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Vier Tage braucht Beat Siebenhaar für die etwas mehr als 1000 Kilometer von Leipzig nach Lyon. Mit dem Fahrrad wohlgemerkt. Reichlich 250 Kilometer pro Tag legt der Dekan der Philologischen Fakultät der Universität Leipzig auf dem Rennrad zurück, um zu seiner Konferenz in Frankreich zu kommen. Eine Dienstreise der ganz anderen Art. Im Sattel, so sagt der Schweizer, fühle er sich pudelwohl.

Eine detaillierte  Streckenplanung gibt es bei Prof. Dr. Beat Siebenhaar nicht, auch wenn der Weg natürlich über das Navi vorgezeichnet ist. „Ich fahre einfach und schaue, wo ich unterkomme. Für den Notfall habe ich eine Matte und einen Schlafsack dabei“, berichtet er. Seine Leidenschaft für lange Fahrradstrecken beschert Siebenhaar regelmäßig Spitzenplätze in der Teamwertung der Universität Leipzig beim Stadtradeln, das in diesem Jahr am 30. September zu Ende geht. Mit weit über 2000 Kilometern ist er auch in diesem Jahr – wie schon so oft zuvor – an der Spitze der Uni-Teamwertung.

Prorektor Prof. Dr. Erich Schröger sagte mal über seinen Kollegen: „Dekan Siebenhaar hat offensichtlich viele Talente, die er nicht nur in Forschung und Lehre zeigt. Aus ihm hätte auch ein ordentlicher Profi-Radfahrer werden können.“ Warum ist er das eigentlich nicht geworden? „Ich fahre schon seit meinem zehnten Lebensjahr viel Rad – zur Schule oder zum Einkaufen. Aber durch meine vier Kinder und ein Pflegekind fehlte mir dann später die Zeit für längere Strecken. Die fahre ich erst wieder seit vier bis fünf Jahren“, erzählt der Dekan, als er gerade in Lyon vom Sattel gestiegen ist. Zu spät also für eine Karriere als Radprofi.

Zeit für dienstliche Gedanken

Apropos vom Sattel steigen: Was tut Beat Siebenhaar alles weh nach einer solchen Mammut-Strecke auf dem Rad? Die Waden, so sagt er, seien nicht das Problem, eher das Gesäß, das so viele Stunden auf dem Rennradsattel ausharren muss. „Aber man gewöhnt sich daran, wenn man jede Woche gut 100 Kilometer fährt“, stellt Siebenhaar klar. Die Zeit auf dem Rad nutzt der Sprachwissenschaftler, der als Dekan und Professor für Variationslinguistik am Institut für Germanistik lehrt und forscht, oft für dienstliche Gedanken. „Ich überlege mir, wie ich Projekte angehe, denke über Vorträge nach, die ich halten muss. Das Gedankensurfen ist ganz toll beim Radfahren“, berichtet er.

Trotz seiner erstaunlichen sportlichen Erfolge hat sich Siebenhaar nach eigener Einschätzung nie als besonders sportlich empfunden. Dass er auch in diesem Jahr beim Stadtradeln im Team der Universität wieder ganz oben radelt, sei „ein schöner Nebeneffekt“. Zum Endspurt hin konnte er sein Kilometerkonto noch einmal mächtig aufbessern, denn eigentlich wollte er „nur“ zu einer Konferenz von Leipzig nach Straßburg radeln. Dann sei eine weitere in Lyon dazu gekommen. Also ging es spontan auf zur nächsten Station. Er habe schon mehrere Dienstreisen mit dem Fahrrad zurückgelegt, unter anderem nach Antwerpen, Marburg und Kiel, sagt der Dekan, der auch unterwegs per Handy und Mail für seine Kolleg:innen der Universität erreichbar ist.

Treffen zum gemeinsamen Langeradeln

Natürlich ist Professor Siebenhaar auch ansonsten sehr oft und lange mit dem Fahrrad unterwegs. Er fährt an einem Tag des Wochenendes gern mal um die 200 Kilometer und selbstverständlich auch bei Wind und Wetter zur Arbeit. Was er über die Fahrradstadt Leipzig denkt? „Die Schlaglöcher auf den Radwegen müssten repariert werden. Viele Strecken sind – auch dadurch – nicht besonders sicher. Die Autolobby ist eben sehr stark“, betont er.

Das Auto, das Siebenhaar trotz allem hat, wird nur für längere Strecken mit der Familie aus der Garage geholt. Er kennt auch andere Vielradler der Universität. Manchmal trifft man sich zum gemeinsamen Langeradeln. „Es ist eben eine schöne Herausforderung“, sagt der sportliche Professor.

Susann Huster

 

Kommentare

  • Kommentar von David, 01.10.2021, 09:25 Uhr
    Schöner Beitrag! Da bekomm ich auch Lust auf eine Dienstreise ;-)
  • Kommentar von Jojo, 01.10.2021, 11:06 Uhr
    Ja, wirklich schöner Beitrag, es gefällt mir die Menschen zu sehen jenseits von den Posten, die sie ausfüllen. Gern würde ich mehr solcher Beiträge lesen. Vielleicht machen Sie mal einen Aufruf, wer jemanden kennt mit außergewöhnlichem Hobby, Interesse, oder sowas?
    • Kommentar von der Redaktion, 1.10.2021, 15:53 Uhr:
      Vielen Dank für Ihr Lob. Wir können aber nur darüber berichten, worüber wir Kenntnis haben. Wir sind also über jeden Input dankbar.
  • Kommentar von Hans-Jörg Kretschmer, 4.10.2021, 09:18
    Allzeit Luft auf dem Reifen, lieber Beat! Gute Fahrt!

 

Susann Huster

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