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Nach zehn Jahren ist „StiL – Studieren in Leipzig“ als gesamtuniversitäres Projekt der Universität Leipzig im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Qualitätspakt Lehre“ zu Ende gegangen. Zwölf Teilprojekte, unter anderem das Studienstartportal, das Tutoring-Kolleg und die LaborUniversität, wurden auf den Weg gebracht. Projektleiter Prof. Dr. Thomas Hofsäss, Prorektor für Bildung und Internationales, nahm das Ende von StiL zum Anlass, im nachfolgenden Interview eine Bilanz des zurückgelegten Weges zu ziehen. Er blickt dankbar, aber auch kritisch auf das Erreichte zurück und gibt einen Ausblick auf das, was nach StiL kommt.

Herr Prof. Hofsäss, inwieweit hat StiL Studium und Lehre an der Universität Leipzig vorangebracht?

Studium und Lehre wurde in den vergangenen zehn Jahren von den engagierten Mitarbeitenden und den Teilprojektleitungen, aber auch von den zahlreichen studentischen Mitarbeitenden vorangebracht. Ihnen gilt ein sehr großer Dank. Aber auch dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, welches das Projekt in zwei Förderphasen vollfinanziert hat.

Vor zehn Jahren war die Lehre ein Thema in der Universität, das von der Bedeutung her weit hinter der Forschung kam. Jetzt kann man sagen, Lehre, Forschung und Transfer sind d i e Themen an der Universität. Das hat ursächlich damit zu tun, dass durch die zahlreichen Teilprojekte von StiL die verschiedenen Teilbereiche der Lehre – sei es Studierendenorientierung, Internationalisierung, sei es Information für Studieninteressierte – mit den zusätzlichen Ressourcen professionalisiert werden konnten. Durch StiL sind die Studierenden zu den Hauptpersonen der Universität geworden. Die Lehrenden und die für Studium und Lehre zuständigen Bereiche hatten das zuvor selbstverständlich auch im Blick. Durch StiL wurde es aber möglich, Instrumente zu entwickeln, um die Ansprache der Studierenden zu verbessern, ebenso  wie die Lehrinfrastruktur und -qualität, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wie kann man diese Verbesserungen, von denen Sie gerade sprachen, messen?

Es gibt einige Messinstrumente, etwa die Klickzahlen im Studienstartportal oder die Frequentierung der Social-Media-Kanäle. Da haben wir wirklich sehr hohe Zahlen. Es gibt noch andere Kennzahlen, zum Beispiel die Zahl der geförderten Projekte der LaborUniversität, die innovative Ideen für die Lehre gefördert hat. Auch darüber kann sehr gut gemessen werden, wie viele Studierende und Lehrende darüber erreicht, wie viel Mittel dafür eingesetzt wurden. Ein wichtiges Stichwort ist auch, wie viele Lehrende durch hochschuldidaktische Maßnahmen gegangen sind. Hierfür  gab es verschiedene Formate, didaktische Werkstätten oder den Tag der Lehre, der einmal im Jahr – das achte Jahr in Folge – stattgefunden hat und eine hohe Attraktivität mit sich brachte. Ich denke auch an Webinare oder Workshops, mit denen eine ganze Menge an Lehrenden erreicht wurden. Im Wesentlichen hat StiL das Gespräch über Lehre, über Lehrqualität, über Lehrformate, das Curriculum über die Digitalisierung der Lehre und über Medien in der Lehre stimuliert. Es ist auch möglich geworden, dass sich Lehrende über ihr eigenes Fach hinaus mit anderen vernetzt haben. Netzwerke sind über die Teilprojekte entstanden, über die Studiengänge hinaus. Das ist eine sehr wertvolle Entwicklung.

Was ist für Sie das Einmalige an StiL?

StiL ist stilbildend für die Lehre an der Uni Leipzig. StiL befördert Innovation und Experimentierfreude in der Lehre. Und StiL macht deutlich, dass Lehre für die Studierenden ständig weiterentwickelt wird und die Anziehungskraft von Studieninteressierten, auch international steigert.

Was sind für Sie persönlich die Meilensteine, sprich die größten Erfolge von StiL in den vergangenen zehn Jahren, und was ist aus heutiger Sicht weniger gut gelaufen?

Als großen Erfolg werte ich, dass StiL die Lehre an der Universität Leipzig sichtbar gemacht und zur Qualitätsentwicklung in Lehre, Studium und Curriculum beigetragen hat. StiL hat deutlich gemacht, dass auch die Lehrenden mit ihrer Lehre Reputation erreichen können, dass Lehre durchaus Spaß machen kann. Um den mentalen Aspekt von Lehre zu stärken, brauche ich bestimmte Instrumente. Wie kann ich Studierende aktivieren? Wie kann ich gemeinsam mit Studierenden Lehre gestalten? – Das sind einige der Themen, die auch durch StiL animiert worden sind.

Am Ende eines Projekts resümiert man natürlich auch darüber, ob man noch weitere Effekte hätte erzielen können. Am Anfang gab es die Schwierigkeit, dass sich das relativ große Projekt StiL erstmal erfinden musste. In der Anfangsphase nach dem Start im Jahr 2011 hätte es einer sehr viel stärkeren Steuerung bedurft. Am Anfang stand der Optimismus, dass sich die Teams in den einzelnen Teilprojekten ganz gut selbst finden können. Dies ist nur in wenigen Teilprojekten auf Anhieb gut gelungen. Es hat sich dann im Nachhinein gezeigt, dass es zielführender gewesen wäre, den Teilprojekten von Anfang an einen klaren Kompass in die Hand zu geben. Diese Nachsteuerung erfolgte dann erfolgreich mit der zweiten Förderphase ab 2016.  

Sind groß angelegte, zeitlich begrenzte Projekte wie StiL tatsächlich der richtige Weg, um Weiterentwicklungen an der Universität Leipzig nachhaltig zu etablieren?

Mit StiL hatten wir ein ungewöhnlich langes Projekt, was einerseits gut war, um auch längere Erfahrungs-, Entwicklungs- und Experimentierräume im Kontext von Lehre und Studium zu entwickeln und zu erproben. Dies führt dann aber auch zur Wahrnehmung, dass ein solches Projekt als Begleitinstrument auf Dauer dazu gehören würde. Wir konnten in vielen Bereichen mit zusätzlichen studentischen Hilfskräften, mit Tutorien, mit Sachmitteln das kompensieren, was das Budget der Uni nicht hergibt. Und wenn dann ein Projekt endet, steht man vor dem Dilemma, dass nicht alle gewachsenen, guten Strukturen und Netzwerke weitergeführt  werden können. Es macht schon einen großen Unterschied, ob ein dreijähriges oder zehnjähriges Projekt endet. Das Ergebnis ist dasselbe: Was nicht in Routine- und Regelstrukturen übertragen werden kann, ist weg. So, wie die Projektmittel dann schlicht auf null gestellt sind. Dies als gesetzt zu betrachten, fällt vielen Bereichen schwer, die in besonderer Weise mit StiL verwoben waren.

Welche Strukturen, die durch StiL geschaffen wurden, wird es auch künftig weiter geben?

Über den Zukunftsvertrag können wir einzelne Elemente mitnehmen, im zentralen Bereich zum Beispiel Teile der Social-Media-Redaktion oder des Studienstartportals. Die Fakultäten wiederum stehen vor der schwierigen Aufgabe, sich zu entscheiden, ob sie aus den ihnen zugewiesenen beziehungsweise noch zuzuweisenden Mitteln beispielsweise das Mentoring oder bestimmte Tutorien fortführen. Insoweit ist hier noch einiges weniges in Entwicklung.

Die Stiftung für Innovation in der Hochschullehre versteht sich als eine Weiterentwicklung des Qualitätspakt Lehre: Eine Ausschreibung zum Thema Digitalisierung in der Lehre ist bereits veröffentlicht; ein Antrag der Universität Leipzig wird erarbeitet. Weitere Ausschreibungen werden noch dieses Jahr folgen. Sicherlich wird es wichtig sein, sich hier erfolgreich zu bewerben, um zumindest Teile einer innovativen Lehrentwicklung fortschreiben zu können.

Es sind ja doch allerhand Mitarbeitende, die sich teilweise nach über fünf Jahren nun neu orientieren müssen...

Ja, das ist bitter, aber auch Teil des Wissenschaftssystems, welches stark von temporärer Projektförderung getrieben ist. Über die Projektmitarbeit haben sich aber auch viele Mitarbeitende Kompetenzen erworben, mit denen sie sich durchaus im Bildungs- und Beratungs- und Projektsektor erfolgreich neu einbringen können. In der Metropolregion Leipzig/Halle gibt es hier ja ein ständiges Wachstum. Ich habe schon von erfolgreichen Anschlussbeschäftigungen gehört. Und künftig wird es sicherlich auch in Einzelfällen wieder an der Uni Leipzig über Projekte Weiterentwicklungsmöglichkeiten geben.

Zahlen und Fakten zu StiL

  • Projekte:
    StiL hatte kontinuierlich 12 Teilprojekte und ein Projektmanagement.
  • Mitarbeitende:
    Die Zahl der Mitarbeitenden in der zweite Förderphase von StiL von Oktober 2016 bis Ende März dieses Jahres schwankte unterjährig und im Verlauf des Projekts. Das Jahr 2019 exemplarisch betrachtet:
    • 30 Vollzeitäquivalente (VZÄ) entsprachen 47 beschäftigten Personen, darunter auch Elternzeitvertretungen und Teilzeitbeschäftigte.
    • 507 Wissenschaftliche Hilfskräfte (WHK) oder Studentische Hilfskräfte (SHK) waren als Tutorinnen und Tutoren, Buddies, WHK für Lehr-Lern-Projekte oder Teilprojekt-WHK beschäftigt.
    • In der Laufzeitverlängerung bis 31. März 2021 sind 16,25 VZÄ und 28 Personen verblieben, bis auf eine Person alle in Teilzeit.
  • Fördersummen:
    • Die beiden größten Teilprojekte waren Mentoring und Tutoring, für die zweite Förderphase veranschlagt mit jeweils etwa 3,1 Millionen Euro.
    • Darauf folgt die LaborUniversität einschließlich der Förderungen der Lehr-Lern-Projekte mit rund 2 Millionen Euro.
    • An dritter Stelle stand das Teilprojekt Internationalisierung zu Hause und Mobilitätsförderung einschließlich Career Service for Internationals mit 1,7 Millionen Euro. 

 

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