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Am 13. August wäre Karl Liebknecht 150 Jahre alt geworden. Für das Stadtgeschichtliche Museum ist dies Anlass, sich ab 11. August Karl Liebknechts in Form einer Studioausstellung zu erinnern. Karl Liebknecht ist Leipziger. In Leipzig wurde er geboren, in Leipzig verbrachte er seine ersten neunzehn Lebensjahre bis zum Umzug der Familie nach Berlin. Bedingt durch den Wegzug gab er 1890 an der Universität Leipzig nur ein kurzes Gastspiel von etwa vier Monaten.

Heute erinnert an der Universität Leipzig nur noch wenig an Karl Liebknecht. Erhalten sind im Universitätsarchiv sein Eintrag vom 16. April 1890 in der Matrikel der Universität für ein Studium „iur. et cam.“, eine Karteikarte in der Quästurkartei mit dem Abgangsdatum 15. August 1890 und ein Belegbogen vom Sommersemester 1890 für die Privatvorlesung von Wilhelm Wundt. Mit dem Ausdruck „cam.“ (Kameralwissenschaft) sollte ausgedrückt werden, dass die Studenten später als Juristen auch eine Laufbahn als Verwaltungsangestellte einschlagen konnten. Zuvor war Karl Liebknecht Schüler am Leipziger Nicolai-Gymnasium. An der Universität Leipzig begegnete er hervorragenden Gelehrten wie Lujo Brentano, Rudolf Sohm, Anton Springer, Bernhard Windscheid und Wilhelm Wundt.

Geboren wurde Karl Liebknecht am 13. August 1871 in der damaligen Braustraße 11 (heute Braustraße 15). In einer Gedächtnisstunde am 13. August 1946 wurde hier mit einer Ansprache des späteren Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck eine Gedenktafel feierlich enthüllt. Sie erinnert auch an den Besuch von Karl Liebknechts Taufpaten Karl Marx bei Wilhelm Liebknecht im September 1874. Marx wohnte damals mit seiner Tochter Eleanor im heutigen Hotel am Bayrischen Platz, was dort auf einer Gedenktafel zu lesen ist.

Karls Vater Wilhelm Liebknecht lebte mit seiner zweiten Frau Natalie und den fünf Söhnen bis zum Sommer 1881 in der Braustraße. Am 28. Juni 1881 wurde er mit August Bebel und anderen Sozialdemokraten aufgrund des Sozialistengesetzes von 1878 und des Kleinen Belagerungszustandes aus Leipzig ausgewiesen und lebte bis 1890 (bis 1884 gemeinsam mit August Bebel) im nahegelegenen Borsdorf. Natalie Liebknecht blieb wegen der Kinder in Leipzig und zog 1881 mit ihren fünf Söhnen zum Südplatz 11 um, heute Karl-Liebknecht-Straße 69. Diese Adresse gab Karl Liebknecht auch in der Universitätsmatrikel 1890 an. An den Wochenenden und während der Ferien besuchten die Kinder mit ihrer Mutter den Vater in dem damals ziemlich verfallenen Landhaus „Villa Liebknecht“ in Borsdorf. An dem heute privat genutzten Bebel-Liebknecht-Haus erinnert eine Gedenktafel an die beiden Arbeiterführer.

Nach der Abschaffung des Sozialistengesetzes 1890 wurde der Abgeordnete des Reichstags Wilhelm Liebknecht Chefredakteur des Zentralorgans der Sozialdemokratischen Partei und zog mit der gesamten Familie im September nach Charlottenburg bei Berlin. Karl Liebknecht setzte deshalb sein Studium der Rechtswissenschaft bis 1893 in Berlin fort. 1899 trat er als Sozius in die Anwaltspraxis seines Bruders Theodor ein.

Der auch innerhalb der Sozialdemokratie umstrittene Politiker Karl Liebknecht, Mitglied des Reichstags seit 1912 und Mitbegründer der KPD zum Jahresende 1918, wurde am Abend des 15. Januar 1919 gemeinsam mit Rosa Luxemburg von einer Gruppe rechter Marineoffiziere in Berlin ermordet und auf dem damaligen Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde bestattet.

Der Name Karl Liebknecht ist für die meisten Leipziger vor allem durch die Karl-Liebknecht-Straße lebendig. Die wenigsten Besucher dieser mit Cafés, Restaurants und Kultureinrichtungen reichlich ausgestatteten Straße denken dabei an das wirkliche Leben des Politikers Karl Liebknecht. Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig präsentiert vom 11. August bis 30. Januar 2022 unter dem Titel „Held oder Hassfigur? Der Leipziger Liebknecht“ eine Studioausstellung zu biographischen Ereignissen und wichtigen Lebensetappen Liebknechts.

Dr. Ulrike Pondorf

Kommentare

  • Kommentar von Christina Wolter, 04.08.2021, 11:24 Uhr
    Vielen Dank für den interessanten Artikel und den Hinweis auf die Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum! Ein Besuch ist vorgemerkt.

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