Wie setzen Sie Künstliche Intelligenz in Ihrer Lehre ein?
Zunächst arbeite ich mit Studierenden an fachspezifischen, in meinem Fall also geschichtswissenschaftlichen Anwendungsszenarien. Es gibt beispielsweise das Tool Transkribus zur Entschlüsselung von historischen Schriftquellen. Es basiert auf KI-Modellen, die an großen Quellenkorpora (Big Data) trainierten wurden. Ähnlich funktioniert auch die KI-generierte Schrifterkennung (OCR), die es zum Beispiel ermöglicht, digitale Sammlungen von historischen Zeitungen über eine Volltextsuche systematisch zu erschließen. Es geht mir also darum, dass Studierende verstehen, wie sie eigene historische Fragestellungen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz als Werkzeug beforschen können. Auch in der Geschichtswissenschaft wird eine entsprechende Expertise in späteren Berufskontexten wie Archiven immer relevanter, wie immer häufiger Stellenausschreibungen für Data Scientists oder die zunehmende Bedeutung der Digital Humanities (digitale Geisteswissenschaften) zeigen.
Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Einsatz von KI in Ihrer Lehre?
Wichtig ist mir, dass Studierende zunächst grundlegend die Funktionsweise von KI verstehen. Im Bereich des historischen Lernens, für das sich die Geschichtsdidaktik primär interessiert, ist es essenziell zu verstehen, dass eine Maschine eben (noch) nicht denken kann und kein historisches Bewusstsein besitzt. Vielmehr entstehen geschichtliche Deutungsangebote, die kein Produkt von Geschichtsbewusstsein oder historischer Sinnbildung, sondern einer maschinellen Wahrscheinlichkeitsbildung sind. Historischem Bewusstsein als menschliche Denkleistung (auch bei der Interaktion mit KI) steht also eine maschinelle Rechenleistung gegenüber. Gleichzeitig heißt das jedoch nicht, dass diese Deutungen wertfrei sind. Auch ein Bewusstsein für datenbedingte „Verzerrungen“ (Bias) gehört zum Ziel, Studierende im Sinne einer Data Literacy kompetent im Umgang mit KI zu machen.
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