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Auf der ersten Seite der Universitätsstatuten von 1409 findet sich ein Weihekreuz. Dabei steht der doppelte Kreis mit seinen rot gefärbten Flächen für das vergossene Blut Christi. Diese besondere Kreuzform wurde als Weihekreuz bezeichnet, da mittelalterliche Kirchenneubauten zunächst von bestimmten Stellen aus gesalbt wurden, dort wurde dann ein Weihekreuz angebracht.

Mit einem starken Bibeltext begleiten die Magister und Scholaren den Gründungsakt der neu geschaffenen universitas. Das erste Statutenbuch beginnt mit dem Evangelium nach Johannes:

Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden
und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.

Analog der Beschreibung des göttlichen Schöpfungsaktes lassen die Gründungsväter der Universität Leipzig einen Eigenbezug erkennen. Der theologische Bibelbezug steht zugleich für ihr eigenes Selbstbewusstsein. Mit Gottvertrauen und Selbstvertrauen entsteht das neue Werk.

Das erste Statutenbuch war mehr als 100 Jahre bei jeder akademischen Zusammenkunft präsent – nicht nur, um im Streitfall schnell nachschlagen zu können. Dass das oft vorkam, dafür sprechen die abgegriffenen Pergamentseiten.

Doch noch viel mehr verkörperte das in Holz und Leder gebundene Statut zeremoniell eines der Grundrechte der Universität: untereinander gleichberechtigt nach eigenen Regeln leben zu dürfen. 

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