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Vor 50 Jahren wurde die Kustodie der Universität Leipzig gegründet. Sie ist eine zentrale Einrichtung der Universität Leipzig und nimmt die klassischen Museumsaufgaben, wie Sammeln, Bewahren, Erforschen, Vermitteln, wahr und betreut den reichhaltigen Kunstbesitz der Universität Leipzig. Das wohl herausragendste Projekt der vergangenen 50 Jahre war die Restaurierung der Epitaphien, die vor der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli in Sicherheit gebracht werden konnten. Kustos Prof. Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen mit einer Replik.

Die Kunstsammlung bezeichnen wir auch als „vergegenständlichtes Gedächtnis“ unserer Alma mater, das deren Geschichte anschaulich und erlebbar macht. Hier kann man die über sechshundertjährige Geschichte unserer Universität anhand des historisch gewachsenen Kunstbesitzes eindrucksvoll nachvollziehen. Mit Wirkung zum 1. September 1971 wurde Rainer Behrends, bis dahin Assistent am Institut für Kunstgeschichte, zum ersten Kustos der Kunstsammlung der Universität Leipzig ernannt. Die Leipziger Kustodie ist damit – nach jener Anfang 1971 gegründeten der Universität Jena – die zweite Einrichtung dieser Art im Staatsgebiet der DDR. So notwendig die Begründung einer solchen Struktureinheit angesichts der bis ins Mittelalter zurückreichenden Kunstbestände war, so schwierig gestalteten sich ihre Anfänge. Der neu gekürte Kustos hatte anfangs weder Mitarbeiter noch einen Etat. Wie schon in der Gründerzeit, als August Schmarsow eine solche Einrichtung hatte begründen wollen, folgte ein zähes Ringen um Zuständigkeiten. Eine Hauptaufgabe bestand in der Inventarisierung des Gesamtbestandes, da bis dato nur Teilbereiche erfasst worden waren.

Nach ersten Ausstellungen im Foyer des Uniriesen ab 1974 ermöglichte die Galerie im Hörsaalbau ab 1979 eine regelmäßige Ausstellungstätigkeit. Mit der Ausstellung Luther und Leipzig bespielte die Kustodie 1983 erstmals den Oberlichtsaal des Krochhauses. Inhaltlich und strukturell neue Möglichkeiten bot die deutsche Wiedervereinigung 1990. So konnte unter anderem 1997 die Studiensammlung im Rektoratsgebäude eingerichtet werden.

Restaurierungen und Ausstellungen

Zeitgleich mit dem Wechsel im Kustosamt 2002 eröffnete die Umgestaltung des innerstädtischen Campus am Augustusplatz neue Perspektiven für die Entfaltung der Kunstsammlung im öffentlichen Raum. Wichtigstes Projekt der Jahre 2002 bis 2017 waren die Restaurierung und Wiederaufstellung wesentlicher Teile des seit 1968 improvisiert gelagerten, stark beschädigten Inventars der Universitätskirche, verbunden mit dem Einwerben von Spenden. Das neu errichtete, am Dies academicus 2017 eröffnete Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli wurde umgehend ein Publikumsmagnet. Das Epitaphprojekt erhielt 2020 den renommierten Europäischen Kulturerbepreis/Europa Nostra Award. Im Rahmen des Konzeptes Kunst auf dem Campus wurden ferner die Dominikaner-Fresken, eine Professorengalerie des Barock, das Wandbild Arbeiterklasse und Intelligenz von Werner Tübke sowie Vitrinen zur Baugeschichte des Areals präsentiert. Neuer Ausstellungsraum der Kustodie ist seit 2012 die Galerie im Neuen Augusteum.

Zusätzlich zu den Ausstellungen in eigenen Räumen organisierte die Kustodie die Sonderausstellung zum 600-jährigen Universitätsjubiläum 2009  des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig im Alten Rathaus. Unter dem Titel "Erleuchtung der Welt. Sachsen und der Beginn der modernen Wissenschaften" thematisierte sie die Wissenschaftsgeschichte der Aufklärungszeit. Außerdem engagiert sich die Kustodie in der kunsthistorischen Lehre. Seminare und Abschlussarbeiten münden nicht selten in Ausstellungsprojekte und Publikationen. Unterstützt werden auch Forschungen Dritter, darunter die Dissertation Conny Dietrichs zu den Wandbildern Max Klingers. Deren Forschungsergebnisse bilden die Grundlage unserer – von der Autorin mitkuratierten – Herbstausstellung "Max Klinger und die Universität Leipzig. Das verlorene Aulawandbild im Kontext". Künftige Kustodieprojekte umfassen das Lapidarium der Fragmente der Fürstenhauserker von 1558 sowie die Präsentation ausgewählter Porträtbüsten des 19. Jahrhunderts auf der Südseite des Audimax.

Mit Dankbarkeit für die in der Vergangenheit gewährte Unterstützung der Rektorate und zahlreicher Förderer blicken wir mit Optimismus in die Zukunft: Möge die Kunstsammlung der Universität Leipzig weiter blühen und reiche Früchte tragen! 

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