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Das Wort "inklusiv" im Titel ihrer Professur ist Conny Melzer besonders wichtig: Ihr Ziel ist es, dass Kinder mit und ohne Förderbedarf an allen Schulformen gut lernen können. Die Erziehungswissenschaftlerin hat seit Kurzem den Lehrstuhl "Inklusive Bildung unter besonderer Berücksichtigung sonderpädagogischer Lernförderung" inne.

Was haben Sie studiert – und wo?

Ich habe Lehramt – damals noch „an Förderschulen“ – studiert. Heute sage ich lieber „sonderpädagogische Förderung“, weil das die Tätigkeit in der inklusiven Bildung einschließt. Und ich habe hier an der Universität Leipzig studiert. Ich komme sozusagen „back to the roots“.

Was waren im Anschluss Ihre wichtigsten beziehungsweise Ihre letzten beruflichen Stationen?

Im Anschluss an mein Studium habe ich auch hier an der Universität Leipzig meine Dissertation verfasst. Danach – im Sommer 2009 – zog es mich einmal quer durch die Republik nach Münster in Nordrhein-Westfalen. Ich habe am dortigen Studienseminar und in einer Förderschule in Steinfurt mein Referendariat absolviert. Nach diesen zwei Jahren erhielt ich an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg eine Post-Doc-Stelle. Ich arbeitete von 2011 – 2014 im Förderschwerpunkt Lernen (wie jetzt wieder hier in Leipzig) in mehreren Forschungsprojekten und in der Lehre.
Im Wintersemester 2014/15 und Sommersemester 2015 durfte ich dann eine Vertretungsprofessur an der Universität Bremen wahrnehmen. Schließlich hatte ich 5,5 Jahre (bis März 2021) die Professur „Sonderpädagogische Grundlagen“ an der Universität zu Köln inne und habe angehende Lehrkräfte aller Lehrämter im Hinblick auf inklusive Bildung und individuelle Förderung vorbereitet. In einem größeren BMBF-geförderten Projekt konnten wir inklusionsorientierte Fragestellungen als Thema in allen Fächern von Lehramtsstudierenden implementieren.

Was fasziniert Sie an Ihrem Forschungsgebiet und was sind Ihre Schwerpunkte?

Meine Professur hier in Leipzig heißt „Inklusive Bildung unter besonderer Berücksichtigung sonderpädagogischer Lernförderung“. Abgesehen davon, dass diese sehr lang ist (und ich ganz schön lange brauchte, bis ich kein Wort vergessen habe), ist sie inhaltlich wunderbar. Es geht um Schüler:innen, die in der Schule Schwierigkeiten im Lernen haben. Und mit Schule sind durchaus auch die Hochschule und die Studierenden gemeint. Wir sind als Team insgesamt zuständig für die Ausbildung angehender sonderpädagogischer Lehrkräfte, die spezifisch auf die Bedarfe von Schüler:innen mit Lernbeeinträchtigungen und Schwierigkeiten im Lernen eingehen.
Die Denomination beginnt aber mit „Inklusive Bildung“ und zeigt sehr deutlich zukunftsorientiert, dass einerseits viele Schüler:innen eine Förderschule besuchen, aber ebenso gut auch in Grund-, Oberschulen oder sogar Gymnasien lernen können. Ich möchte mich aber zudem auch dafür stark machen, dass Schüler:innen ohne ein offizielles Label „Förderbedarf“ in allgemeinen Schulen sehr gut lernen können und von den Lehrkräften und hoffentlich auch bald in geeigneter Zahl mit Unterstützung durch sonderpädagogische Lehrkräfte unterstützt werden und lernen können.
Das ist natürlich ein recht großes Ziel. Deshalb habe ich auch ganz konkrete Schwerpunkte, die in einer Unterrichtsgestaltung liegen, die besonders auf Kinder und Jugendliche mit Schwierigkeiten achtet. Dabei interessiert mich, wie z. B. selbstreguliertes Lernen so gestaltet werden kann, dass Schüler:innen mit Lernbeeinträchtigungen gut lernen können. Auch ist die Diagnostik als Grundlage zur Gestaltung von Unterrichtsprozessen sowie die Förderplanung ein bedeutsamer Schwerpunkt meiner Forschung.

Haben Sie sich für Ihre Tätigkeit an der Universität Leipzig ein bestimmtes Forschungsziel gesetzt? Welches?

Ja, tatsächlich habe ich mir für die Anfangszeit ein ganz konkretes Projekt gesetzt, das ich mit möglichst vielen Kolleg:innen, Studierenden und Praktiker:innen umsetzen möchte. Wir starten gerade den sogenannten „Innovation Hub Inklusion“. Innovation Hubs im Allgemeinen sind digitale und/oder analoge Experimentierräume, um gemeinsam an gesellschaftlichen Herausforderungen – wie Inklusion eine solche ist – zu arbeiten. Wir wollen also eine Plattform sein, um Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund, Erfahrungen und Expertisen zusammenzubringen, um Inklusion in Sachsen und deutschlandweit (es sind noch zwei weitere Universitäten in die Entwicklung eingebunden) voranzubringen.
Das ist auch gleich eine Einladung: Wem von den Leser:innen das Thema Inklusion wichtig ist, ist sehr herzlich zur Mitarbeit und Gestaltung eingeladen. Dazu können Sie sich einfach an mich oder an den Projektmitarbeiter Alexander Herwix wenden. Wir würden uns sehr freuen!

Würden Sie bitte kurz einige Schwerpunkte nennen, die Sie in der Lehre setzen wollen?

Die Lehre ist in der Lehramtsausbildung oft schon mit einem starken Rahmen versehen, aber innerhalb dieses Rahmens sind mir die bereits genannten inhaltlichen Aspekte sehr wichtig. Schwerpunkt ist natürlich die Unterrichtsgestaltung mit und für Kindern und Jugendliche, die Schwierigkeiten im Lernen bzw. Lernbeeinträchtigungen haben. Dabei sollen auch alle Schulformen beachtet werden (neben der Förderschule auch die Möglichkeiten des vermehrten gelingenden Lernens an allgemeinen Schulen). Weiterhin ist für mich die Verbindung von Theorie, Forschung und Praxis sehr wichtig. Ich versuche immer aktuelle Forschungsergebnisse in die Lehrveranstaltungen einzubeziehen, ohne dabei die reale Praxis aus den Augen zu verlieren: Was ist von den oft spannenden theoretischen und wissenschaftlichen Überlegungen umsetzbar und was können wir tun, damit mehr Erkenntnisse aus der Forschung in der Praxis umgesetzt werden?

Bitte beenden Sie folgenden Satz: „Die Universität Leipzig ist für mich…“

… nach Hause kommen und eine grüne Oase in Sachsen.

Welche Hobbys haben Sie?

In meiner Freizeit fotografiere ich. Ich spiele seit über 12 Jahren Squash und kann mich so etwas nach der Arbeit auspowern. Weiterhin spiele ich Musikinstrumente und freue mich speziell, bald wieder in einem Leipziger Posaunenchor mitzuwirken.

Haben Sie ein bestimmtes Lebensmotto, das Ihnen auch über schwierige Phasen hilft?

Ich habe kein bestimmtes Motto, aber vielleicht kommt die Bezeichnung, die ich für mich gerne wähle, einem solchen nahe: Ich bezeichne mich wahlweise als pragmatische Idealistin oder als idealistische Pragmatikern, was beim Forschungsthema Inklusion und im Uni-Alltag oft sehr hilfreich ist.

Verraten Sie uns bitte noch wann und wo Sie geboren sind?

Na klar! Ich habe am 12.11. Geburtstag (1979), was in Köln übrigens super war, weil ich karnevalsbedingt immer „reinfeiern“ konnte. Das wird mir ein bisschen fehlen. Was mir aber nun nicht mehr fehlt, sind meine Familie und Freunde: Ich komme gebürtig aus Marienberg im Erzgebirge und die sind nun wieder ganz nah!

 

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