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Rektorin Prof. Dr. Eva Inés Obergfell fand beim Neuberufenen-Empfang am 6. November die passenden Worte, um die neuen Professor:innen des vergangenen Jahres willkommen zu heißen: "Sie bereichern mit Ihrer Forschung, mit Ihrer Energie und mit Ihren Ideen unsere Universität – und zugleich die Stadt Leipzig. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich hier schnell zu Hause fühlen." 21 von ihnen waren dem Abend in den Club International e.V. gekommen, um ihre ebenfalls neuen Kolleg:innen, Vertreter:innen der Stadt, der Wirtschaft und anderer Forschungseinrichtungen sowie der Universität kennenzulernen und sich zu vernetzen. Die insgesamt etwa 80 Gäste erlebten in stilvollem Ambiente ein Stück gelebter Willkommenskultur an der Universität Leipzig.

"Universität trifft Stadt, Wissenschaft trifft Wirtschaft, Forschung trifft Erfahrung", fasste die Rektorin das zusammen, was den Spirit dieses Abends ausmachte und mittlerweile zur Tradition an der Alma mater Lipsiensis geworden ist. "Die Verbindung von Universität und Stadtgesellschaft ist für uns ein persönliches Anliegen", betonte sie und wies darauf hin, dass die bereits seit längerem bestehende Kooperation von Universität und Stadt zum Dies academicus am 2. Dezember noch einmal erneuert wird. Prof. Obergfell berichtete von dem neuen, in der Exzellenzstrategie erfolgreichen Medizin-Cluster “Leipzig Center of Metabolism”, das “ein starkes Zeichen für die medizinische Forschung der Zukunft” setzen werde. Voller Stolz betonte sie, dass die Universität Leipzig zu den großen, forschungsstarken und medizinführenden Universitäten in Deutschland gehöre und ein breites Fächerspektrum habe, mit dem sie unter anderem einen wesentlichen Beitrag zur Daseinsvorsorge leiste. Aus dieser Vielfalt wolle die Alma mater wissenschaftliches Kapital schlagen. 

Prägende und unerwartete Gespräche 

Im Anschluss stellte Kanzler Dr. Jörg Wadzack den Neuberufenen die Spitzen der Universitätsverwaltung vor. “Die Verwaltung und ich sind bemüht, Ihnen alle Unterstützung angedeihen zu lassen, damit Sie Forschung und Lehre bestmöglich umsetzen können”, versprach er. Auch Benita Goldhahn, die Vizepräsidentin des Clubs International, hieß besonders die neuberufenen Professor:innen herzlich willkommen in einer neuen Phase ihres wissenschaftlichen Lebens und gab ihnen auf den Weg: “Oft sind es die unerwarteten Gespräche, die uns am tiefsten prägen.” Davon wurden an dem Abend sicherlich einige geführt. Die neuen Forschenden nutzten von Beginn an die Chance, mit Kolleg:innen aus anderen Bereichen der Universität sowie mit Vertreter:innen der Stadt, der Leipziger Wirtschaft und anderer Forschungseinrichtungen ins Gespräch zu kommen. 

Zwischendrin gaben sechs Neuberufene kurze und anschauliche Einblicke in ihre Forschung. Den Anfang machte Humboldt-Professor Dr. Daniel Kráľ. Der Experte auf dem Gebiet der sogenannten Diskreten Mathematik, der sich mit grundlegenden Konzepten für die Modellierung und Darstellung von Netzwerken befasst, hielt erstmals eine Rede auf Deutsch. “Es ist ein guter Ort für mich hier”, betonte er und fügte hinzu: “Ich freue mich auf viele angenehme Jahre in Leipzig.” Die Biologin Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, die wissenschaftliche Geschäftsführerin des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung - UFZ und von beiden Einrichtungen gemeinsam berufen, übersetzte anschließend die Denomination ihrer Professur wegen der besseren Verständlichkeit gleich ins Deutsche: die Rolle der Natur im Zeitalter der Menschen". Die Neu-Leipzigerin berichtete von ihren langen Jahren der Forschung in Afrika und einem ihrer Schwerpunkte - der Rolle von Vögeln in Ökosystemen.

Das Problem ist: Wir sind sehr ineffizient organisiert in Deutschland.

Prof. Dr. Alexander Konnopka über das deutsche Gesundheitswesen

KI-Experte Prof. Dr. Alexander Binder ließ das Publikum wissen, dass er “sehr dankbar für das Berufungsangebot" sei und es gern angenommen habe. Der Professor für Multimodal Machine Learning gab einen Einblick, was Roboter in Zukunft auch beherrschen könnten außer sehen und hören: sie fühlen “vielleicht in zehn Jahren”. Binder kündigte an, Large Language Models in die öffentliche Verwaltung bringen zu wollen. Der Geschäftsführer von Universitätsstiftung und Universitätsgesellschaft, Dr. Robert Benjamin Biskop, stellte in seinem Grußwort beide Institutionen und ihre Angebote vor. Die Universitätsstiftung unterstütze “Leuchtturmprojekte” der Alma mater, sagte er. Die Universitätsgesellschaft fördere insbesondere kleinere Projekte und Veranstaltungen. Biskop hob insbesondere ein Projekt zum Thema mentale Gesundheit hervor, das von der Beisheim Stiftung gefördert wird. Ziel sei es, eine “mentale Tankstelle” an der Universität Leipzig zu etablieren.

Nach der Pause voller angeregter Gespräche nahm Moderatorin Nina Vogt das Publikum mit in den zweiten Teil dieser abendlichen Forschungsexpedition. Den eröffnete der neuberufene Prof. Dr. Alexander Konnopka mit seinen Ausführungen zum Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und unserer Volkswirtschaft. In seinem Forschungsgebiet “Gesundheitsökonomie in der Psychiatrie” gehe es um die Effizienz zwischen Kosten und Effekten im deutschen Gesundheitswesen. Im Vergleich zu anderen europäischen OECD-Ländern sei Deutschland bei den Gesundheitskosten und der Zahl der Ärzt:innen beziehungsweise Pflegekräfte pro Person weit vorn. “Das Problem ist: Wir sind sehr ineffizient organisiert in Deutschland”, sprach Konnopka Klartext. Große Probleme stellten die Digitalisierung sowie die Pflicht zu Dokumentation und Bürokrarie dar, die ein Drittel der Arbeitszeit von Ärzt:innen und Pflegekräften einnehme. Noch klarere Worte fand Konnopka auf die Frage aus dem Publikum, was er tun würde, wenn er König von Deutschland wäre. Seine kurze, klare Antwort: die privaten Krankenversicherungen abschaffen, “das System richtig durchdigitalisieren” und “den Dokumentationsirrsinn eindämmen”.

Je länger eine Krebsbehandlung zurückliegt, desto größer ist die Gefahr von Spätfolgen.

Prof. Dr. Judith Gebauer

Neu geschaffene Professur zu Langzeitüberleben nach Krebs

Prof. Dr. Judith Gebauer stellte ihre neu geschaffene Professur zum Thema Langzeitüberleben nach Krebs vor, die eine Querschnittsdisziplin zwischen Versorgung und Forschung sei. Ihre wissenschaftliche Arbeit beginne fünf Jahre nach der Therapie. Es gehe darum, mögliche Risikofaktoren für Spätfolgen zu erkennen und Wege zur Prävention zu finden. “Je länger eine Krebsbehandlung zurückliegt, desto größer ist die Gefahr von Spätfolgen”, sagte Gebauer.

Als letzter der sechs Neuberufenene berichtete Prof. Dr. Michael Schillig dem Publikum, was er sich in seinem Fachgebiet International Business Law vorgenommen hat. Der Jurist, der viele Jahre in Großbritannien gelebt hat, untersucht unter anderem die Risiken des Klimawandels für das Finanzsystem. Seine Aufgabe an der Universität Leipzig sei “spannend und faszinierend”. Eines seiner Ziele sei es, ausländische Studierende nach Leipzig zu holen. Beeindruckt sei er schon jetzt von der großen Resonanz auf seine englischsprachigen Vorlesungen und dem “unglaublichen Englisch” seiner Studierenden. Es gebe keinen Unterschied zu seinen früheren Master-Studierenden in London, lobte er.

Noch lange dauerte der Austausch im Club International in der Käthe-Kollwitz-Straße. Ermöglicht wurde diese Veranstaltung durch die Unterstützung der Partner für Wirtschaftsförderung, der Universitätsgesellschaft und der Universitätsstiftung Leipzig sowie des Clubs International. 

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