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Die Reihe „Gesichter der Uni Leipzig“ stellt regelmäßig die Menschen vor, die sich hinter unzähligen kleinen und großen Aufgaben an unserer Hochschule verbergen – im Studium, in der Universitätsverwaltung oder – so wie diesmal – in Forschung und Lehre. Heute hat Prof. Dr. Jonas Flöter einige Fragen beantwortet. Er wurde zum 1. April 2020 auf die Professur für Allgemeine Erziehungswissenschaft neu berufen.

Was haben Sie studiert – und wo?

Mein Studium startete ich 1989 an der Universität Leipzig. 1990 wechselte ich an die Universität Wien und studierte dort Geschichte, Sozialkunde, Kunstgeschichte und Kulturwissenschaften. Parallel dazu besuchte ich einige Semester auch die Universität Klagenfurt. 1995 beendete ich mein Studium in Wien.

Was waren im Anschluss Ihre wichtigsten beziehungsweise Ihre letzten beruflichen Stationen?

Nach meine Promotion 2001 – an der Universität Leipzig – war ich einige Jahre am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde ISGV in Dresden tätig und arbeitete dort bereits am meinem Habilitationsthema. 2004 wechselte ich an die Universität Leipzig und war hier als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Allgemeine Pädagogik und als Koordinator der Senatskommission zur Erforschung der Leipziger Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte tätig. 2007 konnte ich mich in Leipzig habilitieren. Im Anschluss an eine Vertretungsprofessur an der TU Dresden wechselte ich dann in den Schuldienst. In den letzten Jahren war ich Referent für Führungskräfteentwicklung am Landesschulamt Sachsen-Anhalt.

Was fasziniert Sie an Ihrem Forschungsgebiet und was sind Ihre Schwerpunkte?

Das Fachgebiet Allgemeine Erziehungswissenschaft ist für mich besonders faszinierend, da es sich mit den systematischen, philosophischen und historischen Grundlagen des Fachs auseinandersetzt. Die Allgemeine Erziehungswissenschaft will somit die Bedeutung pädagogischer Handlungstheorien und erziehungswissenschaftlicher Theoriediskussionen und Forschungen für die pädagogische Praxis der Gegenwart veranschaulichen. Der Forschungsbereich ist somit prädestiniert für die Zusammenarbeit mit anderen Fächern und Fakultäten, ein Aspekt, der mir persönlich sehr am Herzen liegt. 

Bei meiner Forschung befasse ich mich mit dem Thema Schule aus bildungsgeschichtlicher und aktueller Perspektive. Bildungsgeschichtlich stehen die sächsischen und preußischen Fürsten- und Landschulen im Zentrum. Zukünftig werden ich mich verstärkt der Humanismusforschung, insbesondere dem „Dritten Humanismus“ und seiner Strahlkraft in die verschiedenen Wissenschaftsgebiete, zuwenden. Aktuell begleite ich in Sachsen-Anhalt das Projekt „Steuerung von Prozessen digital vernetzten Lernens“. Hier haben wir ein Qualifizierungsprogramm aufgelegt, mit dem wir schulische Führungskräfte unterstützen, den Prozess des digitalen Wandels an ihren Schulen zu steuern. Darüber hinaus werde ich mich einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der geisteswissenschaftlichen Pädagogik an der Universität Leipzig, Theodor Litt, zuwenden. Dabei wird es um das demokratiepädagogische Potential seines Werkes gehen.

Haben Sie sich für Ihre Tätigkeit an der Universität Leipzig ein bestimmtes Forschungsziel gesetzt? Welches?

Die Allgemeine Erziehungswissenschaft als Fach birgt bereits ein Forschungsziel in sich. Es geht mir darum, auf verschiedenen Ebenen erziehungswissenschaftliche Forschung mit schulischer Praxis zu verbinden. Hierbei möchte ich vor allem Brücken zwischen der pädagogischen Forschung und den Schulleitungen bauen.

Würden Sie bitte kurz einige Schwerpunkte nennen, die Sie in der Lehre setzen wollen?

In der universitären Lehre kann ich mich in zwei Bereichen einbringen, denen ich mich sehr verbunden fühle. Zum einen in das Lehramtsstudium. Hier wirke ich im Modul „Bildung und Erziehung in historischer, systematischer und international vergleichender Perspektive“ mit. Zum anderen im Masterstudiengang „Begabungsforschung und Kompetenzentwicklung“. Dazu kann ich einen Beitrag durch meine langjährige Erfahrungen an der Landschule Pforta leisten, an der ich einige Jahre als Lehrer und gemeinsam mit meiner Frau als Hauseltern eines Internats tätig war.

Die aktuelle Herausforderung der digitalen Lehre birgt meines Erachtens eine große Chance in sich. Gemeinsam mit den Studierenden können neue Formate des Lehrens und Lernens getestet werden; eine Erfahrung, die über die Studierenden sicher auch auf die schulische Bildung ausstrahlen wird.

Bitte beenden Sie folgenden Satz: „Die Universität Leipzig ist für mich…“

“…eine der beiden Bildungseinrichtungen, die mir am meisten am Herzen liegen. Die andere ist die Landesschule Pforta.“

Antworten Sie gern mit persönlichem Bezug oder allgemein: Welche Entdeckung, Erfindung oder Erkenntnis wünschen Sie sich in den nächsten zehn Jahren?

Ich glaube, dass sich die Welt derzeit nach einer Entdeckung sehnt, die uns alle von der derzeitigen Covid 19-Pandemie befreit. Die Beschränkungen für unser berufliches und privates Leben werden immer gravierender. Insofern ist das auch mein größter Wunsch!

Welche Hobbys haben Sie?

In meiner Freizeit gehe ich mit meiner Familie gern ins Konzert, ins Theater oder in Museen; alles Dinge, die derzeit leider nicht möglich sind. Darüber hinaus wandere ich gern in den Dolomiten.

Haben Sie ein bestimmtes Lebensmotto, das Ihnen auch über schwierige Phasen hilft?

Ein Lebensmotto im engeren Sinne, habe ich nicht. Allerdings hat mich ein Wort aus Psalm 68 mein ganzes Leben begleitet: „Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.“

Verraten Sie uns bitte noch wann und wo Sie geboren sind?

Ich wurde 1967 in Spremberg in der Niederlausitz geboren.

Vielen Dank. Die Fragen stellte Katrin Henneberg.

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