Praxiseinblicke für Lehramtsstudierende
Diese Kombination aus Joggen und Abfallsammeln ist in Schweden sehr beliebt, wo es sogar Meisterschaften im Plogging gibt. Der Begriff setzt sich aus dem schwedischen Wort „plocka“ – aufheben – und „Jogging“ zusammen. Als Almut Krapf darüber vor etwa einem Jahr eine Reportage im Fernsehen sah, wollte sie das unbedingt in ihre Lehrveranstaltungen einbinden. Gemeinsam mit der Sachbearbeiterin Umweltbildung und nachhaltige Entwicklung der Stadt Leipzig, Susanne Laros, entstand wenig später das Konzept dafür. „Mir ist es wichtig, dass Studierende während ihres Lehramtsstudiums viele Praxiseinblicke bekommen“, sagt sie. Plogging sei eine gute Möglichkeit, Bewegung in den Schulalltag zu bringen und den Kindern zugleich Nützliches zur Abfalltrennung zu vermitteln. Einige der Schüler:innen wüssten schon gut Bescheid über dieses Thema, andere kaum.
Als Krapf Plogging sogar als Thema für Staatsexamensarbeiten ausschrieb, war der Andrang groß. Sophia Schmidt ist eine der Studierenden im Grundschullehramt, die eine Zusage bekam. Sie ist an diesem Julimorgen im Lene-Park dabei und erklärt den Kindern geduldig, worauf sie achten sollten, beantwortet alle Fragen und bittet sie vor der Sammelaktion um Schätzungen, wie viele Abfalltüten wohl zusammenkommen könnten: Von 4 bis 21 ist alles dabei. „Was denkt ihr, welchen Abfall werden wir am meisten finden?“, fragt die Studentin. „Zigarettenstummel“, Flaschendeckel“, „Pizzakartons mit alter Pizza drin“ und „Taschentücher“ rufen die Kinder durcheinander. Dann laufen sie los. In dem Moment durchquert ein Fahrzeug der Leipziger Stadtreinigung den Park. Eine Mitarbeiterin ruft den Kindern zu: „Dankeschön, dass ihr uns so unterstützt!“
Kinder finden viele Bierdeckel und einen CD-Player
Nach einiger Zeit kehren die Kinder mit mehr oder weniger vollen Tüten zurück zur Basisstation und tauschen sich über ihre Fundstücke aus. „Wir haben so viele Bierdeckel gefunden“, sagt Alexander. Ein Kind hat sogar in einem Gebüsch einen alten CD-Player entdeckt und eingepackt, ein Mädchen hält eine leere Likörflasche in der Hand. „Bei unserer Aktion am Allee-Center in Grünau vor einiger Zeit haben wir alte Autoreifen und ein Keyboard mit fehlenden Tasten im Gebüsch gefunden“, erzählt Krapf, die dann den Abfall, den die Kinder gesammelt haben, ordnungsgemäß entsorgt. Insgesamt sind in dieser kurzen Zeit 14 Tüten gefüllt worden. Den Inhalt sortieren die Mädchen und Jungen unter Anleitung der Studentinnen in die Kategorien Altpapier, Biomüll, Verpackung und Restmüll ein. „Ihr wart wirklich super fleißig“, lobt Sophia die Kinder und verteilt an sie Nektarinen und Bananen. Nach dieser Aktion gingen die Schüler:innen zum Mittagessen zurück in den Hort.
„Der nächste Schritt ist jetzt, dass die Kinder über ein verbessertes Abfallmanagement in der Schule nachdenken“, erklärt Krapf. Im Wintersemester bietet sie in ihrem Seminar zur Gesundheitsförderung im Schulkontext wieder das Thema Plogging mit Grundschulkindern an. „Im Oktober planen wir die nächste Aktion“, sagt die Professorin, die über ein gutes Netzwerk an Lehrer:innen Leipziger Grundschulen verfügt, die ihre Klassen zum Mitmachen motivieren. „Ich freue mich aber auch immer über weitere Lehrerinnen und Lehrer, die dabei sein wollen.“
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