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Die Entwicklung romanischer Sprachen von der Verschriftlichung im Mittelalter bis heute ist ein Forschungsschwerpunkt von Klaus Grübl, der im April auf die Professur Romanische Sprachwissenschaft mit den Schwerpunkten Französistik und Italianistik am Institut für Romanistik berufen wurde. Studierende frühzeitig mit Forschungsfragen vertraut zu machen ist ihm wichtig, denn „so lässt sich die Begeisterung für die Sprachwissenschaft am besten vermitteln.“

Was haben Sie studiert und über welche Stationen führte Ihr Weg an die Universität Leipzig?

Ich habe in München Germanistik, Romanistik und Erziehungswissenschaften studiert. 2005 legte ich die Erste Staatsprüfung für das gymnasiale Lehramt ab, 2006 die Magisterprüfung. 2012 wurde ich von Wulf Oesterreicher mit einer Arbeit zur überregionalen Standarisierung in der französischen Urkundensprache des 13.–15. Jahrhunderts promoviert. Während meines Lehramtsstudiums verbrachte ich neun Monate als Fremdsprachenassistent in Straßburg; daher habe ich einen engen Bezug zum Elsass. Als Promotionsstudent forschte ich ein halbes Jahr lang in Beauvais und an der französischen Archivarshochschule, der École nationale des chartes, in Paris. Von 2009 bis 2012 war ich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg beschäftigt, seither, wie schon als Doktorand von 2006 bis 2009, an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Wo liegen Ihre Forschungsinteressen und was fasziniert Sie daran?

Einen wichtigen Teil meiner Arbeit macht die historische Sprachwissenschaft aus. Ich verbinde dabei klassische Fragestellungen der historischen Dialektologie, Phonologie und Morphosyntax mit neueren, philologisch basierten Ansätzen der historischen Pragmatik und Varietätenlinguistik. Ein Sammelband, den ich derzeit gemeinsam mit einem spanischen und einem italienischen Kollegen vorbereite, ist den morphologischen und syntaktischen Veränderungen gewidmet, die die ro­ma­­nischen Spra­­­­­chen im Pro­zess ihrer Verschriftlichung seit dem Mittelalter geprägt und typologisch zum Teil beträchtlich von ihrer dialektalen Basis entfernt haben. Dieser genuin schriftsprachliche, ausbauinduzierte Wandel wurde in der bisherigen Forschung oft nicht klar genug vom spontansprachlichen Wandel in der Mündlichkeit unterschieden.

In den letzten Jahren habe ich mich aber auch intensiv mit der grammatischen Beschreibung romanischer Gegenwartssprachen befasst. Besonders fasziniert mich das Phänomen der adverbialen Polyfunktionalität, also die Möglichkeit, bestimmte Adverbien in unterschiedlichen syntaktischen Positionen zu verwenden und damit unterschiedliche semantische und pragmatische Effekte zu erzielen.

Würden Sie bitte kurz einige Schwerpunkte nennen, die Sie in der Lehre setzen wollen?

Grundsätzlich ist es mir wichtig, die Studierenden von Beginn an mit aktuellen Forschungsfragen vertraut zu machen und neben theoretischen auch empirische, etwa korpuslinguistische Anteile in die Lehre einfließen zu lassen. In Seminaren und Übungen sollten die Studierenden im Idealfall selbst forschend tätig werden. So kann im Unterricht auf Augenhöhe diskutiert werden, und so lässt sich die Begeisterung für die Sprachwissenschaft am besten vermitteln. 

Bitte beenden Sie folgenden Satz: „Die Universität Leipzig ist für mich…“

... eine große Chance. Bislang habe ich die Universität (wie auch die Stadt) als sehr aufgeschlossen und freundlich erlebt. Ich habe das Gefühl, dass hier prinzipiell jedem der nötige Raum für die Verwirklichung seiner persönlichen Schwerpunkte offensteht.

Welche Entdeckung, Erfindung oder Erkenntnis wünschen Sie sich in den nächsten zehn Jahren?

Mit Bezug auf meine wissenschaftliche Arbeit wünsche ich mir die richtige Balance zwischen Fokussierung und Weitblick. In den Geisteswissenschaften bedarf es doch bisweilen des Rückzugs, um sich hinreichend auf die spezifischen Fragestellungen konzentrieren zu können, die einen persönlich umtreiben. Andererseits braucht es aber natürlich auch den Austausch und ein starkes Wir-Gefühl. Vor allem für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist die Vernetzung in der Community ja enorm wichtig. Das beginnt aber schon an der eigenen Universität, mit einer guten Kommunikationskultur im lokalen Team.

Haben Sie ein bestimmtes Lebensmotto, das Ihnen auch über schwierige Phasen hilft?

Per aspera ad astra! – Oder vereinfacht gesagt: Am Ende wird doch meistens alles gut.

Verraten Sie uns bitte noch, wann und wo Sie geboren sind?

Am 5. März 1976 in Bad Reichenhall.

 

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