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Ich komme aus Ghana und studiere seit 2018 Medizin an der Uni Leipzig. Gern möchte ich über mein Studium in Leipzig und über das Medizinstudium in Zeiten von Corona berichten.

Die Vorbereitung für mein Studium in Deutschland begann bereits in Ghana: Ich musste alle erforderlichen Dokumente für die deutsche Botschaft zusammenstellen; viele Wege waren notwendig, damit alles rechtzeitig fertig war. Die Verabschiedung von Freunden und Bekannten und natürlich die letzten Stunden zu Hause mit der eigenen Familie waren nicht leicht – vor so einer Situation stand ich bisher noch nicht. Dennoch war ich bereit für die Aufgabe, mein Studium in Europa anzutreten. Fortan ging alles schnell und reibungslos und ehe ich so richtig zum Nachdenken kam, hatte ich auch schon fremden Boden unter den Füßen und die Reise ging von Stuttgart aus durch mehrere Bundesländer direkt nach Leipzig. 

"Die Zeit verging bislang wie im Flug"

Im Anschluss begann ich gleich mit den ersten Studienvorbereitungen: Viele Formulare, Tests, Gespräche, die Einstellungsprüfung zur Qualifikation – es war viel los in dieser Zeit. Besonders der neue Dialekt, die „sächsische Mundart“, bereiteten mir anfänglich einige Probleme. Doch in jeder freien Minute war ich mehr davon überzeugt, meinen Weg in die Medizin ohne jeglichen Zweifel und voller Entschlossenheit zu gehen. Jeden Tag habe ich mich aufs Neue motiviert. Ich sagte mir immer: „Du musst fest an das glauben, was du vorhast“. Mittlerweile sind schon mehr als drei Jahre vergangen und etwas scherzhaft würde ich sagen: Ich lebe noch und mir geht’s gut. Gott sei Dank! Die Zeit an der Uni verging bisher wie im Fluge und jedes Semester hat seine speziellen Besonderheiten.

Gedanken an die Corona-Situation zu Hause kommen hoch

Mittlerweile gehört auch das aktuelle Thema „Corona“ dazu und geht nicht an mir und den anderen Studierenden vorbei. Schnell kommen Gedanken hoch, wie es wohl zu Hause ablaufen wird. Sind alle ausreichend geschützt, wie verständnisvoll gehen die Menschen in meiner Heimat damit um? Täglich rufe ich die Zahlen der Pandemie auf, um die Entwicklung zu verfolgen, gleichzeitig ist mir auch bewusst, dass ich wenig dagegen ausrichten kann, zumindest jetzt in diesem Moment. Das ist nicht einfach und geht an die Substanz.

Für mein Studium stellten sich neue Fragen: Was bedeutet das konkret für mich? Kommt da schon wieder etwas Neues auf mich zu? Auf der anderen Seite bestärkt mich die Situation natürlich, meinen medizinischen Weg konsequent zu bestreiten. Weiter halte ich uneingeschränkt daran fest. So habe ich mich auch an die digitalen Präsenzvorlesungen und Videokonferenzen der Uni gewöhnt und kann gut damit umgehen.

"Fachsimpeln in der Gruppe fehlt manchmal"

Leider ging der Austausch mit meinen Kommilitonen verloren. Das „persönliche Gespräch danach“ vermissen wir im Rahmen der Online-Vorlesungen schon sehr. Das Fachsimpeln in der Gruppe fehlt manchmal – gerade die unterschiedlichen Blickwinkel und Betrachtungsweisen zu bestimmten Fachthemen sind oftmals sehr wichtig und für den Einzelnen mitunter eine wertvolle Ergänzung.

Ergänzende Informationen sowie das Nachlesen wissenschaftlicher Beiträge werden jetzt aber über die Fachliteratur der Online-Bibliothek abgedeckt. Eine neue Arbeitsweise hat sich da plötzlich aufgetan. Für diese globale Veränderung hat Corona den Anstoß gegeben.

"Ich gehe oft in die Natur und nehme mir dabei einige Themen mit"

Jetzt geht es darum, das Beste daraus zu machen und die Chancen zu nutzen. Momentan fallen die persönlichen Gespräche nach den Vorlesungen weg und das fehlt manchmal, aber auf der anderen Seite bleibt wieder mehr Zeit, da die Anreise zur Uni mit Bus oder Bahn derzeit wegfällt. Insofern gestaltet sich der Tagesablauf doch etwas flexibler. Das tut vor allem meinen selbst gezogenen Papayas und Avocados gut, die seitdem auf dem Weg zu stattlichen Zimmerpflanzen sind. Ich gehe oft in die Natur und nehme mir dabei einige Themen mit – die etwas andere Art zu lernen. Der regelmäßige Kontakt zur Kirche und Familie sind mir ebenso wichtig wie sportliche Freizeitgestaltung und gesunde Ernährung. Trotzdem sollte man die derzeitige Lage nicht auf die leichte Schulter nehmen und die entsprechenden Schutzmaßnahmen einhalten.

Trotz der aktuellen Situation blicke ich erwartungsvoll in die Zukunft und freue mich auf das, was noch kommt. Das umfangreiche und großzügige Angebot der Uni Leipzig, durch das wir gebündelt in die verschiedensten Fachgebiete Einblicke gewinnen können, bietet einen echten Schatz. Ich würde allen empfehlen, sich intensiv mit den unzähligen Angeboten auseinanderzusetzen.

 

  • In loser Reihe stellen wir Erfahrungsberichte zum Thema "Mein Auslandsaufenthalt in der Corona-Zeit" im Universitätsmagazin und auf den Social-Media-Kanälen der Universität vor.
  • Mehr Erfahrungsberichte zum Thema Auslandsaufenthalt finden Sie in den Entdeckerstorys.


Gideon Akuffo, Medizinstudent

Kommentare

  • Kommentar von Sophia S., 18.02.2021, 20:43 Uhr
    Hallo Gideon, vielen Dank für den Einblick - es ist für mich sehr motivierend, von deinem bisherigen Weg zu lesen. Schön, dass du der Corona-Zeit auch so viel Positives abgewinnen kannst. Alles Gute für die kommenden Semester und die Zeit in Leipzig. Sophia 

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