Nachricht vom

Was muss sich in unserer Gesellschaft verändern, damit mehr ältere Menschen Rad fahren? Welche Anforderungen muss ein altersgerechtes Fahrrad erfüllen? – Mit diesen und ähnlichen Fragen befasst sich das Projekt „Radmobilität im Alter“ (RiA), das zum Forschungsgebiet von Juniorprofessorin Dr. Nanna Notthoff von der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig gehört. Anlässlich der Leipziger Seniorensportspiele, die am 15. November beginnen und bei denen auch das Fahrradfahren über 60-Jähriger eine Rolle spielt, beantwortet sie Fragen zu diesem Thema.

Frau Dr. Notthoff, wie viele Senior:innen fahren regelmäßig Rad?

Eine genaue Zahl kann nicht genannt werden. Laut „Mobilität in Deutschland“ besitzen 65 Prozent der 60- bis 64-Jährigen ein Fahrrad, 57 Prozent der 65- bis 74-Jährigen, 47 Prozent der 75- bis 79-Jährigen und 32 Prozent der über 80-Jährigen. Unter den 60- bis 64-Jährigen fahren 18 Prozent täglich beziehungsweise fast täglich Fahrrad, unter den 65- bis 74-Jährigen sind das 15 Prozent, unter den 75- bis 79-Jährigen 13 Prozent und unter den 80- Plus-Jährigen 8 Prozent (Quelle: Mobilität in Deutschland). 

Wann und warum nimmt die Fahrradnutzung im Alter ab?

Genau das ist bislang unbekannt. Die bisherige Forschung und auch Statistiken zeigen, dass ältere Menschen weniger Radfahren als jüngere, aber wann genau das Radfahren abnimmt beziehungsweise ob es das überhaupt tut oder ob es sich bei den bisher bekannten Ergebnissen um Kohorteneffekte handelt, da sie auf Querschnittdaten basieren, wissen wir aktuell nicht. Daher wird unser Projekt durchgeführt. 

Gibt es Unterschiede zwischen Stadt und Land?

Da bislang keine längsschnittlichen Analysen zu den Entwicklungen im Radfahren im Alter durchgeführt wurden, weiß man auch nicht, ob und wie dabei die Umgebung - urban oder ländlich -  eine Rolle spielt.

Was muss in unserer Gesellschaft und bei der Fahrradinfrastruktur passieren, damit mehr ältere Menschen wieder aufs Fahrrad steigen?

Genau das wollen wir in unserem Projekt ermitteln.

Was ist das Ziel Ihres Forschungsprojekts?

Der Nationale Radverkehrsplan (NRVP) will Deutschland bis 2030 zum „Fahrradland“ machen. Die Über-60-Jährigen müssen dabei berücksichtigt werden, denn sie machen ungefähr ein Drittel der Gesamtbevölkerung in Deutschland aus, Tendenz steigend. Statistiken deuten an: Die Fahrradnutzung ist in dieser Altersgruppe geringer als bei anderen Bevölkerungsgruppen und die gefahrenen Strecken sind durchschnittlich kürzer. RiA füllt Daten- und Kenntnislücken und entwickelt auf dieser Basis evidenzbasierte Maßnahmen, damit die Teilhabe älterer Erwachsener an der Fahrradmobilität erhalten bleibt. Dazu gehören:

  • Die Fahrradnutzung und ihre Veränderung im Alter darstellen: Wie groß ist die Abnahme? Was sind die Ursachen? Welche Voraussetzungen gibt es für ihre Beibehaltung oder Neuaufnahme?
  • Was sind altersspezifische Anforderungen bei der Fahrradnutzung: Bildungs- und Trainingsmaßnahmen? Gesellschaftliche Voraussetzungen?  Wünsche an ein altersgerechtes Fahrrad?  Anforderungen an eine altersgerechte Fahrradinfrastruktur?

Unser Projekt „Radmobilität im Alter“ strebt folgende Ergebnisse an:

  • Die Entwicklung und Erprobung evidenzbasierter Maßnahmen, die zur Aufrechterhaltung beziehungsweise zur Aufnahme des Fahrradfahrens beitragen.
  • Die Etablierung von Fürsprecher-Gruppen, die sich in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft für ältere Radfahrende einsetzen können.
  • Die Identifikation von Strategien, um die gesellschaftliche Akzeptanz älterer Radfahrender zu verbessern und Konflikte zu reduzieren.
  • Die Entwicklung einer Checkliste zu altersspezifischen Wünschen an Fahrräder.
  • Die  Entwicklung einer Checkliste zu altersspezifischen Anforderungen an die Fahrradinfrastruktur.

Kommentare

  • Chi-Lun Tsai (Henry),

    Thank you for sharing this article. Coming from Taiwan—a place with a strong bicycle culture—I feel a particular connection to the RiA project. I am currently pursuing my PhD in sport psychology and emotion development here at Leipzig University, and I look forward to seeing more insights on cycling behavior across different age groups.

    Antworten

Ihr Kommentar

Hinterlassen Sie gern einen Kommentar. Bitte beachten Sie dafür unsere Netiquette.