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Die Reihe „Gesichter der Uni Leipzig“ stellt regelmäßig die Menschen vor, die sich hinter unzähligen kleinen und großen Aufgaben an unserer Hochschule verbergen – im Studium, in der Universitätsverwaltung oder – so wie diesmal – in Forschung und Lehre. Heute hat Prof. Dr. Julia A. Schmidt-Funke einige Fragen beantwortet. Sie ist seit 1. April 2021 Inhaberin des Lehrstuhls für Geschichte der Frühen Neuzeit am Historischen Seminar der Universität Leipzig.

Was haben Sie studiert – und wo?

Ich habe von 1996 bis 2001 Geschichte, Kunstgeschichte und Klassische Archäologie in Leipzig und Lyon studiert.

Was waren im Anschluss Ihre wichtigsten beziehungsweise Ihre letzten beruflichen Stationen?

Promoviert habe ich 2005 im Jenaer Sonderforschungsbereich „Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800“. Nach einem Stipendium am Institut für Europäische Geschichte in Mainz war ich dann an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz beschäftigt, unterbrochen von einem Forschungsaufenthalt in Paris. 2010 kam ich zurück nach Jena und habe am dortigen Historischen Institut an meiner Habilitation gearbeitet, die ich 2017 abgeschlossen habe. Anschließend war ich knapp drei Jahre wissenschaftliche Koordinatorin des Sammlungs- und Forschungsverbunds Gotha an der Universität Erfurt. Meine letzte Station war seit 2020 die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Was fasziniert Sie an Ihrem Forschungsgebiet und was sind Ihre Schwerpunkte?

Es heißt zuweilen, die letzten Entdeckungen würden im Archiv gemacht. Dagegen würden sicher viele andere Disziplinen Einspruch erheben. Aber die Vergangenheit ist so vielfältig, dass die Geschichtswissenschaft tatsächlich immer wieder Neues entdecken kann. Die Epoche der Frühen Neuzeit (ca. 1500 bis 1800), die ich mit meiner Professur vertrete, erscheint mir besonders spannend, weil wir hier vieles finden, das unmittelbar in unsere Gegenwart hineinwirkt, während uns gleichzeitig die Andersartigkeit der Epoche befremdet. Das kann man an vielen wichtigen Entwicklungen dieses Zeitabschnitts sehen, zum Beipiel an der europäischen Expansion, dem entstehenden Pressewesen, der Reformation oder der Aufklärung.

Haben Sie sich für Ihre Tätigkeit an der Universität Leipzig ein bestimmtes Forschungsziel gesetzt? Welches?

Ich möchte meine Forschungsschwerpunkte in der Stadtgeschichte, den material culture studies und der Konsumgeschichte sowie der Wissensgeschichte weiter ausbauen. Unter anderem werde ich in den kommenden Jahren erforschen, wie sich frühneuzeitliche Urbanität und die Entstehung von naturkundlichem, medizinischen und technischem Wissen gegenseitig beeinflussten. Das interessiert mich auch für die Stadt Leipzig, wo man es beispielsweise an der Apothekerfamilie Linck untersuchen kann. Aber ich möchte diese Zusammenhänge ebenso in vergleichend europäischer und globaler Perspektive diskutieren.

Würden Sie bitte kurz einige Schwerpunkte nennen, die Sie in der Lehre setzen wollen?

Gemeinsam mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möchte ich in der Lehre ein breites Themenspektrum anbieten und verstärkt kultur- und transfergeschichtliche Perspektiven einbringen. Dabei ist es mir ein Anliegen, die Studierenden an aktuellen Forschungen teilhaben zu lassen. Den Lehramtsstudierenden möchte ich Anregungen geben, wie gesellschaftsrelevante Frühneuzeitthemen im Schulunterricht verankert werden können. Die Bachelor- und Masterstudierenden möchte ich bei der Berufsorientierung unterstützen, etwa durch die Kooperation mit Museen, Bibliotheken und Archiven oder durch Einblicke in die Digital Humanities.

Bitte beenden Sie folgenden Satz: „Die Universität Leipzig ist für mich…“

… ein Ort der Rückkehr und des Aufbruchs zugleich.

Antworten Sie gern mit persönlichem Bezug oder allgemein: Welche Entdeckung, Erfindung oder Erkenntnis wünschen Sie sich in den nächsten zehn Jahren?

Vielleicht eine Zeitmaschine? Damit könnte man nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft reisen. Und das würde vielleicht helfen, die Probleme der Gegenwart entschlossener anzugehen.

Welche Hobbys haben Sie?

Ich habe zwei Kinder, da ist es so eine Sache mit den Hobbys – die müssen nämlich familienkompatibel sein. Mit meiner Familie bin ich oft draußen unterwegs und verbringe gern Zeit in unserem Garten.

Haben Sie ein bestimmtes Lebensmotto, das Ihnen auch über schwierige Phasen hilft?

Nein.

Verraten Sie uns bitte noch, wann und wo Sie geboren sind?

Ich bin 1976 in Holzminden (Niedersachsen) geboren und in Goslar am Harz aufgewachsen.

Vielen Dank. Die Fragen stellte Susann Huster.

 

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