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Milena Barp empfindet die Forschungsarbeit im Graduiertenkolleg (GRK) 2721 an der Universität Leipzig als „sehr fruchtbar“. Die junge Brasilianerin hat an der Universität von São Paulo Chemie studiert und ihren Masterabschluss in der Spezialisierung Spektroskopie unter anderem an der Universität Leipzig erlangt. Noch bis Ende März 2026 forscht und lebt sie in Leipzig. Wie es danach für sie weitergeht, ist noch offen. Fest steht für die 30-Jährige aber bereits jetzt: Die Möglichkeiten, die das GRK unter der Leitung von Prof. Dr. Knut Asmis ihr bietet, sind für ihre und generell für junge Karrieren sehr förderlich.

Das Graduiertenkolleg 2721 „Wasserstoff-Isotope, 1,2,3H“ hat ein „Start-up Funding”-Programm zur Unterstützung von Personen, die eine akademische Karriere anstreben, aufgelegt. Milena wurde dafür ausgewählt. Seit März 2020 gehört die damalige Master-Studentin zur Asmis-Gruppe. Ihre Promotionszeit im Rahmen des Graduiertenkollegs begann im Oktober 2021, und am 24. Juli dieses Jahres hat sie ihre Dissertation erfolgreich verteidigt – eine Erfolgsgeschichte, wie sie mehrere junge Forschende aus dem In- und Ausland im GRK von Professor Asmis erlebt haben. 

Beeindruckt von den Forschungsbedingungen

Damals, vor über fünf Jahren, war sie auf der Suche nach der speziellen Technik und den Themen, die in Knut Asmis’ speziellem Labor für Infrarot-Photodissoziationsspektroskopie erforscht werden: die Untersuchung der Mikrosolvatation, die beschreibt, wie ein einzelnes Molekül oder Ion von nur wenigen Lösungsmittelmolekülen umgeben wird. Damit hatte sie bereits im heimatlichen Brasilien Erfahrungen gesammelt. „Ich war fasziniert von der Idee, dass wir ‚sehen‘ können, wie sich die Wechselwirkungen zwischen Ionen und Lösungsmitteln verändern, wenn schrittweise neue Lösungsmittelmoleküle hinzugefügt werden, und dass wir diese Strukturen durch eine Kombination aus Experiment und Theorie vorhersagen und berechnen können“, schwärmt die junge Forscherin. 

Das Spektroskopie-Labor verfügt über hochmoderne Instrumente, angefangen bei dem Dreifach-Massenspektrometer. Das wurde unter der Leitung von Knut Asmis aufgebaut. Milena schätzt auch sehr die zwei Lasersysteme, die es den Wissenschaftler:innen ermöglichen, komplexe Experimente durchzuführen und mit den weltweit führenden Labors, die ähnliche Systeme in diesem Bereich untersuchen, Schritt zu halten. Hinzu komme der wissenschaftliche Rechencluster der Universität Leipzig, der die Datenanalyse und quantenchemischen Berechnungen unterstützt. „Die gesamten Forschungsbedingungen sind für mich nach wie vor beeindruckend. Hinzu kommt der Austausch mit anderen Forschern innerhalb und außerhalb des GRKs, der die gesamte Forschungserfahrung bereichert“, sagt Milena.

Sobald alles reibungslos läuft, ist es spannend, so viele hochwertige Daten wie möglich zu sammeln.

Ein wichtiger Schwerpunkt ihrer Doktorarbeit waren sogenannte Ionenfallen im Kryobetrieb, also extrem stark gekühlte Ionenfallen (Geräte, die elektrisch geladene Teilchen, Ionen, in einem kleinen Raum festhalten). „Ich habe diese leistungsstarke Technik eingesetzt, um die Eigenschaften eines organischen Lösungsmittels, Hexafluorisopropanol, mit Hilfe von Gasphasenmodellsystemen zu untersuchen und insbesondere die Wasserstoffbrückenbindungen, die es ausbilden kann, zu verstehen – ein Experiment unter sehr kontrollierten Bedingungen“, erklärt Milena Barp. „Diese Studien ermöglichten uns eine molekulare Sicht auf einige der Wechselwirkungen, die auftreten, wenn Hexafluorisopropanol und Wasser an ein Anion bindet. Dies ist für ein besseres Verständnis des Mechanismus des Wasserstoffisotopenaustausches von aromatischen Verbindungen sehr wichtig", ergänzt sie. 

Milenas Arbeitsalltag änderte sich im Laufe der Forschungsjahre, als sie mehr Verantwortung im Labor übernehmen durfte. In den Wochen, in denen sie im Labor experimentiert, ist ihr Arbeitstag ausgedehnter als an anderen Tagen. „Sobald alles reibungslos läuft, ist es spannend, so viele hochwertige Daten wie möglich zu sammeln. In den Wochen im Büro geht es mehr um die Datenanalyse, was eine gewisse Rechenleistung erfordert, um Literaturrecherche und auch um etwas Bürokratie“, erzählt die Brasilianerin. Zusätzlich zu dieser Arbeit war sie immer in die Betreuung einer Master- oder Bachelorarbeit eingebunden, was für sie auch „eine großartige Lern- und Austauscherfahrung“ gewesen sei. Eine willkommene Abwechslung waren für Milena die gemeinsamen Mittagspausen mit ihren Kolleg:innen. „Sie waren an manchen Tagen wissenschaftlicher als an anderen“, berichtet sie.

Die Zusammenarbeit innerhalb des GRK war für Barps Projekt sehr fruchtbar, wie sie selbst einschätzt. An allen Veröffentlichungen im Zusammenhang mit ihrer Dissertation war mindestens ein GRK-Partner beteiligt. Im Allgemeinen sehe sie „sehr erfolgreiche Kooperationen“, da komplementäre Ergebnisse kombiniert worden seien oder Projekte, die voneinander abhängig waren, zu Ergebnissen geführt hätten, die über die einzelnen Beiträge hinausgingen. „Ich glaube, dass wir sehr von dem jährlichen Workshop profitiert haben, bei dem wir immer ermutigt wurden, unsere neuesten Arbeiten zu präsentieren. Das hatte zwei wichtige Effekte: Wir wurden ständig über die Fortschritte unserer Kollegen informiert und wir übten, unsere Ergebnisse zu präsentieren“, reflektiert die junge Frau ihre Forschungsarbeit im GRK 2721. 

Auf Konferenzen Horizont erweitert 

Ihren Horizont und ihr Fachwissen erweitern konnte sie auch durch die Teilnahme an Konferenzen, Forschungsaufenthalte in Deutschland oder im Ausland sowie die Möglichkeit, andere Forschende während der Veranstaltungen des Graduiertenkollegs zu treffen. „Wir kamen dort mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, anderen Techniken als den hier verfügbaren und den neuesten Entwicklungen in unseren Bereichen in Berührung. Auf diese Weise haben einige unserer Kollegen ihre neue Stelle gefunden oder ihre Ideen und Meinungen über die nächsten Schritte entwickelt“, sagt sie.

Da das Start-up-Funding die Möglichkeit bietet, dieses Jahr zum Schreiben von Bewerbungen zu nutzen, plant Milena, sich bis zu einer endgültigen Entscheidung alle Optionen in Bezug auf Standort, Institutionen oder Forschungseinrichtungen offen zu halten.

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