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Was hat eine E-Gitarre mit Quantenphysik zu tun? Jedenfalls so viel, dass diese Gitarre einer Geschäftsidee aus dem Bereich Quantenphysik zu wirtschaftlichem Erfolg verhelfen kann. Das Team um Prof. Dr. Jan Meijer vom Felix-Bloch-Institut für Festkörperphysik ist gerade dabei, mehrere Firmen auszugründen, die beispielsweise wichtige Bausteine für die E-Mobilität liefern könnten. Eine Firma, die Quantum Technologies UG, wurde bereits gegründet und hat seit kurzem einen Investor mit im Boot. Professor Meijer und Doktorand Robert Staacke gehören zu den Firmengründern, Staacke ist auch Geschäftsführer des Startup-Unternehmens. Welche Rolle Weihnachten bei dieser Firmengründung spielt und was es braucht, um ein Startup im Bereich Quantenphysik, der für viele eher abstrakt klingt, zu gründen, darüber hat das Universitätsmagazin mit den beiden gesprochen.

Herr Staacke, Sie haben jüngst das Start up-Unternehmen Quantum Technologies UG gegründet. Können Sie mit einfachen Worten beschreiben, welche Geschäftsidee dahintersteckt?

Robert Staacke: Ziel ist es, Sensoren zu bauen, die Magnetfelder detektieren können und auch Strom. Das ist wichtig für die E-Mobilität, vor allem das Batteriemanagement. Ströme von einer Stärke von wenigen Milliampere bis zu 1500 Ampere zu messen, dafür gibt es mit den bisherigen Sensoren Probleme. Das heißt, mit diesen Sensoren können zum Beispiel Ströme einer Batterie abgeschaltet werden, sobald es zu Problemen kommen sollte. Es ist eine Art Sicherheitsmechanismus, der Brände verhindern kann.

Wann kam die Idee?

Staacke: Es war mal an Weihnachten. Der Sohn von Herrn Meijer sagte: Ihr baut doch Magnetfeldsensoren. Ich spiele E-Bass-Gitarre: Könnt ihr da nicht was machen als Tonabnehmer? Ich als Doktorand habe erst abgewunken – Quatschidee. Und dann habe ich nachgedacht: Ist interessant, könnte was werden. Und dann habe ich was im Labor aufgebaut, Simulationen gemacht: Kann man mit kleinem Aufwand und ohne großen Laboraufbau Magnetfelder messen? Das ist gelungen, da kommt ein Ton aus der Gitarre. Es ist wunderbar, wenn man jemandem mit einer Gitarre ein physikalisches Produkt vorstellen kann und so ein potentieller Investor sofort versteht, worum es geht. Besser kann man die Sachen nicht verkaufen. Das war der emotionale Schub. Und dann haben wir mit einer Firma erste Demonstrationssensoren gebaut, die streichholzschachtelgroß waren. Damit haben wir Investoren gesucht und sind dann bei der Firma duotec gelandet. Während der Investorengespräche haben wir die Firma gegründet.

Prof. Dr. Jan Meijer: Mit Investoren zu sprechen, Gespräche zu führen, auch für die Anbahnung von Geschäften, das ist natürlich eine fremde Welt für einen Wissenschaftler. Allein die Sprache ist eine andere. Wir haben aber schon darauf geachtet, wer unser Investor sein wird. Was wollen sie? Welchen Hintergrund haben sie? Und Quantentechnologie ist durchaus ein sensibles Thema. Da ist es sehr vorteilhaft, wenn man in der Firma Experten hat, die sich in der Welt der Wirtschaft sicher bewegen können und einschätzen können, welche Absichten ein potentieller Investor mit seinem Engagement verfolgen könnte.

Sie sind Geschäftsführer der Quantum Technologies. Wie wird man Geschäftsführer eines ausgegründeten Unternehmens, bzw. wie bringt man sich das dafür nötige Wissen bei?

Staacke: Währenddessen. Wir stehen gerade am Anfang und ich werde mit den Aufgaben wachsen. Ich habe gute Unterstützung in unserem Team und auch von Seiten unseres Investors, dazu muss ich viel lesen, zum Beispiel auf Gründerportalen. Die Firma dahin zu bringen, dass sie operativ tätig sein kann ist kein Hexenwerk. Vor zwei Jahren fing das an und ich hatte wenig Kenntnisse von BWL. Aber mit 1000 Euro Startkapital auf Investorensuche zu gehen ist realistisch. Wichtiger Faktor ist die Zeit. Man sollte zeitlich nicht zu knapp kalkulieren. Es können Fehler passieren, seitens eines Unternehmens oder auch bei Ämtern und dann kann alles auch etwas länger dauern. Aber bei der Stadt, der Handelskammer und auch hier an der Universität wird man als Gründer sehr gut beraten.

Wie geht man auf Investorensuche?

Meijer: Ich habe ein großes Netzwerk von Freunden, die jemanden kennen. Aber wichtig ist, jemanden zu finden, dem man vertraut und den man auch persönlich kennt. Wir haben in unserer Firma ein gutes Portfolio an Patentschutzrechten, ca. 30 bis 50. Und das ist dann durchaus ein Firmenkapital und deshalb interessant, weil in einem speziellen Bereich dann kein anderer Investor mehr hineinkommt, wenn es da schon einen gibt. Das macht die Firma, speziell Quantum Technologies, für Investoren interessant. Deshalb war die Arbeit vom Wissens- und Technologietransfer der Universität um Dr. Dirk Wilken und Stefanie Funke wichtig, die uns massiv geholfen haben, dieses Portfolio aufzubauen. Es hat geheißen: „Lasst uns patentieren was das Zeug hält.“ Und wir hatten noch einen Firmenmitbegründer, der sich mit Patentrecht auskennt. Und ein weiterer Gründer unserer Firma hat ein prall gefülltes Adressbuch.

Ist eine solche Ausgründung der beste Weg, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Wirtschaft zu tragen? Oder gäbe es noch andere Wege?

Meijer: In unserem Fall ja. Die Quantentechnologie ist in der Wirtschaft noch relativ unbekannt. Wenn wir einfach nur Patente anmelden würden, würde die Wirtschaft damit nicht viel anfangen können oder wollen. In Form einer Ausgründung Investoren zu finden, die sich der Patente annehmen und sie gemeinsam mit uns zur Marktreife bringen, das ist wohl über den Weg einer Ausgründung das Beste.

Das Geschäftsziel ist?

Staacke: Dass die Firma wächst. Wir wollen Märkte erschließen – und die E-Mobilität bietet einen viel versprechenden Markt. Das war auch Bedingung für die Förderung durch die Uni, dass hier in Leipzig Hightech-Firmen angesiedelt werden und wir vielleicht als Inkubator wirken. Und zusammen mit der Firma duotec haben wir einen strategischen Partner, der elektronische Teile fertigt, designt und Module herstellt. Und das ist genau das Knowhow, das wir jetzt brauchen. Die haben wieder ein großes Netzwerk mit vielen Kunden, die uns in den Markt bringen können. Und der Vorteil unserer Entwicklung ist: Man kann den Sensor zu einem günstigen Preis in hoher Stückzahl produzieren. Das ist das A und O für wirtschaftlichen Erfolg.

Meijer: Quantentechnologie und Leipzig sind stark miteinander verquickt. In den 1920er Jahren bis 1933 war Leipzig sehr erfolgreich in der Quantentechnologie. Das macht natürlich Spaß, die Technologie jetzt in der Stadt wiederaufzubauen und das anzuwenden, was die Übergrößen wie Heisenberg hier in Leipzig geschaffen haben.

Staacke: Wir sind die erste Firma hier in diesem Bereich. Wenn vielleicht ein kleines Zentrum hier entstehen könnte, wäre das super.

Weitere Ausgründungen sind in Planung?

Meijer: Eine Ausgründung ist gerade zusammen mit der Gründerinitiative Smile in Vorbereitung, auch in diesem Bereich. Und eine andere Ausgründung erfolgt in wenigen Tagen, dazu dürfen wir allerdings noch nichts sagen.
 

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