kinder zu geben, das macht mich glücklich. Ich hoffe sehr, dass das bald wieder möglich ist. Und Azubis auszubilden ist für mich eine Herzensangelegenheit. Das habe ich schon immer gemacht, und das wollte ich auch hier an der Uni, ihnen etwas mitgeben. Und ich freue mich, dass ich seit vergangenem Jahr den ersten Azubi in der Schwimmmeisterausbildung hier bei uns an der Uni betreuen darf, denn Schwimmmeister werden überall dringend gesucht.“

Neils Barteck heißt er. Der Siebzehnjährige ist von Hause aus Schwimmer, sein Bruder ist Freizeitschwimmer, sein Vater Schwimmtrainer in einem Verein, in dem er selbst ebenfalls schwimmt und dadurch bereits als Trainingsgast die Uni-Schwimmhalle kennengelernt hat. Schwimmen und Tauchen auf Zeit, Kopfsprung und Kerze vom Sprungbrett – diese Aufgaben musste er meistern, bevor er seine Ausbildung an der Universität beginnen konnte. „Ich will einen Beruf erlernen, der vielseitig ist, bei dem ich nicht im Büro sitze. Ich wusste auch ungefähr, was hier auf mich zukommt und hatte mich schon informiert.“

Doch was macht ein Fachangestellter für Bäderbetrieb, wenn nicht Aufsicht? „Neben einer Ausbildung zum Rettungsschwimmer und in Erste-Hilfe-Kursen brauchen wir vor allem Kenntnisse in Mathe und Chemie. Ein großer Teil unserer Tätigkeit ist der Technikraum. Wir müssen die Wasserqualität kontrollieren: Das Badewasser muss gefiltert und gereinigt werden, die Technik dafür müssen wir in Schuss halten und auch kleinere Reparaturen ausführen“, sagt Neils Barteck. Entsprechend sind Mathe und Chemie auch Bestandteil der Dualen Ausbildung. Für die Theorie muss er nach Chemnitz fahren. „Ein Schwimmmeister ist eigentlich für alles zuständig, auch für die Reinigung. Und je kleiner ein Schwimmbad ist, desto mehr muss ein Schwimmmeister alle Bereiche seines Berufsbildes beherrschen. Hier haben wir zum Glück noch einen Techniker. Den gibt es aber nicht in jeder Schwimmhalle“, ergänzt Ausbilderin Winnie Voigt, die mit ihren Kolleginnen und Kollegen beim Dezernat Bau und Technik angesiedelt ist. „Schwimmmeister sind die gute Seele des Bades.“

Neben dem 50-Meter-Becken samt Zuschauertribüne gibt es auch ein Lehrbecken und die Sprunghalle, in der vom Einmeterbrett bis hin zum zehn Meter hohen Sprungturm für Wasserspringer keine Wünsche offen bleiben. Auch ein Strömungskanal, Mehrzweckhallen, zum Beispiel für das Gymnastiktraining, eine Trockensprunghalle, in der man nicht im kühlen Nass, sondern auf Schaumstoff landet – all das gehört zum „WSZ“ – dem Wassersportzentrum.

Für Winnie Voigt ist ihr Job an der Uni eine Rückkehr zu alten Wurzeln: „Bis ich vierzehn war, war ich Leistungsschwimmerin und habe hier in dieser Halle trainiert und an Wettkämpfen teilgenommen. Wir kennen viele Leistungssportler, die Trainerteams. Es ist hier schon familiär. Und es macht mich auch stolz zu sehen, wenn jemand von ‚uns‘ es zu Olympia schafft.“ Heike Fischer zum Beispiel, Bronzemedaillengewinnerin im Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett bei Olympia 2008 in Peking, der Paratriathlet Martin Schulz, Goldmedaillengewinner bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro und auch dieses Jahr bei den Paralympics in Tokio dabei, ebenso wie Schwimmer David Thomasberger, der sich jüngst mit einem deutschen Rekord im 200 Meter Schmetterling für die Olympischen Spiele in Tokio qualifizierte. Sie alle sind in der Schwimmhalle der Universität Leipzig Stammgast. Winnie Voigt und Azubi Neils Barteck sind nicht Trainerin und Trainer der Leistungssportler. Aber sie sorgen mit ihrem Team stets dafür, dass sich die Gäste in „ihrer“ Schwimmhalle wohlfühlen, zum Beispiel, in dem das Wasser im Schwimmbecken 27,5 Grad Celsius und im Sprungbecken 30 Grad Celsius warm ist, die Wasserqualität stimmt und die Filteranlagen funktionieren.

Hinweis der Redaktion: Laut Hygienekonzept besteht im Nassbereich keine Maskenpflicht.

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