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Der seit 1901 verliehene Nobelpreis gilt als höchste internationale Auszeichnung für herausragende wissenschaftliche Leistungen. Neunzehn namhafte Wissenschaftler, die mit der Universität Leipzig durch Studium, Forschung oder Lehre eng verbunden waren, wurden mit Nobelpreisen in den Kategorien Physik, Chemie, Medizin und Literatur geehrt.

Nobelpreisträger, die an der Universität Leipzig studiert, gelehrt oder geforscht haben

Svante August Arrhenius (1859-1927) war ein schwedischer Physiker und Chemiker. 1896 sagte er als Erster eine globale Erwärmung aufgrund der anthropogenen Kohlendioxid-Emission voraus. 1903 erhielt er für seine Ausarbeitung der Grundlagen der elektrolytischen Dissoziation den Nobelpreis für Chemie.
Svante August Arrhenius arbeitete von 1888 bis 1890 an der Universität Leipzig bei Wilhelm Ostwald.

Friedrich Bergius (1884-1949) war ein deutscher Chemiker und Unternehmer. 1931 erhielten er und Carl Bosch für ihre Verdienste um die Entdeckung und Entwicklung der chemischen Hochdruckverfahren den Nobelpreis für Chemie.
Friedrich Bergius promovierte 1907 an der Universität Leipzig bei Arthur Hantzsch.

Felix Bloch (1905-1983) war ein österreichisch-schweizerisch-US-amerikanischer Physiker jüdischer Herkunft. 1952 erhielt er den Nobelpreis für Physik für die Entwicklung neuer Methoden zur Kernspinresonanzspektroskopie.
Felix Bloch studierte an der Universität Leipzig ab 1927 unter Werner Heisenberg Physik und wurde 1931 sein Assistent. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ging er zurück in die Schweiz.

Carl Bosch (1874-1940) war ein deutscher Chemiker, Techniker und Industrieller. Mit dem von ihm entwickelten Haber-Bosch-Verfahren schuf er die Grundlage für die großtechnische Erzeugung von Stickstoffdüngern. 1931 wurde ihm der Nobelpreis für Chemie für den Beitrag zur Erfindung der chemischen Hochdruckverfahren verliehen.
Carl Bosch studierte ab 1896 an der Universität Leipzig Chemie und wurde hier unter Johannes Wislicenus 1898 promoviert.

Peter Debye (1884-1966) war ein niederländischer Physiker und theoretischer Chemiker. 1936 erhielt er für seine Forschungen über Dipolmomente (Debye-Gleichung), über Beugung der Röntgenstrahlen und Elektronen in Gasen den Nobelpreis für Chemie.
Peter Debye hatte von 1927 bis 1934 eine Professur für Theoretische Chemie an der Universität Leipzig inne.

Paul Ehrlich (1854-1915) war ein deutscher Mediziner. 1908 erhielt er zusammen mit Ilja Metschnikow für seine auf dem Gebiet der Serumsforschung entwickelten Beiträge zur Immunologie den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.
Paul Ehrlich wurde 1878 unter Julius Cohnheim an der Universität Leipzig promoviert.

Haldan Hartline (1903-1983) war ein US-amerikanischer Mediziner, Physiologe, Biochemiker und Biophysiker. 1967 erhielt er zusammen mit Ragnar Granit und George Wald „für ihre Entdeckung auf dem Gebiet der primären physiologischen und chemischen Sehvorgänge im Auge“ den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.
Haldan Hartline besuchte Anfang der 1930er-Jahre als Stipendiat die Universität Leipzig und bildete sich unter Werner Heisenberg ein Semester lang auf dem Gebiet der Physik weiter.

Werner Heisenberg (1901-1976) gilt als einer der bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts. 1932 erhielt er für die Begründung der Quantenmechanik den Nobelpreis für Physik.
Werner Heisenberg wurde 1927 als Professor an die Universität Leipzig berufen, wo er das Institut für theoretische Physik leitete. Gemeinsam mit Friedrich Hund entwickelte er die Universität Leipzig zu einem Zentrum der modernen theoretischen Physik, insbesondere der Kernphysik, das zahlreiche talentierte Physiker aus aller Welt anzog. 1942 ging Heisenberg als Direktor an das Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik nach Berlin.

Gustav Hertz (1887-1957) war ein deutscher Physiker und maßgeblich an der Entwicklung der Kernphysik in der DDR beteiligt. Für den Franck-Hertz-Versuch erhielt er 1925 zusammen mit James Franck (1882-1964) den Nobelpreis für Physik.
Gustav Hertz war ab 1954 Direktor des physikalischen Instituts der Karl-Marx-Universität in Leipzig, Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR und Gründungsmitglied des Forschungsrats der DDR. Er erhielt hohe Auszeichnungen wie den Nationalpreis der DDR und war Herausgeber eines dreibändigen Standardwerks zur Kernphysik.

Bernard Katz (1911-2003) war ein deutsch-englischer Biophysiker und Neurophysiologe. Für seine Arbeiten über die quantisierte Form der synaptischen Informationsübertragung erhielt er 1970 gemeinsam mit Ulf von Euler und Julius Axelrod den Nobelpreis für Medizin.
Bernard Katz studierte von 1929 bis 1933 an der Universität Leipzig Medizin und wurde im Fach Physiologie promoviert.

Lew Dawidowitsch Landau (1908-1968) war ein sowjetischer Physiker. Für seine richtungsweisenden Arbeiten zur Theorie der kondensierten Materie erhielt er 1962 den Nobelpreis für Physik.
Lew D. Landau weilte 1929 im Rahmen eines Forschungsstipendiums bei Werner Heisenberg an der Universität Leipzig.

John James Rickard Macleod (1876-1935) war ein schottisch-kanadischer Physiologe und Mitentdecker des Insulins, wofür er 1923 gemeinsam mit Frederick G. Banting den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt.
John James Rickard Macleod studierte im Anschluss an sein Studium der Medizin in Aberdeen unter Carl Ludwig Biochemie in Leipzig.

Theodor Mommsen (1817-1903) war ein deutscher Historiker und gilt als einer der bedeutendsten Altertumswissenschaftler des 19. Jahrhunderts. Für seine „Römische Geschichte“ wurde er 1902 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt.
Theodor Mommsen erhielt 1848 einen Ruf als außerordentlicher Professor für Rechtswissenschaft an der Universität Leipzig. Wegen seiner Beteiligung am sächsischen Maiaufstand 1849 wurde er 1851 aus dem Hochschuldienst entlassen.

Walther Hermann Nernst (1864-1941) war ein deutscher Physiker und Chemiker. 1920 erhielt er für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Thermochemie den Nobelpreis für Chemie.
Walther Hermann Nernst nahm 1887 Wilhelm Ostwalds Angebot für eine Habilitation in Leipzig an und schloss diese 1889 an der Universität Leipzig ab.

Wilhelm Ostwald (1853-1932) war ein deutsch-baltischer Chemiker und Philosoph und gilt als einer der Begründer der Physikalischen Chemie. 1909 erhielt er für seine Forschung über „Katalyse und die Bedingungen des chemischen Gleichgewichtes und die Geschwindigkeiten chemischer Reaktionen“ den Nobelpreis für Chemie.
Wilhelm Ostwald wurde 1887 auf den Lehrstuhl für physikalische Chemie an der Universität Leipzig berufen und gründete 1898 das Physikalisch-chemische Institut, das er bis 1905 leitete.

Iwan Petrowitsch Pawlow (1849-1936) war ein russischer Mediziner und Physiologe. Er erhielt 1904 für seine Arbeiten über die Verdauungsdrüsen den Nobelpreis für Medizin.
Iwan P. Pawlow widmete sich nach seiner Promotion von 1884 bis 1886 bei Carl Ludwig in Leipzig der Physiologie.

Nathan Söderblom (1866-1931) war ein schwedischer Religionswissenschaftler und Erzbischof von Uppsala. Für seinen Einsatz für die Ökumene und den Weltfrieden wurde ihm 1930 der Friedensnobelpreis verliehen.
Nathan Söderblom hatte von 1912 bis 1914 neben seiner Professur in Uppsala den ersten deutschen Lehrstuhl für Religionswissenschaft an der Universität Leipzig inne.

Gustav Ernst Stresemann (1878-1929) war ein bedeutender Staatsmann der Weimarer Republik: 1923 deutscher Reichskanzler und bis zu seinem Tod 1929 deutscher Außenminister. Gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen Aristide Briand erhielt er für die Verbesserung der Beziehungen mit Frankreich den Friedensnobelpreis.
Gustav Stresemann studierte ab 1899 Literatur und Geschichte und später Nationalökonomie an der Universität Leipzig. 1901 schloss er sein Studium unter Karl Bücher mit der Promotion ab.

Shin’ichirō Tomonaga (1906-1979) war ein japanischer Physiker. 1965 erhielt er zusammen mit Richard P. Feynman und J. Schwinger für ihre fundamentale Leistung in der Quantenelektrodynamik den Nobelpreis für Physik.
Shin’ichirō Tomonaga beschäftigte sich bei einem Forschungsaufenthalt von 1937 bis 1939 in Leipzig bei Werner Heisenberg mit der Quantenelektrodynamik und der Kernphysik.

Nobelpreisträger, die an der Universität Leipzig eine Rede gehalten oder die Ehrendoktorwürde verliehen bekommen haben

Gerhard Ludwig Ertl (geb. 1936) ist ein deutscher Physiker und Oberflächenchemiker, der die Entwicklung der Oberflächenchemie maßgeblich beeinflusst hat. 2007 wurde ihm für seine „Studien von chemischen Prozessen auf Festkörperoberflächen“ der Nobelpreis für Chemie zuerkannt.
Am 5. September 2003 hielt Gerhard Ertl im Arthur-Hantzsch-Hörsaal des Neubaus Chemie der Universität Leipzig einen Festvortrag anlässlich einer Gedenkveranstaltung zum 150.Geburtstag von Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald.

Günter Grass (1927-2015) war ein deutscher Schriftsteller, Bildhauer, Maler und Grafiker. 1999 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
Am 21. März 1961 las Günter Grass auf Einladung von Hans Mayer (1907-2001) im legendären Hörsaal 40 der Universität Leipzig aus seinem Roman „Die Blechtrommel“ (1959) und richtete vor versammeltem Auditorium „Grüße des aus dem Institut republikflüchtig gewordenen Uwe Johnson aus“, was einen Skandal nach sich zog.

Gerhart Hauptmann (1862-1946) war ein deutscher Dramatiker und Schriftsteller und gilt als der bedeutendste deutsche Vertreter des Naturalismus.1912 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
Am 30. Juli 1909 erhielt Gerhart Hauptmann die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät im Rahmen der 500-Jahr-Feier der Universität Leipzig. Am 23. November 1912 hielt Gerhart Hauptmann in der Aula der Universität eine Rede über das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft.

Jean-Marie Pierre Lehn (geb. 1939) ist ein französischer Chemiker. Zusammen mit Donald Cram und Charles Pedersen wurde er 1987 für seine Arbeit im Forschungsfeld der Supramolekularen Chemie mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.
Am 21. März 1997 hielt Jean-Marie Lehn an der Universität Leipzig eine Vorlesung zum Thema „Supramolekulare Chemie: von molekularer Erkennung zur Selbstorganisation“.

Sir Peter Mansfield (1933-2017) war Professor für Physik an der University of Nottingham. 2003 wurde er gemeinsam mit Paul Christian Lauterbur mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für ihre Entdeckungen im Zusammenhang mit der Magnetresonanztomographie ausgezeichnet.
Die Fakultät für Physik und Geologie der Universität Leipzig verlieh ihm 2006 die Ehrendoktorwürde.

Karl Alexander Müller (geb. 1927) ist ein Schweizer Physiker, der 1987 zusammen mit Georg
Bednorz den Nobelpreis für Physik erhielt für ihre bahnbrechende Entdeckung von Supraleitung in keramischen Materialien.
Die Fakultät für Physik und Geologie der Universität Leipzig verlieh Karl Alexander Müller 2000 die Ehrendoktorwürde.

Linus Pauling (1901-1994) war ein US-amerikanischer Chemiker und zweifacher Nobelpreisträger. 1954 erhielt er für seine Forschungen über die Natur der chemischen Bindung und ihre Anwendung bei der Aufklärung der Struktur komplexer Substanzen den Nobelpreis für Chemie. 1963 erhielt er rückwirkend für das Jahr 1962 für seinen Einsatz gegen Atomwaffentests den Friedensnobelpreis.
Linus Pauling weilte auf Einladung des Rektors und des Akademischen Senats der Karl-Marx-Universität sowie des Friedensrats der DDR 1964 in Leipzig. Am 7. Juli hielt er vor weit über tausend Zuhörern, unter ihnen ein großer Teil der Professorenschaft, im überfüllten Hörsaal des Physiologischen Instituts eine Vorlesung zum Thema „Für eine Welt ohne Waffen und Krieg“.

Kai Siegbahn (1918–2007) war ein schwedischer Physiker. für seinen Beitrag zur Entwicklung der hochauflösenden Elektronenspektroskopie wurde er 1981 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
Im Herbst 1984 hielt Kai Siegbahn einen Vortrag an der Universität Leipzig im Rahmen einer internationalen Tagung.

James Dewey Watson (geb. 1928) ist ein US-amerikanischer Molekularbiologe. Zusammen mit
Francis Crick und Maurice Wilkins erhielt er 1962 den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung der Molekularstruktur der Desoxyribonukleinsäure (DNA).
Genau 50 Jahre später, am 23. Mai 2003 hielt James Watson zur Eröffnung der Bio City Leipzig einen Vortrag über die wissenschaftliche Pionierarbeit auf dem Gebiet der Genetik.

Träger des Ig-Nobelpreises

Edward Teller (1908-2003) war ein ungarisch-amerikanischer Physiker, der einer breiten Öffentlichkeit als „Vater der Wasserstoffbombe“ bekannt wurde. 1991 wurde er als einer der ersten Preisträger mit dem satirisch gemeinten Ig-Nobelpreis für „lebenslange Bemühungen, die Bedeutung des Begriffs Frieden zu verändern“, ausgezeichnet.
Edward Teller ging 1928 an die Universität Leipzig und promovierte 1930 unter Werner Heisenberg mit einer Abhandlung über das Wasserstoffmolekülion.
1998 gab die Universität Leipzig die Broschüre „Ein Atomphysiker erzählt. Edward Teller zwischen Leipzig und Livermore“ heraus, in der sein Lebensweg und sein Lebenswerk, insbesondere die Leipziger Jahre zwischen 1928 und 1931, nachgezeichnet werden.

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