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Für seine beispielhafte und hervorragende Betreuung von Doktorand:innen hat Prof. Dr. Nico Eisenhauer den diesjährigen Supervisor Award der Universität Leipzig erhalten. Als Professor für Experimentelle Interaktionsökologie leitet er eine Arbeitsgruppe am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). Im Interview spricht er unter anderem über sein Verständnis von Betreuung, darüber, was ihm mitunter schwerfällt und welche Überraschungen die Weihnachtsfeier in seiner Arbeitsgruppe bereithält.

Zur Begründung der Jury:

Sein Interesse an der persönlichen und professionellen Entwicklung seiner Promovierenden, die individuell angepasste Führung jedes Einzelnen, sein hoher Anspruch an Qualität und Integrität der Forschung, seine Unterstützung auf vielen Ebenen und nicht zuletzt sein Humor wurden in den Nominierungsschreiben von seinen Promovierenden hervorgehoben und zeichnen Eisenhauer in seiner Rolle als Doktorvater aus.


Würden Sie sich selbst als Doktorvater bezeichnen? Worauf legen Sie besonderen Wert bei Ihrer Betreuung von Promovierenden?

Mit dem Ausdruck kann ich mich identifizieren. Ich bin auch Vater und man schaut schon so ein bisschen auf die „Kinder“, seine Promovierenden, mit Sorge, Interesse, Stolz, will gut unterstützen und den Karrierepfad ebnen. 

Die Promotionsbetreuung, das ist auf jeden Fall ein Miteinander, eine Betreuung auf Augenhöhe. Wir versuchen zusammenzuarbeiten, damit die Doktorandin oder der Doktorand Spezialist:in in ihrem Feld wird. Ich kann versuchen, dabei mit meiner Expertise zu helfen. Dementsprechend entwickeln wir gemeinsame Pläne: Was sind die Elemente der Arbeit? Wie entwickle ich mich auch darüber hinaus als Wissenschaftlerin oder als Wissenschaftler, um dann weiterhin erfolgreich sein zu können? Es ist vor allem ein Teamwork, um gemeinsam erfolgreich zu sein und neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu generieren.

Der Abschluss einer formalen Betreuungsvereinbarung für Promotionen ist in der Satzung der Universität Leipzig zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis empfohlen und eine Voraussetzung, um Mitglied in der Graduiertenakademie Leipzig zu werden. Wie schätzen Sie die Wirkung so einer Betreuungsvereinbarung ein? 

Die Vereinbarung ist eine wichtige Orientierung, eine Richtschnur und zwingt uns, über Erwartungen und die Rollenverteilung zu sprechen. Sie ruft in Erinnerung, dass man die Dinge von vorne diskutieren und dann gemeinsam einen Plan schmieden muss. Von daher ist es sehr relevant, solche Dokumente zu haben. Ob die jetzt am Ende mit Blut unterschrieben werden oder ob sie uns einfach als Orientierung helfen? Ja, das sei dahingestellt.

Wir haben auch weitere Tools, wie wir als Gruppe funktionieren, die darüber hinausgehen, zum Beispiel über Autorenschaft, den Umgang mit künstlicher Intelligenz oder „How to supervise“. Wöchentlich findet ein Meeting der Arbeitsgruppe statt, das von wechselnden Personen moderiert wird, jährlich führen wir außerdem eine anonyme Umfrage zu den Forschungsbedingungen durch.

Was fällt Ihnen noch schwer bei der Betreuung von Promovierenden?

Mein generelles Problem ist eigentlich, Nein zu sagen. Vor allem, wenn jemand mit Motivation kommt und forschen will, bin ich eigentlich immer dabei. Die Aufgaben werden aber nicht weniger und ich versuche immer erreichbar zu sein, schnell zu antworten, damit Feedback eben direkt genutzt werden kann. Mit der Anzahl der Aufgaben wächst aber leider nicht die Anzahl der Stunden. 

Haben Sie schon eine Idee, wofür Sie das Preisgeld verwenden wollen?

Ehrlich gesagt, noch nicht. Ich möchte das gerne zur Diskussion in meiner Arbeitsgruppe stellen. Wir hatten schon öfter mal Abstimmungen, wo verschiedene Ideen vorgebracht wurden, was wir mal zusammen machen können. Es gab zum Beispiel schon einmal einen Zeichenworkshop, Veranstaltungen zur Karriereentwicklung, wo ich Kommilitonen von früher eingeladen habe, die von ihren Karrierewegen berichtet haben. Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, ein paar Softskills, zum Beispiel zum Präsentieren oder zur Postergestaltung, zu fördern. Das würde ich gerne bottom up entscheiden lassen.

Bei der Preisverleihung zum Supervisor Award haben Sie schon von einem speziellen Preis berichtet, der jedes Jahr zu Weihnachten verliehen wird. Wie läuft bei Ihnen in der Arbeitsgruppe die Weihnachtsfeier ab?

Es ist natürlich eine Weihnachtsfeier, die kulturell vielfältig ist – zu Hochzeiten hatten wir weit über zehn Nationalitäten in der Gruppe. Jeder bringt Essen mit, ich sponsore die Getränke. Wir haben immer eine Bildershow, wo jeder Bilder aus dem Jahr einbringen kann. Wir spielen Tischtennis und unsere Laborleiterin Simone organisiert lustige Gruppenspiele.

Dann verleihen wir immer auch den „iDidit“ Award. Dabei geht es um die unglücklichste Kombination von Menschen und Situationen im vergangenen Jahr. Manche legen sich richtig ins Zeug, ihren Beitrag für die Präsentation auszuarbeiten und damit einzureichen. Die Trophäe ist ein goldener Kopf, in der Mitte halbiert, mit einer Erdnuss drin.

Vor ein paar Jahren haben wir dann noch den Stuhlgang Contest eingeführt, bei dem man auch einen Pokal gewinnen kann. In der obersten Etage haben wir solche rollbaren Hocker, mit denen wir mal aus Spaß rumgefahren sind. Dann haben wir ein Rennen daraus gemacht und seitdem haben wir halt auch „Stuhlgang“ im Programm der Weihnachtsfeier.

Die Fragen stellte Karoline Marx.

Supervisor Award 

Die Vergabe des Supervisor Awards durch die Graduiertenakademie Leipzig hat zum Ziel, Wertschätzung gegenüber exzellent Betreuenden auszudrücken, qualitativ hochwertige Betreuung sichtbar zu machen und für das Thema „Standards guter Betreuung von Promovierenden“ zu sensibilisieren. Er ist mit 3000 Euro dotiert. Insgesamt sind in diesem Jahr 72 Nominierungen für 40 betreuende Personen eingegangen, die von einer Auswahlkommission begutachtet wurden. 
 

Neben Prof. Dr. Nico Eisenhauer wurden sieben weitere Personen für ihr überdurchschnittliches Engagement in der Betreuung gewürdigt: 

  • PD Dr. Maja-Theresa Dieterlen
  • Prof. Dr. Anne Marie Elbe
  • Prof. Dr. Ralf Haekel
  • Prof. Dr. Elisa Hoven
  • Prof. Dr. Christina Lamers
  • Prof. Dr. Christian Pentzold
  • Prof. Dr. Solveig Richter

Sie wurden für die Shortlist ausgewählt und erhielten eine Urkunde. Zu den Auswahlkriterien zählten unter anderem der Abschluss einer Betreuungsvereinbarung, die Erreichbarkeit, die Förderung internationaler Vernetzung und des Austauschs mit anderen Promovierenden sowie die Unterstützung bei Finanzierung, Publikation, Karrieremöglichkeiten, Qualifizierung und in Krisenzeiten.

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