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Zwei Alumni der Universität Leipzig haben eine Online-Plattform entwickelt, die Studierenden ermöglicht, sich gezielt auf mündliche Prüfungen vorzubereiten. „Megunto“ fragt Fachwissen ab, hakt nach, korrigiert und gibt personalisierte Rückmeldungen zu Verbesserungspotential. Die Anwendung wird bereits von Medizinstudierenden im Bereich Anästhesie genutzt, weitere Themen sind geplant. Die Enwickler:innen, Tim Berthold (Anästhesist) und Maria Emma Haley Caro (Translatorin und Informatikerin), sind für den Start-up-Preis der Leipziger Gründungsnacht am 18. November nominiert.

„Unsere Idee ist direkt aus der Praxis entstanden“, erläutert Tim Berthold, der von 2011 bis 2018 an der Universität Leipzig Humanmedizin studierte und bis 2023 als Anästhesist am Uniklinikum arbeitete. „Emma und ich haben dieses Problem gesehen und sind zur Tat geschritten“, sagt der 33-Jährige im angemieteten Büro auf dem Peterssteinweg. 

Die beiden kennen sich seit 2013, als Maria Emma Haley Caro (34) mit dem Erasmus-Stipendium in Leipzig studierte. Die gebürtige Kolumbianerin wuchs in Spanien auf, studierte Translationswissenschaften und schloss 2020 ihren Bachelor in Informatik in Leipzig ab. Ihr Spezialgebiet: Generative Künstliche Intelligenz (GenAI). Zwischenzeitlich war sie als Sprachdozentin für Spanisch tätig und entwickelte Prüfungsaufgaben – ein großer Vorteil, wie sich herausstellen sollte. 

„Es gibt Frage-Antwort-Bücher mit Prüfungsinhalten, die man für die Vorbereitung nutzen kann“, erläutert Berthold. Als seine Notarztprüfung ins Haus stand, bot ihm Emma an, sein Wissen abzufragen, was er gern annahm. „Sie gab mir nicht nur inhaltliche Rückmeldungen aus dem Übungsbuch, sondern auch Hinweise, wie ich meine Inhalte besser formulieren könnte“, so der Anästhesist. „Auch dies ist für Prüfungen wichtig.“ Als sich herausstellte, dass eine Frage im Übungsbuch missverständlich formuliert war, überlegten die beiden, ob sich die Prüfungsvorbereitung nicht intelligent automatisieren ließe – und die Idee war geboren. 

„Kann man das kaufen?“

Nur wenige Wochen später war der erste Prototyp fertig. „Wir schrieben unser eigenes Frage-Antwort-Buch mit den fachspezifischen Fragen und den entsprechenden Referenzantworten für Anästhesie und definierten Regeln dazu“, erläutert Berthold. Zum Beispiel: Was sind Antwort-Teile, die unbedingt gesagt werden müssen, um die Prüfung zu bestehen? Was geht darüber hinaus? Was sind häufige Fehler? „So kann die Anwendung personenspezifische Rückmeldungen geben, die den Lernenden wirklich weiterhelfen“, so der Anästhesist. Haley Caro baute zudem jene Hinweise ein, die auf ihrer Erfahrung als Prüfungsentwicklerin beruhen. 

Kaum hatte das Entwickler-Duo im Bekanntenkreis davon erzählt, kamen die ersten Anfragen: „Kann man das kaufen?“, berichtet Berthold. Die Antwort lautet inzwischen: Ja. „Megunto“ ist übrigens ein Kunstwort, dass spanisch von „me pregunto“ („ich frage mich") abgeleitet ist – der Funktion des Lernprogramms entsprechend. 

lernen in drei schwierigkeitsstufen

Wer Megunto nutzen möchte, kann sich auf der Website registrieren und den gewünschten Themenbereich auswählen. Für Anästhesie – das Kernstück der Anwendung – bezahlen Nutzer:innen eine Gebühr für vier Monate. Andere, noch auszubauende Themen sind kostenfrei nutzbar, beinhalten derzeit aber nur je ein Dutzend Fragen. Drei Schwierigkeitsstufen werden angeboten. „Ähnlich wie bei anderen Programmen merkt sich Megunto, welche Fragen der/die Nutzer:in in welchem Umfang schon richtig beantwortet hat und bezieht das in die Übungen mit ein“, erklärt Haley Caro, die Megunto programmiert hat. Die Anwendung ist für die Nutzung per Smartphone optimiert. Antworten können mündlich über die Diktierfunktion eingegeben werden. 

Nutzer:innenstudien an der Universität Leipzig

Derzeit wird die Funktionalität anhand des Anästhesieteils in einer Studie mit etwa 100 Medizinstudierenden der Universität Magdeburg in der Praxis erprobt. Auch angehende Ärzt:innen aus ganz Deutschland, die sich in ihrem Praktischen Jahr auf das dritte Staatsexamen vorbereiten, haben sich registriert. Nächstes Jahr soll eine Studie an der Universität Leipzig ermitteln, ob Studierende mit Megunto besser lernen. 

Regelmäßig prüfen die beiden Entwickler:innen die Qualität ihres Produkts anhand von Nutzer:innendaten. „Mit den Ergebnissen sind wir bisher sehr zufrieden – Megunto gibt wirklich gute, motivierende Antworten“, freut sich Berthold. Das Duo hat den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit bekommen und die Bewilligung für die Gründungsförderung der Stadt Leipzig in der Tasche. Kürzlich stellte Berthold Megunto heutigen Studierenden im Modul Gründungsmanagement der Existenzgründungsinitiative SMILE an der Universität Leipzig vor. 

Nicht nur weitere medizinische Themen möchten sie mit in Megunto aufnehmen: Sie haben vor, ihr Werkzeug später auch für Firmen zu lizensieren, damit diese Mitarbeitende in ihren Themen schulen können. 

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